Die folgende Rede stammt aus dem Film „Der große Diktator“ (1940) und wurde von Charlie Chaplin geschrieben und vorgeführt. Sie stellt die finale Rede des Films dar, und in der Tat, ist sie einem Finale mehr als würdig. Aber mache dir ein eigenes Bild: in Textform, sowie mit der entsprechenden Filmszene in Video-Form am unteren Ende des Beitrags.

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Filmtipp:Peaceful Warrior
Die Verfilmung des Kult-Bestsellers „Der Pfad des friedvollen Kiegers“ mit Nick Nolte als Sokrates.

Transkript

Es tut mir leid aber ich möchte nun mal kein Herrscher der Welt sein, denn das liegt mir nicht.
Ich möchte weder herrschen, noch irgendwen erobern,
sondern jedem Menschen helfen, wo immer ich kann.
Den Juden, den Heiden, den Farbigen, den Weißen.
Jeder Mensch sollte dem anderen helfen, nur so verbessern wir die Welt.
Wir sollten am Glück des andern teilhaben und nicht einander verabscheuen.
Haß und Verachtung bringen uns niemals näher.
Auf dieser Welt ist Patz genug für jeden, und Mutter Erde ist reich genug, um jeden von uns satt zu machen.
Das Leben kann ja so erfreulich und wunderbar sein.
Wir müssen es nur wieder zu leben lernen.
Die Habgier hat das Gute im Menschen verschüttet und Mißgunst hat die Seelen vergiftet und uns im Paradeschritt zu Verderb und Blutschuld geführt.
Wir haben die Geschwindigkeit entwickelt aber innerlich sind wir stehen geblieben.
Wir lassen Maschinen für uns arbeiten und sie denken auch für uns.
Die Klugheit hat uns hochmütig werden lassen, und unser Wissen kalt und hart.
Wir sprechen zu viel und fühlen zu wenig.
Aber zuerst kommt die Menschlichkeit und dann erst die Maschinen.
Vor Klugheit und Wissen kommt Toleranz und Güte.
Ohne Menschlichkeit und Nächstenliebe ist unser Dasein nicht lebenswert.
Aeroplane und Radio haben uns einander näher gebracht.
Diese Erfindungen haben eine Brücke geschlagen, von Mensch zu Mensch.
Die erfordern eine allumfassende Brüderlichkeit, damit wir alle Eins werden.
Millionen Menschen auf der Welt können im Augenblick meine Stimme hören.
Millionen verzweifelter Menschen, Opfer eines Systems, das es sich zur Aufgabe gemacht hat Unschuldige zu quälen, und in Ketten zu legen.
Allen denen die mich jetzt hören rufe ich zu : Ihr dürft nicht verzagen!
Auch das bittere Leid das über uns gekommen ist, ist vergänglich.
Die Männer, die heute die Menschlichkeit mit Füssen treten werden nicht immer da sein.
Ihre Grausamkeit stirbt mit ihnen, und auch ihr Hass.
Die Freiheit, die sie den Menschen genommen haben, wird ihnen dann zurückgegeben werden.
Auch wenn es Blut und Tränen kostet, für die Freiheit ist kein Opfer zu groß.

