Mit Krankenhäusern verbindet man in den meisten Fällen keine positiven Erinnerungen. Überfüllte Zimmer, unhöfliche/gestresste Pfleger und Ärzte, die einem nicht zuhören. Das allein reicht eigentlich schon. In unserem Gesundheitssystem sind die oben genannten Probleme aber längst nicht die größten. Ärzte und Pfleger sind schlicht überfordert und wissen gar nicht mehr, wo sie noch freie Kapazitäten herholen sollen. Das soll sich jetzt ändern.

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Filmtipp: Heilen verboten?
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Der Kapitalismus schreckt auch im Gesundheitswesen nicht zurück

Heilen verboten? Heilen verboten?

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Viele Ärzte sind sich einig: Der Grund für die Fließbandarbeit und das nicht auf einzelne Fälle eingehen können, liegt am extremen ökonomischen Druck und das vor 16 Jahren eingeführte Abrechnungssystem nach „Fallpauschalen“. Das heißt, bestimmte Diagnosegruppen werden in „Fallgruppen“ eingeteilt, um sie anschließend pauschal zu vergüten. Die Faustregel scheint dabei zu sein, je höher der Aufwand, desto mehr Geld. Daraus lässt sich schließen, dass Patienten sich in diesem Gesundheitssystem nur auszahlen, wenn möglichst viele Therapiemöglichkeiten durchgeführt werden. Und im DRG-System (Diagnosis Related Groups) sind das alle Möglichkeiten von der einfachen Spritze, über die Magenspiegelung, bis hin zur „lebensnotwendigen“ Operation.

Nicht zu selten kommt es vor, dass Patienten einer Prozedur unterzogen werden, welche gar nicht nötig ist, um ein bestimmtes Behandlungsziel zu erreichen. Und dieser Fakt liegt nicht zuletzt am Übergreifen marktwirtschaftlicher Interessen auf einen der wichtigsten Bereiche unseres Lebens.

Aber woran liegt das? Sind es die Ärzte, die nur auf das Geld aus sind oder liegt es am System? Tatsächlich kam die Ökonomisierung der Medizin bereits in den 90er Jahren ins Rollen. Die Rede war damals von einer „Kostenexplosion“, welche Politiker fürchteten. Es entstand eine Misswirtschaft (natürlich) auf Kosten der Beitragszahler. So bekamen die Krankenhäuser einen Festbetrag an Geld für jeden Tag, den sich ein Patient in der Klinik befand, ganz egal wie krank oder eben auch nicht dieser war. Durch das DRG-System sollte sich dieser Umstand jedoch ändern. Transparenz, stabile Kassenbeiträge und ein Verdrängungswettbewerb im internationalen Vergleich der zu vielen Krankenhäuser, war das Ziel.

In der heutigen Zeit betrachtet, zeigt sich die Entwicklung unter anderem daran, dass kaufmännische Direktoren den ärztlichen vorgesetzt sind. Ökonomen hingegen sind dem ärztlichen Ethos nicht verpflichtet, wobei sich der Erfolg rein an den Zahlen bemisst und nicht an der Erfolgsrate diverser Behandlungsmethoden. Und um diesen Erfolg aufrecht zu erhalten, müssen eben immer mehr Fälle in gleicher Zeit behandelt werden. Beobachten lässt sich, dass seit der Einführung der Pauschalen die Zahl der Krankenhausbehandlungen stetig zugenommen hat, und damit sind wir europaweit die Einzigen.

Ärzte werden mit Boni gelockt

Um die Ärzte in diesem System gefügig zu machen, schmieren die Geschäftsführer der Institutionen ihnen ordentlich Honig ums Maul. Die Ärzte, vor allem solche, welche in Leitungspositionen praktizieren, werden mit Bonusverträgen gelockt. Das heißt, je mehr lukrative Patienten sie herbeischaffen, desto höher werden auch die Sonderzahlungen der Geschäftsführer. Vor allem Krebspatienten sind in diesem System besonders lohnend. Und das führt dazu, dass selbst in Zeiten der fortgeschrittenen Krebstherapie, Patienten in Provinzkliniken verlegt werden, anstatt in die von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizierten Zentren. Das Problem dabei ist, dass die Ärzte in den Provinzkliniken kaum bis gar keine Routine mit den ausgefeilten Operationsverfahren und Behandlungsschemata haben.

Darüber hinaus erreichen die Geschäftsführer ihr Ziel durch subtile Erpressung. Liefert ein Chefarzt beispielsweise nicht die gewünschten Zahlen, werden auf seiner Station Stellen gestrichen.

