„Die weibliche Natur braucht weibliche Wege, sie kann sich niemals durch männliche Wege entfalten“, meint Maitreyi D. Piontek. Wandelt sich derzeit das Bild der modernen Frau? 

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Die Frau in der Gesellschaft

Seit Jahrtausenden wird die Frau in fast allen Kulturen unterdrückt, und meist sind es die überlieferten Religionen, die den Wert und das Selbstbewusstsein der Frauen auf ein Minimum senken und jegliche Entfaltung des eigentlichen Potentials unmöglich machen – sehr zum Nachteil der jeweiligen Nation. Nicht umsonst sprach Bundespräsident Horst Köhler im Oktober 2009 beim Thema Welthungerhilfe von der Gleichberechtigung der Frauen. Denn es sind die Frauen in den Hungerregionen, die sich um die Kinder und um das Essen kümmern müssen und dabei zugleich in ihrer Intelligenz, ihrer Würde und ihrem Handlungs- und Entscheidungsspielraum radikal eingeschränkt werden.

In islamischen Ländern ist das offensichtlich, aber auch in westlichen Industrienationen wirken sich die alten Glaubenssätze der Bibel immer noch unterbewusst auf Frauen aus. Was soll das eigentlich bedeuten, dass Gott die Frau aus Adams Rippe schuf? Einerseits eine geradezu lächerliche Vorstellung, andererseits aber irgendwo wirksam bei etlichen Frauen, die das als kleines Mädchen in der Kirche hörten. Auch Unsinn setzt sich fest.

In der westlichen Welt hat sich, wie es scheint, die öffentliche Anerkennung der Frau durchgesetzt. Wir haben eine deutsche Bundeskanzlerin, die sich für die Gleichberechtigung der Geschlechter im Beruf stark macht, Hillary Clinton ist US-Außenministerin und immer mehr Frauen schaffen es in die Vorstände großer Firmen.

Maitreyi Piontek möchte allerdings Frauen auf einer viel tieferen Ebene ansprechen und sie zu einer inneren Reise ermutigen, die zu ihrem innersten weiblichen Wesen führt. Oft genug sind ja gesellschaftlich erfolgreiche Frauen von männlichen Werten geprägt. Es geht aber um die Entdeckung und Anerkennung der ureigenen, lange verschütteten weiblichen Spiritualität. Aus dem Innersten kommt die wahre Kraft, die unsere Welt verändern kann.

 

Hier das Interview mit Maitreyi D. Piontek:

Maitreyi Piontek, wie wichtig ist Ihnen, dass sich Frauen auch politisch, in der Gemeinschaft, selbstbewusst und erfolgreich bewegen?

Es ist wichtig, dass Frauen ihre weibliche Verantwortung übernehmen. Die Gleichstellung in der Arbeitswelt wurde zumindest in unseren Breitengraden thematisiert und ansatzweise umgesetzt. Doch der wichtigste Schritt steht noch bevor.

Jetzt geht es um die Befreiung und Heilung der weiblichen Spiritualität. Seit Jahrtausenden wurden Frauen für ihre weibliche Kraft und ihre übersinnlichen Fähigkeiten gequält, verbrannt und ausgestoßen. Das hat in der weiblichen Seele tiefe Wunden hinterlassen. Zu ihrem eigenen Schutz haben Frauen gelernt, sich anzupassen und mitzumachen. Frauen heute funktionieren überwiegend nach männlichen Vorgaben in männlichen Mustern. Aufgrund der weiblichen Geschichte liegt das weibliche Potenzial sehr tief verschüttet. Frauen haben sich mit der Zeit so sehr an ihre spirituelle Unterdrückung gewöhnt, dass sie gar nicht merken, dass ihnen das Wichtigste fehlt.

Wie wird eine Frau, die sexuell erfüllt ist, die Welt verändern?

