„Mach’s selbst!“ lautet die Devise im 21. Jahrhundert, und vor allem in Zeiten von Corona nehmen sich viele die Zeit, einen Zaun, die Terrasse oder gar ein Bett selbst zu bauen. Aber auch der Bau des Eigenheims ist für viele in diesem Jahr in den Vordergrund gerückt. So boomt der Bau in Deutschland in diesem Jahr trotz Corona regelrecht. Die Folge: Die Holznachfrage steigt ins Unermessliche, der Export des Rohstoffes nimmt zu und die Preise steigen. Und die Leidtragenden sind in diesem Fall wieder sowohl die kleinen Landwirte als auch unsere Natur und Umwelt.

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Die Nachfrage steigt, aber der Profit bleibt klein

Durch die Corona-Pandemie war es vielen Konzernen nicht möglich, ihr volles Produktionspotenzial auszuschöpfen. So wurde der Holzpreisanstieg unter anderem dadurch befeuert, dass den Sägewerken in diesem Jahr nicht so viel Holz geliefert werden konnte, wie sie benötigten, um die Nachfrage zu decken.

Außerdem mussten einige Sägewerke durch den Corona-Lockdown auf Arbeitskräfte aus Polen oder Tschechien verzichten. Darüber hinaus fehlte es an ausländischen Transportunternehmen, die das Holz aus dem Wald zu den Sägewerken schaffen. Dennoch, den Sägewerken geht es dabei vergleichsmäßig gut, denn sie sind es, die dennoch Profit aus der Krise schlagen. Die, die wirklich leiden, sind die, die das Holz zur Verfügung stellen – Waldbesitzer und Landwirte.

Lieferengpässe hin oder her Holz ist eigentlich genug da. Denn durch den Befall von Schädlingen, wie etwa dem Borkenkäfer oder Trockenheit und Stürmen gibt es im Grunde genommen zu viel Holz auf dem Markt. Die Waldbesitzer jedoch bekommen mittlerweile nicht einmal mehr genug Geld für den Rohstoff, um ihre Kosten zu decken. Im Gegensatz zur Industrie ist bei ihnen der Preis in diesem Jahr nämlich kontinuierlich gefallen. So bekommen Waldbesitzer in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen aktuell zum Beispiel gerade mal 25 Euro für den Festmeter Fichte. Und selbst die gibt es nur dann, wenn das Holz noch gut genug ist und von den Sägewerken zu Balken und Brettern verarbeitet werden kann. Für das sogenannte Industrieholz, welches zu Spanplatten verarbeitet wird, werden höchstens zwölf Euro pro Festmeter gezahlt. Das decke nicht einmal die Kosten für den Holzeinschlag und den Transport, kritisiert der Waldbesitzerverband in Sachsen. Die Waldbesitzer selbst reden hier von „Entsorgungspreisen“.

Das Problem: Es fehlen die Gelder, um Wege zu bauen und die Wälder, welche gerodet wurden, wieder aufzuforsten …

Waldbesitzer rufen zu Sägestreik auf

Die Forstwirtschaft kritisiert die Profitgier der Sägewerke harsch, denn es kann nicht sein, dass die Sägewerke sich die Taschen vollmachen, während die Waldbauern nicht einmal ihre Kosten decken können. Georg Schirmbeck, seit 2001 Vorsitzender des Waldbesitzerverbandes Weser-Ems und Mitglied im Hauptausschuss der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände ist Sauer.

„Ich kann meine Bäume nicht verschenken“,

Schimpft der Präsident. Denn genau das sei es, wozu Waldbesitzer im Moment gezwungen werden. Sein Aufruf deshalb an die rund zwei Millionen privaten Waldbesitzer:

„Stoppt das Sägen, lasst die Bäume stehen!“

Mit diesem Sägestreik will Schirmbeck erreichen, dass das Holzangebot verknappt und die Ware somit profitabler für die Waldbesitzer wird. Es kann nicht sein, dass von Waldbesitzern erwartet wird, den Wald umzubauen und klimagerechter zu gestalten, im selben Zug aber nichts in die Waldkassen fließe.

Die Ursachen für den Preisboom liegen unter anderem im Ausland

Ein Hauptgrund für den Holzpreis-Boom liege laut diversen Experten vor allem im Ausland.

“Die konjunkturelle Erholung in der Welt ist sehr viel rascher gekommen als erwartet. In den USA, in China, aber auch in Europa ist die Bautätigkeit sehr stark. Wir haben insbesondere in den USA ganz dramatische Engpässe beim Holz,”

sagt Rohstoffexperte Hans-Jürgen-Gern vom Kieler Institut für Weltwirtschaft. Insbesondere die USA kaufen aus diesem Grund immer mehr Holz in Europa ein. Andere Holzlieferanten wie Kanada oder Russland beispielsweise haben unterdessen einen Exportstopp erlassen. Aus diesem Grund ist deutsches Holz noch gefragter als bisher. So sind laut Statistischem Bundesamt die Ausfuhren von Rohholz aus Deutschland 2020 im Vergleich zu 2019 um 43 Prozent auf rund 12,7 Millionen Kubikmeter gestiegen. Im langfristigen Vergleich hat sich die Menge von ausgeführtem Rohholz seit 2015 mehr als verdreifacht.

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Aber auch in Deutschland boomt der Bau. 2020 ist die Zahl der Baugenehmigungen gestiegen, da die Deutschen ihr Geld offenbar lieber Baumaterial als in beispielsweise Urlaubsreisen investiert haben.

„Viele Kunden haben den Sommer zu Hause genutzt, um Terrassen und Zäune zu erneuern, Gartenhäuser aufzustellen und vieles mehr.“

So Ullrich Cochanski Sprecher der Baumarktkette Hagebau.

