Wer sich aufmerksam auf einen Waldspaziergang begibt kann sich seinem Zauber nicht entziehen. Bäume sind eben mehr als Sauerstoffspender, Schattenspender, Wasserreiniger und Holzlieferanten. Das spüren wir und immer mehr Menschen suchen die Nähe zum Wald. Doch was genau bewirkt diese magische, unsichtbare Anziehungskraft?

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Bäume fördern unsere Gesundheit

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Ein Versuch, die Welt zu verstehen
Udo Grube

Auftanken, zur Ruhe zu kommen, sich besinnen, einen Baum umarmen, den Geräuschen des Waldes und seiner Bewohner lauschen, die Vielfalt der Tierwelt beobachten, reinen Sauerstoff einatmen. All das tut uns gut und deswegen gilt das „Waldbad“ nicht nur in Japan, wo es erfunden wurde, längst als Therapie. Unter Bäumen werden wir ruhiger und gesünder. Doch sind das die alleinigen Gründe oder hat die unsichtbare Kommunikation der Bäume, Pflanzen und Tierwelt auch einen Einfluss auf uns. Ist es möglich, dass wir die geheime Sprache des Waldes verstehen und uns deshalb so zu ihm hingezogen fühlen? Oder weil er uns zeigt wie wir als Menschen Gemeinschaft leben könnten, wenn wir uns unserer Verbundenheit bewusster wären?

Duftbotschaften: Die Kommunikation über der Erde

Bäume sprechen miteinander, verfügen über ein kollektives Gedächtnis und sind über ein Netzwerk miteinander verbunden. Was ein wenig wie eine Beschreibung des Waldes im Film Avatar anmutet ist näher an der Wirklichkeit als vermutet, wie immer mehr wissenschaftliche Forschungen bestätigen.

In der Waldluft schweben ständig chemische Botschaften, mit deren Hilfe Bäume kommunizieren oder Feinde abwehren. Wie unsichtbare Kommunikationsfahnen durchwehen sie den Wald. Diese unsichtbaren Botschaften dienen auch dem gegenseitigen Schutz. Wird ein Baum von einem Schädling befallen bildet sich in seinen Blättern ein spezielles Gemisch aus leichten, flüchtigen Substanzen wie Terpenen und Ethylen. Diese Stoffe verlassen die Blätter des geschädigten Baumes durch Spaltöffnungen. Die Bäume in der Umgebung nehmen die Duftstoffe über ihre Blattoberfläche auf. Daraufhin beginnen sie ebenfalls Abwehrstoffe zu bilden. Solche Duftbotschaften wirken etwa 10 Meter weit. Forscher der Universität Göttingen haben dies in einem Freilandversuch mit Schwarzerlen beobachtet.

Schwarzerlen sind nicht die einzigen, die durch solche Duftbotschaften miteinander „sprechen“. Auch Tomaten oder Baumwollpflanzen warnen ihre Nachbarn auf diese Weise. Bei tropischen Pflanzen der Gattung Macaranga haben Forscher der Universität Würzburg außerdem beobachtet, dass angefressene Pflanzen tierische Hilfe gegen Schädlinge rufen. Wie die Erle bildet auch die Macaranga tanarius verstärkt Jasmonsäure, wenn Käfer oder Raupen ihre Blätter anfressen. Nach mehreren Zwischenprodukten endet die Abwehrreaktion der Pflanze hier in der verstärkten Bildung von Nektar auf den Blättern der Macaranga. Dieser Blattnektar lockt Insekten wie Ameisen und Blattwespen an. Die räuberischen Insekten fressen den Nektar und verteidigen im Gegenzug den Baum gegen die Raupen.

Wood-Wide-Web: Die Kommunikation unter der Erde

Unter der Erde nehmen die Baumwurzeln etwa doppelt so viel Fläche ein wie die Krone in luftiger Höhe. Und in einem einzigen Teelöffel Walderde befinden sich kilometerlange Pilzgeflechte, winzige Leitungen, die ganze Wälder vernetzen – wie das Internet unsere Computer. Fast alle Bäume im Wald kooperieren mit einem oder mehreren Pilzfreunden.

Über ihr Feinwurzelsystem können Bäume und Pflanzen zu diesen, Mykorrhiza genannten Pilzen Kontakt aufnehmen. Verschiedene Bäume werden durch sie in ein Netzwerk zusammengebunden. So können Informationen von Baum zu Baum weitergeleitet werden.

Um die Mykorrhizen zu erkennen braucht es gute Augen. Die kleinen, weissen Fäden legen sich auf ihrer Suche nach Zucker wie Wattewickel um die Wurzeln der Bäume. Die Pilze docken unter der Erde an den Wurzeln an, dann beginnt der Austausch. Für den Zucker, den die Pilze bekommen, geben sie Nährstoffe aus der Erde an den Baum ab. Zudem schützen die Pilze die Wurzeln, indem sie Schadstoffe filtern. Jeder Waldboden wird von einem gigantischen Netzwerk von Mykorrhiza durchzogen. Tatsächlich ist es wie ein Wood-Wide-Web, wie Wissenschaftler es benannt haben. Das unterirdische Netz hilft den Bäumen auch, ihren Nachwuchs zu versorgen, der im Dämmerlicht des Waldes allzu oft im Schatten steht.

Der Baumflüsterer

Peter Wohlleben ist Deutschlands berühmtester Förster, sein Buch über „Das geheime Leben der Bäume“ steht seit Monaten auf der Bestsellerliste und das hat einen Grund: Wer sein Buch liest wird regelrecht vom Wald verzaubert. Die Sprache, die er verwendet erinnert an Grimms Märchen und als Leser erhält man den Eindruck in einem Märchenwald gelandet zu sein. Peter Wohlleben wird auch gerne als Baumflüsterer bezeichnet. Er scheint die Sprache des Waldes zu verstehen. Kritiker bezeichnen ihn gerne als „Esoterik-Förster“. Peter Wohlleben nimmts gelassen:

„Das ist nicht Esoterik. Das ist das Ökosystem, von dem auch wir Menschen ein Teil sind.“

 
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„Dieses Wunderbare kann nicht einfach nur Zufall sein.“ Peter Wohlleben

Wir mögen die geheime Sprache der Bäume nicht wirklich verstehen, doch sie wirkt auch auf uns. Vielleicht lieben wir den Wald deshalb so sehr; weil er uns an unsere natürliche Verbundenheit mit Mensch und Natur und an unsere spirituelle Kraft erinnert.
 
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Quellen:

http://www.zeit.de/kultur/literatur/2016-01/wohlleben-das-geheime-leben-der-baeume

http://ds9.botanik.uni-bonn.de/zellbio/AG-Baluska-Volkmann/pdf/press/Wood%20Wide%20Web%20des%20Waldes.pdf

http://folio.nzz.ch/2014/august/wood-wide-web

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/im-wald-mit-bestsellerautor-peter-wohlleben-13936077.html

http://www.wdr.de/tv/applications/fernsehen/wissen/quarks/pdf/Q_Baum.pdf

https://www.zdf.de/dokumentation/terra-x/unsere-waelder-die-sprache-der-baeume-100.html

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