Sexuelle Erfüllung allein reicht nicht aus, die Welt zu verändern, denn sie ist an sich noch keine transformierende Kraft. Grundlegende Veränderungen geschehen erst im Zusammenspiel von Sexualität und Spiritualität. Um sich aus dieser langen sexuellen und spirituellen Unterdrückung zu befreien ist es erforderlich, dass Frauen jetzt all ihre weiblichen Kräfte mobilisieren. Solange die Sexualität einer Frau verletzt oder unterdrückt ist, wird sie nicht über die erforderte Kraft verfügen, sich aus ihrer spirituellen Gefangenschaft zu befreien.

Um aus dem Schlamassel herauszukommen, den wir durch unsere materielle, profitorientierte Lebensausrichtung kreiert haben, müssen wir neue Wege finden. In all den Jahren, wo ich mit Frauen arbeite habe ich erfahren, was für ein enormes spirituelles Potenzial sich durch weibliche Heilung entfalten kann. Deshalb weiß ich, dass es Frauen braucht, um neue Wege zu erschließen, das entspricht der wahren, weiblichen Natur

Oft wird in spirituellen Traditionen wie etwa dem Buddhismus behauptet, die Wahrheit sei jenseits aller Dualität, also auch jenseits von weiblich und männlich. Sie vertreten jedoch einen weiblichen spirituellen Weg – gegenüber einem männlichen. Können Sie das erläutern?

Das ist nicht nur im Buddhismus so und das wird hier auch nicht in Frage gestellt. Es geht um den weiblichen Weg dorthin. Und gerade weil wir Menschen Ausdruck sind von dieser Dualität ist es auch notwendig, diese auf dem spirituellen Weg zu berücksichtigen. Die Dualität wurde ja schon immer berücksichtig, deshalb sind fast alle spirituellen und okkulten Praktiken auf männliche Energiemuster abgestimmt. Und Frauen brauchen eben ihre eigenen authentischen weiblichen Wege zur ewigen Wahrheit.

Sie schreiben: Nur sehr wenige Frauen haben sich bislang auf den weiblichen Prozess wirklich eingelassen und ihre Weiblichkeit tief greifend geheilt und rehabilitiert. Was meinen Sie damit?

Die Zeit für die weibliche Heilung war noch nicht reif. Bis jetzt haben überwiegend eher männlich geprägte Frauen den Ton angegeben und für die Gleichstellung und mehr Rechte der Frau gekämpft und auch anderen Frauen gezeigt wo es lang geht. Das war auch notwendig. Nun ist die weibliche Heilung dran und die folgt anderen Gesetzen, das ist ein innerer Prozess. Dazu braucht es nun spirituell ausgerichtet Frauen, die weibliche Wege gehen. Sich aus einer männlichen Prägung zu befreien und den Weg zurück in die weibliche Heimat finden ist immer ein allmählicher Prozess.

Frauen wurde solange von Religionsführern, Gurus, LehrerInnen und TherapeutInnen vorgeschrieben, wie sie ihre Sexualität und Spiritualität leben sollen, dass sie sich zuerst etwas dran gewöhnen müssen, ihren eigenen weiblichen Erfahrungen und ihrer inneren Weisheit zu vertrauen.

Einleitung und Interview: Christian Salvesen

 

Maitreyi D. Piontek, spirituelle Lehrerin, medizinische Sexologin, erfahrene Psychiatrieschwester und Heilerin. Seit 1974 arbeitet sie mit Menschen und befasst sich mit ganzheitlicher Gesundheit, sexueller Heilung, Spiritualität und okkulten Wissenschaften. Ihre weibliche Arbeit gilt als Pionierarbeit und ist für Frauen auf der ganzen Welt zu einem wichtigen Wegweiser auf der Suche nach einer neuen weiblichen Identität geworden. Ihre Bücher wurden in 14 Sprachen veröffentlicht. Maitreyi lebt in Zürich und Berlin und züchtet Tempelkatzen. Sie ist als internationale Seminarleiterin und Dozentin tätig und führt eine eigene Praxis.

 

buch_weibliches manifestWeibliches Manifest
ISBN 9783778773673
Piontek, Maitreyi D.
Verlag Ansata

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