Dass die Cannabispflanze ein vielseitiges Gewächs ist, welches bei diversen Leiden hilft, aber auch dem Vergnügen keinen Abbruch tut, wissen wir bereits. Wissenschaftler haben die Pflanze auch in Verbindung mit Covid-19 untersucht, wobei sie zu vielversprechenden Ergebnissen kamen. Eines sollten wir jedoch vorwegnehmen: Cannabis ist kein Allheilmittel oder Zauberkraut… Dennoch besitzt es verschiedene Eigenschaften, die bei einer Covid-19-Erkrankung von Vorteil sein könnten.

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Mindestens 113 Wirkstoffe, nicht nur 13

Bevor wir uns dem Thema ausgiebiger hingeben, ist es mir ein Anliegen, eines klarzustellen. In einigen Artikeln, die wir im Moment zu diesem Thema finden können, wird behauptet, die Cannabispflanze würde über 13 Wirkstoffe verfügen und zwei dieser Wirkstoffe sind THC (Tetrahydrocannabinol) und CBD (Cannabidiol). Das stimmt nur zum Teil, denn Fakt ist, dass Forscher bisher nicht nur 13, sondern mindestens 113 Inhaltsstoffe in der Pflanze nachwiesen haben. Entweder ist hier jemandem ein Schreibfehler unterlaufen, den alle anderen einfach abgeschrieben haben, ohne darüber nachzudenken, ob das überhaupt stimmt, oder die Verfasser der ursprünglichen Nachrichten wissen schlicht nicht, wovon sie schreiben. Wie dem auch sei… Hier geht es um die sogenannten Cannabinoide, welche in der Pflanze enthalten sind. Sie sind es, die der Pflanze ihre „Magie“ verleihen.

Wir sollten vorerst die Kirche im Dorf lassen

Anfang letzten Jahres sorgte eine Studie aus Frankreich für Aufsehen. Rauchen sollte gegen Covid-19 schützen… So zumindest viele der Schlagzeilen, welche jedoch eher die Funktion eines Clickbaits erfüllten, als seriöse Berichterstattung zu leisten. Zwar gab es wirklich eine Studie zum Thema Nikotin und Corona, welche mittlerweile sogar von weiteren Forschern bestätigt wurde, dennoch hat diese Studie nichts mit dem Rauchen an sich zu tun. Denn hier geht es lediglich um das Nervengift Nikotin, welches laut der Forscher an den Zellrezeptoren ACE2 anhaftet (die wiederum vom Coronavirus genutzt werden) und somit die Anhaftung des Coronavirus verhindert. Das Virus kann also nicht in die Zelle eindringen und sich somit im Organismus verteilen – so zumindest die Annahme der Forscher.

In Verbindung mit Cannabis haben kanadische Forscher im Zuge einer Studie nun ebenfalls Grund zur Annahme geliefert, dass Cannabis das Coronavirus daran hindern könnte, in unseren Zellen einzudringen. Wichtig ist an diesem Punkt jedoch zu erwähnen, dass diese Studie sehr neu und somit noch nicht verifiziert ist. Das heißt, die Studie wurde noch nicht von anderen Forschern des Fachgebiets begutachtet, um die Qualitätssicherung zu gewährleisten. Dennoch:

Es gibt Grund zur Annahme, dass Cannabis Corona-Andockstellen blockiert

„Die Ergebnisse zu COVID stammen aus unseren Studien zu Arthritis, Morbus Crohn, Krebs und anderen,“

sagt Dr. Igor Kovalchuck, Professor für Biowissenschaften an der Universität Lethbridge gegenüber dem Rundfunkproduzenten „Deutsche Welle“. Ähnlich wie bei der französischen Studie wird vermutet, dass insbesondere der Wirkstoff Cannabidiol der Cannabispflanze Sativa L. die Fähigkeit des Virus reduziert, in die Zellen der Lunge einzudringen, um sich im Organismus zu verbreiten.

In ihrem auf preprint.org veröffentlichten Artikel, „In Search of Preventative Strategies: Novel Anti-Inflammatory High-CBD Cannabis Sativa Extracts Modulate ACE2 Expression in COVID-19 Gateway Tissues“ beschreiben die Wissenschaftler, dass das SARS-CoV-2 Virus, ähnlich wie bei anderen Krankheitserregern der Atemwege den Rezeptor-vermittelten Eintritt in den menschlichen Wirt über das Angiotensin-Converting-Enzym II (ACE2) nimmt. Dieser Rezeptor ist sowohl im Lungengewebe sowie in der Mund- und Nasenschleimhaut, in der Niere, in den Hoden und im Magen-Darm-Trakt exprimiert. Cannabis, insbesondere die Sorte Sativa L., welche über einen hohen Anteil des Cannabinoids CBD (Cannabidiol) verfügt, soll die Genexpressionen und Entzündungen modulieren, da der Stoff vor allem auch krebsbekämpfende und entzündungshemmende Eigenschaften aufweist.

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Im Zuge der Studie haben die Wissenschaftler 800 neue Cannabis-Sativa-Stämme und -Extrakte entwickelt und die Hypothese aufgestellt, dass Extrakte der Cannabis Pflanze Sativa L. mit hohem CBD-Gehalt verwendet werden können, um die ACE2-Expression im COVID-19-Zielgewebe zu modulieren. Den Link zum Artikel der Studie findest Du in der Quellenangabe.

Wenn das, was die kanadischen Wissenschaftler hier sagen, stimmt, würde das also bedeuten, dass wir als Wirt weniger anfällig und verletzlich gegenüber dem Virus sind, wenn wir uns einer entsprechenden „Cannabis-Therapie“ unterziehen.

„Wenn sich kein ACE2 im Gewebe befindet, kann das Virus nicht eindringen,“

So der Biologieprofessor Kovalchuck.

13 von 800 Extrakten eventuell wirkungsvoll

Von den insgesamt 800 neuen Cannabis Sativa-Varianten, die alle über einen hohen CBD-Gehalt verfügen, wurden 13 identifiziert, die laut der kanadischen Forscher die ACE2-Werte in den menschlichen Gateways, also den Eintrittspunkten, modulieren können. Leider geht es mit der weiteren Forschung nur zögerlich voran, da die Finanzierung der Cannabinoid-Forschung laut Kovalchuck „immer noch schwierig“ sei. Das Problem dabei ist wohl das weltweit verbreitete Halbwissen bezüglich der potenten Pflanze. Darüber hinaus besteht die „Gefahr“, dass einige der Patienten meinen, sie könnten eine auftretende Krankheit einfach mit ein paar Zügen eines Joints heilen oder seien somit sogar immun gegen das Virus.

Genau aus diesem Grund ist es so enorm wichtig, dass wir richtig und vor allem seriös über dieses Thema berichten. Und auch wenn die Studie vielversprechend klingt. Noch wurde sie nicht verifiziert und noch sind die kanadischen Wissenschaftler am Forschen. Eine Cannabistherapie sollte also nach wie vor immer mit einem entsprechenden Arzt besprochen werden.

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Quellen:

Artikel zur Studie

https://www.dw.com/de/sch%C3%BCtzt-cannabis-vor-dem-coronavirus/a-53371833

https://www.dw.com/de/hilft-nikotin-gegen-das-coronavirus/a-53220886

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