Die Geschichte vom weinenden Kamel ist eine alte Sage, welche die mongolischen Nomaden von Generation zu Generation weitergeben. Der Dokumentarfilm zeigt aber keine fiktive Erzählung, sondern das reale Drama um ein Kamel, das von seiner Mutter verstoßen wird. Das traurige Ereignis sowie die mystische Überlieferung vom weinenden Kamel sind die Basis für den Film von Byambasuren Davaa und Luigi Falorni. Die aus der Mongolei stammende Davaa verwendet das Märchen, um uns das Leben der Wüstennomaden näherzubringen.

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Die Legende vom Kamel mit Geweih

Die Geschichte vom weinenden Kamel Die Geschichte vom weinenden Kamel

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Der Legende nach hat das stolze Kamel vom Schöpfer dieser Welt ein prächtiges Geweih erhalten. Es war eine Belohnung für die Aufrichtigkeit, die es im Herzen trug und ein Trost, weil es keines der Sternzeichen im Horoskop sein durfte. Doch selbst dieses wertvolle Geschenk hat das Kamel voller Gutmütigkeit an einen Hirsch verliehen, der sich damit für ein Fest schmücken wollte. Das Kamel, großherzig wie es war, vertraute dem Hirsch und gab ihm sein Geweih. Der Hirsch aber kam nie wieder zurück. Seit diesem Tag blickt das Kamel immer wieder voller Trauer zum Horizont und wartet auf die Rückkehr vom Hirsch samt seinem Geweih.

Die Geschichte vom weinenden Kamel zeigt das langsame Leben der Nomadenfamilie Amgaa. Sie leben von den Erzeugnissen ihrer Schafe, Ziegen und Kamele. Die Natur um sie herum ist karg und rau, trotzdem erstrahlt die Landschaft in natürlicher Schönheit. Jedes Jahr im Frühling bringen die trächtigen Kamelstuten ihre Fohlen zur Welt. Das klappt eigentlich immer problemlos, eine werdende Mutter aber quält sich zwei Tage und Nächte lang. Durch die schrecklichen Schmerzen während der Geburt nimmt sie ihr Neugeborenes nicht an. Das Junge mit weißem Fell steht ohne den Schutz der Mutter allein in den Weiten der Wüste. Sie weint und muss zusehen, wie die anderen Fohlen von ihren Müttern geliebt und versorgt werden.

Die Nomadenfamilie unternimmt alles in ihrer Macht stehende, um das Kleine vor dem sicheren Tod zu bewahren. Ohne die Fürsorge der eigenen Mutter ist das Fohlen aber mit Sicherheit verloren. Die letzte Chance, das junge Leben zu retten, ist ein altes mongolisches Hoos-Ritual, bei dem die Mutter mit Musik besänftigt werden soll. Mutig macht sich der älteste Sohn in Begleitung seines jüngeren Bruders auf in die nächstgrößere Stadt, um einen Pferdekopfgeiger zu finden. Es beginnt eine lange und gefährliche Reise durch die Wüste, auf welcher sie mit dem Kontrast zur modernen Welt konfrontiert werden.

Die Wüste lebt und liebt

Ein Mobiltelefon, einen Fernseher oder andere Wertgegenstände besitzen die Nomaden nicht. Das Oberhaupt der Familie ist gänzlich gegen dieses „Teufelszeug der neuen Welt“. Während der Suche nach einem Pferdekopfgeiger kommen die Kinder bei Bekannten unter, die bereits eines von diesen Fernsehgeräten haben, vor denen der Großvater sie immer wieder warnt. Der erste Kontakt mit dem technischen Gerät ist ein intensiver Eindruck, besonders der Jüngste ist von den schnellen Bewegungen auf dem Bildschirm völlig gebannt.

Als Zuschauer hat man ganz andere Impressionen von ihrer Reise. Wir im Westen sehen uns die Dokumentation auf einem großen Flatscreen HD-TV in unseren vier Wänden an und bewundern die weitsichtige Naturlandschaft der Wüste Gobi, das langsame Leben der Nomaden, ihre Zufriedenheit als auch Wertschätzung für alles Leben. Es scheint so, als würde man eine komplett andere Welt betrachten. Eine entschleunigte Parallelwelt, die zwar leer wirkt, aber voller Wunder und Emotionen ist. Nicht nur das herzzerreißende Weinen vom Kamelfohlen, sondern auch die Barmherzigkeit der Familie Amgaa gehen tief. Ob Mensch oder Tier, letztendlich sind wir alle Lebewesen, die die gleichen Bedürfnisse nach Liebe und Zuneigung haben.

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Das Leben der mongolischen Nomaden ist schlicht, aber deswegen nicht einfacher. Durch den Fortschritt wird das traditionelle Leben sogar immer schwieriger, besonders für die ältere Generation. Als die zwei jungen Nomaden auf ihren Kamelen durch die leere Wüste reiten, um einen Retter für das Fohlen zu finden, stellt sich die Frage, wie lange diese unbeschreiblich schöne Welt noch existieren wird? Denn so leer und unberührt wie man auf den ersten Blick vermutet ist selbst die Wüste nicht mehr, Strommasten ziehen sich quer durchs Land bis zum Horizont. Aber wäre es nicht wichtiger, die einzigartige Natur samt Tieren, Menschen und Kulturen zu bewahren oder ist der Drang nach dem ewigen Fortschritt einfach zu groß?

Byambasuren Davaa zeigt in ihren Filmen das Leben in der Mongolei, das Land, in dem sie geboren wurde. Die Geschichte vom weinenden Kamel, den wir exklusiv für maona.tv ausgesucht haben, ist in Zusammenarbeit mit dem Bayrischen Rundfunk und Luigi Falorni entstanden. Davaa stellt uns ihre Heimat vor, eine uns völlig unbekannte Welt, die geschützt werden muss. Die Kultur der mongolischen Nomaden droht sonst für immer verloren zu gehen. Wie weit der Einfluss der Moderne schon in die Wüste vorgedrungen ist, sieht man am Beispiel der Familie Amgaa. Selbst der technikfeindliche Großvater gibt dem Jungen etwas Geld mit auf den Weg, um in der Stadt Batterien für sein Kofferradio zu kaufen.

Der Trailer zum Film:

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