Die erhöhte Holznachfrage setzt unsere Wälder unter Druck

Die hohe Holznachfrage und die damit verbundenen Arbeiten im Wald setzen diesem stark zu. Vor allem die biologische Vielfalt trägt großen Schaden von der kommerziellen Nutzung der Waldflächen. Denn vor allem die Baumkronen sind es, die den Waldboden mit wichtigen Nährstoffen versorgen. Wissenschaftler/innen warnen bereits jetzt vor einem Nährstoffmangel in den Waldböden.

Gleichzeitig wird bei Erntearbeiten aber immer weniger darauf geachtet, die Wälder fachgerecht zu bewirtschaften, da die Forstverwaltungen stark auf den Gewinn achten und Personal einsparen müssen. Ganz nach dem Motto, „Zeit ist Geld und Geld haben wir nicht“.

Für die biologische Vielfalt hat dieser Zustand fatale Folgen. Tiere, Pflanzen und Pilze, die auf alte, dicke Bäume, viel totes Holz und natürlich absterbende Bäume angewiesen sind, finden immer weniger Lebensraum. Vom kleinsten Insekt, das nur im Verborgenen liegt bis hin zum Vogel oder diversen Säugetieren. Alle leiden unter der kommerziellen Forstwirtschaft, da sie keine Nahrung finden, geschweige denn einen Platz, wo sie ihren Nachwuchs sicher aufziehen können. Der Baummarder, Grauspecht und zahlreiche Fledermausarten stehen mittlerweile sogar als (teilweise stark) gefährdet auf der Roten Liste.

Darüber hinaus machen die Schadstoffe, welche bei den Rodungsarbeiten freigesetzt werden, unseren Wäldern stark zu schaffen. Die Bäume werden schwächer und anfälliger für Schädlinge wie eben dem Borkenkäfer. Aber auch der Schutz bei Wind und Wetter ist nicht mehr gegeben, wodurch kleinere Bäume öfter beschädigt werden, da sie keinen Schutz von den größeren Bäumen bekommen. Um die Leistungsfähigkeit und die Qualität der Wälder zu erhalten, ist es daher entscheidend, die Regenerationsfähigkeit der Waldökosysteme nicht durch Intensivierungsmaßnahmen zu überfordern.

Altmaier fordert: „wieder mehr gesunde Fichten in Deutschland zu fällen“

Auch unser Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) möchte dem drastischen Preisanstieg und Lieferengpässen beim Bauholz entgegenwirken. Allerdings durch eher fragwürdige Maßnahmen. So schlägt Altmaier vor, wieder mehr gesunde Fichten in Deutschland zu fällen. Eine derzeit geltende Beschränkung hatte diese Baumart in Deutschland geschützt. Unser Bundeswirtschaftsminister fordert jedoch, dass diese Beschränkung zum Schutz des Nadelbaumbestandes „schnellstmöglich“ aufgehoben wird. Darüber hinaus schlägt Altmaier einen Verzicht auf Konventionalstrafen vor, sofern Rohstoffknappheit kausal für eine verzögerte Leistung sei. In dem Schreiben Altmaiers heißt es außerdem:

„Zusätzlich zur Verbesserung der Versorgung mit Holz und Holzprodukten aus heimischem Anbau, werden wir uns bei Holz exportierenden Ländern dafür einsetzen, dass internationale Handelshemmnisse abgebaut werden.“

Politiker fordert Holzexportstopp

Andere Politiker, wie beispielsweise Stephan Wefelscheid, wirtschaftspolitischer Sprecher der FREIE WÄHLER Landtagsfraktion hingegen, fordern einen Exportstopp. Denn sollte sich die massive Preissteigerung und die Angebotsverknappung in diesem Ausmaß fortführen, befürchtet Wefelscheid Insolvenzen im Handwerk.

„Auch, weil die meisten Bauleistungsverträge mit festen Einheitspreisen gestaltet sind und die Handwerker diese nur noch mit Verlusten abschließen können. Schreiner und Zimmerleute fordern deswegen zu Recht einen Exportstopp von Holz aus deutschen Wäldern. Ein solcher ist nach meiner Auffassung auch möglich, da die EU-Verordnung 2015/479 der Bundesrepublik Deutschland ermöglicht, bei einer durch einen Mangel an lebenswichtigen Gütern bedingten Krisenlage bei der EU-Kommission einen Antrag auf Ausfuhrbeschränkung stellen zu können. Die Landesregierung sollte daher umgehend bei Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier darauf drängen, einen Exportstopp von Holz zu prüfen und die notwendigen rechtlichen Schritte einzuleiten.“

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Quellen:

https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/wirtschaft/holz-boom-baumarkt-preise-100.html

https://www.br.de/nachrichten/bayern/profitieren-waldbesitzer-von-den-hohen-holzpreisen,STF4RGH

https://www.nw.de/nachrichten/wirtschaft/23002966_Wegen-hoher-Holzpreise-Waldbesitzer-zum-Saegestreik-aufgerufen.html

https://www.ndr.de/ratgeber/verbraucher/Darum-sind-die-Holzpreise-explodiert,holzpreise102.html

https://zimmerer-treff.com/blog/detail/1339/holzpreise-steigen-weiter%253A-das-sind-die-ursachen

https://www.bund.net/waelder/waldwirtschaft/

https://www.eifelzeitung.de/region/rlp/wefelscheid-fordert-exportstopp-von-holz-319507/

https://www.eifelzeitung.de/region/rlp/wefelscheid-fordert-exportstopp-von-holz-319507/

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