Soldaten vertraut euch nicht Barbaren an,
Unmenschen die euch verachten, und denen euer Leben nichts wert ist, ihr seid für sie nur Sklaven.
Ihr habt das zu tun, das zu glauben, das zu fühlen.
Ihr werdert gedrillt, gefüttert, wie Vieh behandelt, und seid nichts weiter als Kanonenfutter.
Ihr seid viel zu schade für diese verehrten Subjekte.
Diese Maschinenmenschen, mit Maschinenköpfen, und Maschinenherzen.
Ihr seid keine Roboter, ihr seid keine Tiere, ihr seid Menschen!
Berwahrt euch die Menschlichkeit in euren Herzen und hasst nicht,
nur wer nicht geliebt wird hasst, nur wer nicht geliebt wird.
Soldaten kämpft nicht für die Sklaverei, kämpft für die Freiheit.
Im siebzehnten Kapitel des Evangelisten Lukas steht:
Gott wohnt in jedem Menschen.
Also nicht nur in einem oder in einer Gruppe von Menschen.
Vergesst nie, Gott liegt in euch allen, und ihr als Volk habt allein die Macht.
Die Macht Kanonen zu fabrizieren, aber auch die Macht Glück zu spenden.
Ihr als Volk habt es in der Hand, dieses Leben einmalig kostbar zu machen,
es mit wunderbarem Freiheitsgeist zu durchdringen.
Daher im Namen der Demokratie : Laßt und diese Macht nutzen!
Laßt uns zusammen stehen!
Laßt uns kämpfen für eine neue Welt, für eine anständige Welt!
Die jedermann gleiche Chancen gibt, die der Jugend eine Zukunft und den Alten Sicherheit gewährt.
Versprochen haben die Unterdrücker das auch, deshalb konnten sie die Macht ergreifen.
Das war Lüge, wie überhaupt alles, was sie euch versprachen, diese Verbrecher.
Diktatoren wollen die Freiheit nur für sich, das Volk soll versklavt bleiben.
Laßt uns diese Ketten sprengen!
Laßt uns kämpfen für eine beseere Welt!
Laßt uns kämpfen für die Freiheit in der Welt,
das ist ein Ziel, für das es sich zu kämpfen lohnt.
Nieder mit der Unterdrückung, dem Hass und der Intoleranz!
Laßt uns kämpfen für eine Welt der Sauberkeit.
In der die Vernunft siegt, in der uns Fortschritt und Wissenschaft allen zum Segen reichen.
Kameraden, im Namen der Demokratie : Dafür laßt uns streiten!

Der große Diktator war Chaplin’s erster Film mit Dialog. Chaplin spielt darin zwei Charaktere: einen kleinen jüdischen Barbier, welcher im Ghetto lebt, und Hynkel, der Diktator von Tomainia. In seiner Autobiographie zitiert Chaplin sich selbst: „Man muss kein Jude oder Anti-Nazi sein. Alles was man machen muss, ist ein anständiger normaler Mensch zu sein.“

Chaplin und Hitler wurden in der gleichen Woche geboren. Chaplin-Biograf David Robinson schreibt dazu: „Die Providenz (Vorsehung) war in einer ironischen Stimmung, als sie [...] bestimmte, dass Charlie Chaplin und Adolf Hitler ihren Eintritt in die Welt mit einem Abstand von vier Tagen machen sollten... Jeder drückte auf seine eigene Weise die Ideen, Ansichten und Bestrebungen der Abermillionen täglich kämpfenden Bürger aus, welche zwischen dem unteren und dem oberen Mühlstein der Gesellschaft zermahlen werden. [...] Beide spiegelten die gleiche Realität – das Dilemma des „kleinen Mannes“ in der modernen Gesellschaft. Beide sind sie ein verzerrender Spiegel, der eine fürs Gute, der andere für das unausgesprochene Böse.“

Chaplin verbrachte viele Monate damit, die Rede am Ende des Filmes zu skizieren und neu zu schreiben, ein Ruf nach Frieden des Barbiers, welcher fälschlicherweise mit Hynkel verwechselt wurde. Viele Menschen kritisierten die Rede und bezeichneten sie als überflüssig. Andere empfanden sie als grandios, so auch wir, die Horizonworld-Redaktion, wir gehen so weit zu sagen, dass sie einer der besten Reden ist, die wir je gehört haben.

Was hast du gefühlt, als du die Rede gesehen / gehört hast? Teile deine Sicht auf die Rede gerne mit uns unten in den Kommentaren.

P.S.: Für alle, die der englischen Sprache mächtig sind... es lohnt sich ebenfalls, die Rede im englischen Original anzuhören: https://www.youtube.com/watch?v=J7GY1Xg6X20

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