Man kann sich an alles gewöhnen, auch an die schönen Dinge im Leben. Geld, Familie, Gesundheit und sogar die Liebe können im Alltag eingefangen sein. Wenn die Farben langsam blass werden, die Flamme im Herzen erlischt und Einsamkeit zur Gewohnheit wird, dann ist es entweder Herbst oder man ist dabei, sich https://www.maona.tv/blog/bevor-der-winter-kommtbevorselbst zu verlieren. Bevor der Winter kommt kreiert mit langen, stillen Szenen und kalten Charakteren ein unangenehmes Gefühl der Melancholie.

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Eine dramatische Illusion der Stille

Bevor der Winter kommt Bevor der Winter kommt

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Ein gutes Ansehen in der Klinik, anhaltender beruflicher Erfolg als Neurochirurg, eine Villa samt großem Garten, einer schönen Frau an seiner Seite und einem ebenfalls erfolgreichen Sohn, der Paul gerade zum Großvater gemacht hat. Paul, gespielt von Daniel Auteuil, hat im Prinzip alles, was man sich als in die Jahre gekommener Mann nur wünschen kann.

All das bedeutet Paul aber scheinbar nichts. Er wirkt, als hätte er jegliche Wertschätzung sowohl für das Menschliche als auch das Materielle verloren. Tag für Tag wirkt er gelangweilt, unberührt, emotions- und lustlos. Wenn Paul abends nach einem langen Arbeitstag nach Hause kommt, spürt das besonders seine Ehefrau Lucie, gespielt von Kristin Scott Thomas, mit welcher er seit 30 Jahren eine von außen betrachtet vorbildliche Ehe führt. Sie hat mit einer psychisch kranken Schwester selbst viele Sorgen, aber durch Pauls Distanz scheinbar keinen Partner, an den sie sich festhalten kann. Sie entgegnet ihm zwar mit guter Miene zum bösen Spiel, wirkt innerlich bereits leer und einsam.

Beider Leben wirkt nur noch wie ein altes verblasstes Bild. Eine Momentaufnahme, frei von Flexibilität, Klang und Ästhetik. Man bekommt das Gefühl, dass sich zwei geliebten Menschen schon beinahe so weit voneinander entfernt haben, dass sie sich selbst fremd sind.

Pauls Freund und Kollege Gérard, ein Professor für Psychologie, der in derselben Klinik arbeitet, macht das, was Paul schon lange nicht mehr kann. Gespielt von Richard Berry, begehrt Gérard die Liebe und das Leben, nur nicht das eigene, sondern das von Paul. Alle Akteure scheinen eine Maske zu tragen, sie lügen sich selbst und allen anderen etwas vor. Das hochkarätige Darstellerensemble lässt die Charaktere dennoch vertraut und lebensecht wirken.

Die Blumen im Frühling waren Träume im Winter

Wahrscheinlich wäre die trostlose Maskerade ewig weitergelaufen, wenn da nicht eine Blume in Pauls Leben auftauchen würde. Nach einer scheinbar bedeutungslosen Begegnung mit Lou, einer angeblich ehemaligen Patientin von ihm, erhält er plötzlich Rosen. Die kommen offensichtlich von ihr. Auf Lou, gespielt von Leïla Bekhti, trifft Paul nun immer wieder. Sogar in der Klinik, wo Lou auf einmal eine Patientin bei Gérard ist. Die immer mehr werdenden Rosen bleiben nicht unentdeckt und auch nicht ohne Bedeutung. Die Blume der Liebe wird zum Zündstoff in Pauls Ehe mit Lucie. Zwar fühlt sich Paul zunächst verfolgt und bedrängt von Lou, entdeckt aber auch eine asexuelle Faszination an der jungen Frau. Seine sonst so sichere Welt beginnt zu schwanken.

Lou, mit der sich Paul immer mehr beschäftigt und seine Zeit verbringt, wird zum Mittelpunkt der Intrigen. Trotz ihrem unschuldigen Schein birgt auch sie ein tragisch böses Geheimnis in sich. Alle Konflikte finden trotz der tiefgehenden emotionalen Schläge in völliger Stille statt. Die Gesichter wirken regungslos, die Gefühle kalt. In der Ruhe braut sich aber ein gefährlicher Sturm auf.

Fazit

Bevor der Winter kommt zeigt, wie sehr ein Leben zum Stillstand kommen kann. Die Erzählweise des Films ist dazu passend still. In der kältesten Zeit des Jahres ist es wichtig, die Wärme zu erhalten und andere daran teilhaben zu lassen. Zwar nimmt der Film oft Bezug zu dem meteorologischen Winter, bezieht sich aber klar auf die menschliche Wärme. Denn was ist das Leben überhaupt wert, wenn man nichts mehr fühlt?

Wie kann man von anderen Menschen erwarten, einen zu lieben, wenn man selbst keine Liebe gibt?

In seinem dritten Werk schafft Philippe Claudels eine fast greifbare unangenehme Atmosphäre, welche immer kurz davor steht, in einem Drama zu enden. Er stellt ganz alltägliche zwischenmenschliche Entwicklungen dar, die, wenn man sie zulange missachtet, zu Gift werden können.

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