Seit fast einem Jahr ist unser Leben nicht mehr das, was es einmal war. Ausgangsbeschränkungen, Reiseverbote, Maskenpflicht und Kontaktverbote bestimmten unseren Alltag. Der totale Lock-Down führte dazu, dass Infektions- und Fallzahlen zurückgingen und es kehrte langsam, aber sicher wieder Normalität ein. Dachten wir zumindest. Dann stiegen die Zahlen wieder und nun steht der zweite Lockdown („light“) vor der Tür, und alles geht wieder von vorne los. Man möchte meinen, dass es nun an der Zeit wäre, andere Maßnahmen zu ergreifen, um die Krise in den Griff zu bekommen. Verschiedene Ärzte und Verbände fordern daher nun neue Strategien im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Ob unsere Regierung sich davon beeindrucken lässt, ist jedoch fraglich…

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Ärzte und Verbände fordern neue Strategien in der Corona-Pandemie

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In einem Positionspapier von Wissenschaft und Ärzteschaft zur Strategieanpassung im Umgang mit der Pandemie heißt es, dass es nun an der Zeit sei, die gewonnenen Erkenntnisse im Kampf gegen die Pandemie stärker zu berücksichtigen. Verfasst wurde dieses Schreiben von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung sowie von den Virologen Hendrik Streeck von der Universität Bonn und Jonas Schmidt-Chanasit von der Universität Hamburg, mit Unterstützung zahlreicher ärztlicher Berufsverbände. Darunter der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) und der Berufsverband der Deutschen Chirurgen.

„Der derzeitige rasante Fallzahlanstieg nach den ruhigeren Sommermonaten zeigt klar, dass aufgrund der Eigenschaften von SARS-CoV-2 eine Pandemiebekämpfung ausschließlich im Rahmen einer Kontaktpersonennachverfolgung nicht mehr möglich sein wird. Bereits im Sommer konnte bei niedrigen Fallzahlen das Infektionsgeschehen nicht vollkommen nachverfolgt und eingedämmt werden. Bedingt durch die Saisonalität des Infektionsgeschehens, die Verlagerung der Aktivitäten von draußen nach drinnen sowie die erhöhte Infektanfälligkeit in den Herbst- und Wintermonaten ist mit höheren Fallzahlen als im Frühjahr und Frühsommer zu rechnen.“,

heißt es in dem Schreiben. Aus diesem Grund sei es nicht verhältnismäßig, wieder auf einen Lockdown zu setzten, wie wir ihn bereits hatten. Freilich ist es wichtig, die Infektions- und Fallzahlen niedrig zu halten. Dennoch sollten die Behörden ihre Energie vorwiegend in den Schutz von Alten und Kranken investieren, indem der Zutritt zu Altersheimen beispielsweise nur nach einem negativen Schnelltest ermöglicht wird oder bessere Nachbarschaftshilfen organisiert werden.

Andreas Gassen, Vorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung setzt dabei mehr auf die Vernunft des Einzelnen, anstatt Verbote auszusprechen, die unverhältnismäßig sind. So sollte laut Gassen jeder selbst entscheiden können, welches Risiko er eingehen möchten und kann.

„Wenn ich weiß, ich gehöre zu einer Risikogruppe, dann sollte ich mein Kontaktverhalten überdenken,“

so Gassen bei der Vorstellung des Papiers Ende Oktober.

Wo bleibt der Grundsatz „primum nihil nocere“

Der Verband beruft sich in seinen schreiben auf das grundlegende medizinisch-ethische Prinzip des ärztlichen Handelns: „primum nihil nocere“ („erstens, nicht schaden“). Und geht auf die Folgen ein, welche die Corona-Maßnahmen mit sich bringen. So könne bereits jetzt eine Unterlassung anderer dringlicher medizinischer Behandlungen verzeichnet werden. Ernstzunehmende Nebenwirkungen bei Kindern und Jugendlichen durch soziale Deprivation sowie Brüche in Bildungs- und Berufsausbildungsgängen, aber auch der Niedergang ganzer Wirtschaftszweige, vieler kultureller Einrichtungen und eine zunehmende soziale Schieflage sind die Folge. Essenziell in der Krise sei laut des Verbandes, die Mitarbeit der Bevölkerung, denn ohne diese Kooperation „laufen die Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung ins Leere.“ Die Maßnahmen müssen also nachvollziehbar logisch sein und dürfen sich nicht widersprechen. Ansonsten entsteht hier ganz klar ein Glaubwürdigkeitsproblem.

„Wir könnten diejenigen verlieren, die wir dringend als Verbündete im Kampf gegen das Virus brauchen.“

heißt es in dem Schreiben weiter.

Die Regierung sollte mehr auf Gebote statt Verbote setzen

In Zeiten einer solchen Krise sind die Menschen anfällig für Falschmeldung und Radikalisierung. Dem mit Angst, Panikmache und Verboten entgegenzuwirken ist der falsche Weg. Stattdessen sollte die Regierung Alternativen aufzeigen und Hoffnung schüren, anstatt das Gefühl von Verzagtheit zu vermitteln. Wichtig ist auch die Debatte über ein Leben mit dem Virus anstatt die eines Lebens ohne Virus. Denn das Virus wird uns noch sehr lange begleiten und nicht einfach verschwinden, nur weil wir uns einsperren und den Kontakt zu unseren Mitmenschen vermeiden.

Die Ärzte und Verbände fordern daher auf Gebote anstelle von Verboten und auf Eigenverantwortung anstelle von Bevormundung zu setzen.

„Verbote oder Bevormundung haben eine kurze Halbwertszeit und entsprechen nicht unserem Verständnis einer freiheitlich demokratischen Grundordnung.“

Ein Ampelsystem soll die Bewertung des Pandemiegeschehens vereinfachen

Das Problem bei der Bewertung des Pandemieverlaufs liegt darin, dass es keine einheitliche wissenschaftliche Grundlage dafür gibt. Die Ableitung von Maßnahmen stützt sich allein auf Grenzwerte, die auf der Anzahl von Neuinfektionen in den vergangenen 7 Tagen pro 100.000 Einwohner beruhen. Zielführender wäre jedoch, verschiedene Indikatoren auszuwerten, die kurzfristig Auskunft darüber geben, wie die Gefährdungslage von Risikogruppen mit möglichen schweren Krankheitsverläufen ist. Auch der frühzeitige Hinweis auf eine mögliche Überlastung des Gesundheitssystems durch Covid-19 wäre hilfreich, um zu verhindern, dass andere Krankheitsfälle vernachlässigt werden oder das gesamte System zusammenbricht.

Die Ärzte und Verbände fordern daher ein bundesweites einheitliches „Ampelsystem“, anhand dessen sich sowohl auf Bundes- als auch auf Kreisebene die aktuelle Lage auf einen Blick erkennen lässt. Somit soll es möglich sein, dass die Politik klar und unkompliziert miteinander kommunizieren und sich abstimmen kann, welche Maßnahmen für die aktuelle Situation erforderlich, vor allem aber verhältnismäßig sind. Damit diese Ampel funktionieren kann, sind alle relevanten Kennzahlen wie Infektionszahlen, Anzahl der durchgeführten Tests und stationäre als auch intensivmedizinische Behandlungskapazitäten nötig.

„So gelingt die Bündelung komplexer Informationen, die verständlich auf ein Signal konzentriert dargestellt werden kann.“

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Quelle:

https://www.kbv.de/html/48910.php

 

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