„Dann haben alle im Team Angst, noch mehr arbeiten zu müssen, und denken darüber nach, wie man Erlöse erzielen kann“,

sagt Justus Hilpert, der früher eine Intensivstation leitete, gegenüber Stern. In diesem System wird nicht der sorgfältige Arzt belohnt, sondern der stromlinienförmige, welcher fließbandartig vorgeht.

„Der Arzt lernt, Patienten schon bei der Notaufnahme nicht nur nach dem medizinischen Bedarf zu klassifizieren, sondern ob sie Gewinn versprechen.“

So der Freiburger Medizinethiker Giovanni Maio. Das Heimtückische daran sei jedoch, dass niemand den Ärzten vorschreibt, so zu handeln. Es sei schlichtweg eine „ideelle Verformung der Ärzte“.

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Geld für Investitionen wird vorenthalten

Und als wäre das alles nicht schon genug, treiben die einzelnen Bundesländer die Kliniken auch noch in rote Zahlen. Denn seit Jahren werden den Institutionen Investitionsgelder vorenthalten. So sind die einzelnen Länder in Deutschland eigentlich für Baumaßnahmen oder die Anschaffung von beispielsweise medizinischen Geräten zuständig. Die Kassen hingegen, sind „nur“ für die Kosten rund um die Patientenversorgung zuständig. Da die Krankenhäuser aber auch ohne die Leistungen der Länder Gelder für Investitionen brauchen, werden diese heutzutage hauptsächlich aus den Fallpauschalen finanziert…

Medizin vor Ökonomie – so darf es nicht weitergehen

Aufgrund der momentanen Situation haben sich nun mehrere Ärzte zusammen getan, die den marktwirtschaftlichen Interessen der Ökonomen einen Riegel vorschieben wollen. Mediziner formieren sich nun zum konzertierten Widerstand und fordern einen Notstopp. Allen voran, die Deutsche Gesellschaft für innere Medizin mit dem Ärzte-Kodex „Medizin vor Ökonomie“. Hinter diesem Kodex stecken bereits 30 Organisationen, die Ärzte dazu aufrufen, sich den wirtschaftlichen Zielvorgaben zu widersetzen, wenn diese das Wohl der Patienten gefährden. Das ist ein guter Anfang, Experten sind jedoch der Meinung, dass es bereits zu spät sein könnte, um das System von innen heraus zu ändern. Alexander Geissler der Berliner Gesundheitsökonom sagt gegenüber Stern:

„Kliniken müssten unabhängig von Fallpauschalen Sockelbeträge bekommen, für all das, was bisher schlecht im Abrechnungssystem abgebildet ist.“

So würden die großen Krankenhäuser profitieren, wenn sie viele schwere, bislang schlecht honorierte Fälle und Patienten mit seltenen Krankheiten versorgen. Die kleineren Krankenhäuser hingegen, hätten weniger Druck, Krankenhausfälle zu generieren und Erlöse über die Behandlung hochkomplexer Fälle zu erzielen, für die es gar nicht geeignet ist.

Der Berliner Ärztekammerpräsidenten Günther Jonitz jedoch ist sich sicher, dass das gesamte Gesundheitssystem überdacht werden muss, um dem hohen ökonomischen Druck endlich ein Ende zu setzten.

Sein Vorschlag: Das System der Berufsgenossenschaft und der gesetzlichen Unfallversicherungen. Denn dieses System orientiert sich nicht nur auf den Zahlen, sondern vielmehr darauf, dass ein Patient schnell wieder auf die Beine kommt.

„Weil der Arbeitsfähigkeit des einzelnen Unfallopfers, seit bald eineinhalb Jahrhunderten ein solch hoher Wert beigemessen wird, ist sie mit allen geeigneten Mitteln herzustellen“,

heißt es im Sozialgesetzbuch VII. Im Schwestergesetzbuch, dem Sozialgesetzbuch V heißt es sogar:

„Die Leistungen müssen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein; sie dürfen das Maß des Notwendigen nicht überschreiten.“

Ein solches System käme dem Ideal eines funktionierenden Gesundheitssystems vielleicht ein bisschen näher, anstatt auf einem zu beharren, welches nur von Profitgier dominiert wird, anstatt das Wohl des Patienten zu wahren.

Passend zum Thema ein kurzes (7:46) Video auf YouTube, welches das Problem der Fallpauschalen veranschaulicht:

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 Quellen:

Stern.de

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