Desertifikation ist das neue Schlagwort für Wüstenbildung. Laut dem Biologn Allan Savory ist die Wüstenbildung die unmittelbare Ursache von Armut, sozialem Zusammenbruch, Gewalt, kulturellem Völkermord – und trägt wesentlich zum Klimawandel bei. Allan Savorys bisherige Arbeit zeigt jedoch: ein überraschender Einflussfaktor kann das Grasland schützen und sogar ehemalige Wüsten begrünen.

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Wüstenbildung: Die Ursache für Armut, Völkermord und Klimawandel

Während Savory in den 1960er Jahren in Afrika an den miteinander verbundenen Problemen zunehmender Armut und des Verschwindens von Wildtieren arbeitete, gelang ihm ein bedeutender Durchbruch beim Verständnis der Verschlechterung und Wüstenbildung von Grünlandökosystemen.

„Es wird immer wieder behauptet, dass Wüstenbildung ein Phänomen der Trocken- und Halbtrockengebiete sei und dass Grasland mit viel Regen nicht davon betroffen sei. Aber wenn wir nicht nur auf das Gras an der Oberfläche, sondern darunter schauen, sehen wir, dass die meiste Erde dieser Wiesen kahl und mit Algen verkrustet ist. Dies führt zu erhöhtem Oberflächenabtrag und zu Verdunstung – und das ist der Krebs der Wüstenbildung (Desertifikation).“

Mittlerweile sind bereits 2/3 der Landmasse unseres Planeten von Wüstenbildung betroffen.

Wüstenbildung bereits auf 2/3 der Landmasse der Erde als braune bis hellgrüne Flächen erkennbar. Bild: NASA

Wüsten werden durch gezieltes Weiden wieder grün

Früher hat Allan Savory aus Umweltgründen noch dafür plädiert, dass Bauern ihre Viehbestände reduzieren und war mitverantwortlich, dass 40.000 Elefanten in Afrika erschossen wurden, erzählt der studierte Biologe. Erst nach Jahrzehnten hat er eingesehen, dass nur der richtige Umgang mit Nutztieren Wüstenbildung, Artensterben und Klimawandel entgegenwirken kann.

Für die Wüstenbildung macht Allan Savory im Gegensatz zu vielen Kollegen nicht mehr grundsätzlich die Beweidung durch Rinder, Schafe und Ziegen verantwortlich. Die richtige Planung sei entscheidend, betont er. Die Tiere dürften nicht länger als drei Tage an einer Stelle grasen und sollten dann für mindestens neun Monate nicht wieder in dieses Gebiet geführt werden. Seinen Ansatz bezeichnet Savory als „holistisches Management„.

In der Vergangenheit hatten die lokalen Ökosysteme in der Region Dimbangombe, wo Savory aktiv ist, vor allem darunter gelitten, dass die Viehzahlen auf einer 2.900 Hektar großen Ranch um 400 Prozent gestiegen waren. Das ganzheitliche Management hat diese Tendenzen umgekehrt. Die planvolle Beweidung sorgt nun dafür, dass sich die Produktivität des Landes, die Verfügbarkeit von Wasser und die Lebensbedingungen der Menschen in den Regionen verbessert haben.

Inzwischen wachse das Gras hüfthoch, erzählt Savory. Auch Flüsse sind wieder zum Leben erweckt worden. In ihnen sind wieder Fische und Wasserlilien zu sehen. Die Wassermenge ist im Vergleich zu früher deutlich gestiegen. Dabei sind die Kosten gering angesichts der Milliarden Dollar, die ohne Erfolg für technische Neuerungen und die Verkleinerung von Viehherden ausgegeben werden.

Die gezielte Beweidung macht Savory zufolge auch das übliche Abbrennen von Steppengebieten überflüssig. Das Feuer war bisher dazu eingesetzt worden, altes Gras zu beseitigen. Die absichtlich gelegten Brände tragen in Afrika erheblich zum Klimawandel bei.

Die tatsächliche Ursache für das globale Chaos

Wir stehen vor einer Vielzahl von Herausforderungen – Drogen, Armut, Gewalt, religiöser Fanatismus, Terrorismus, Wilderei die Nashörner, Schuppentiere anderen Tierarten an den Rand der Ausrottung bringt, zunehmende Dürre- und Flutkatastrophen, eine Landwirtschaft, die weltweit jedes Jahr 20 mal mehr Boden durch Erosion verliert als sie Nahrung produziert, Enttäuschung über unsere Regierungen, die Einkommensverteilung, Umwelt-Flüchtlinge, Migranten, die auf dem Weg nach Europa im Meer ertrinken, neue Krankheiten – um nur einige zu nennen.

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Heute schiebt die Gesellschaft (und deshalb auch unsere Institutionen) die Ausbreitung der Wüsten und den Klimawandel hauptsächlich auf zwei Dinge. Zum einen die Nutztiere, wie wir an der wachsenden Vegetarischen und Veganen Bewegung, und den Leitlinien von Umweltschutz-, Regierungs- und internationalen Organisationen sehen. Und zum anderen die fossilen Energieträger.

Doch der Grund für all unsere derzeitigen Probleme ist ganz woanders zu finden:

Fast jedes Problem, mit dem wir kämpfen, ist ein Symptom des derzeitigen Managements. Unsere globalen Probleme werde durch das reduktionistische¹ Management in einer ganzheitlich funktionierenden Welt verursacht. Warum? Weil fast jedes Problem, mit dem wir kämpfen, ein Symptom des derzeitigen Managements und der derzeitigen Strategien ist. So schiebt zum Beisiel die Gesellschaft (und deshalb auch alle Institutionen) den Klimawandel fast vollständig auf die fossilen Energieträger und die Nutztiere. Ressourcen können aber kein Problem verursachen. Das reduktionistische Management, welches entscheidet, wie diese Ressourcen eingesetzt werden, ist das Problem, so Allan Savory in seinem TED Talk der bereits knapp 3,5 Millionen Aufrufe verzeichnet.

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Schau dir hier Allan Savorys bahnbrechenden TED Talk auf YouTube an. Mit deutschem Untertitel!

 

 

Nach Jahrzehnten des Studiums und der Zusammenarbeit folgen heute Tausende von Land-, Vieh- und Wildbewirtschaftern auf fünf Kontinenten der von ihm als „ganzheitliches Management“ bezeichneten Methodik.

„Wir wollen stabile Familien, die friedliche Leben in Wohlstand und körperlicher Sicherheit führen und die ihren religiösen und spirituellen Überzeugungen folgen können. Ausreichend nahrhaftes Essen und sauberes Wasser. Gute Bildung und ein gesundes, ausgeglichenes Leben mit Zeit für unsere Familie, Freunde, die Gemeinde und Freizeit für kulturelle und andere Aktivitäten. All dies wird durch sich erneuernde Böden und eine hohe Biodiversität auf den Landmassen der Erde und in ihren Flüssen, Seen und Meeren sichergestellt, für viele zukünftige Generationen.“

Wer ist Allan Savory?

Allan Savory

Allan Savory, geboren in Simbabwe und in Südafrika ausgebildet (Universität Natal, BS in Zoologie und Botanik), verfolgte eine frühe Karriere als Forschungsbiologe und Wildhüter im britischen Kolonialdienst des damaligen Nordrhodesien (heute Sambia) und später als Landwirt und Wildhüter in Simbabwe.

In den 1960er Jahren gelang ihm ein bedeutender Durchbruch beim Verständnis der Ursachen für die Verschlechterung und Versteppung der Grünlandökosysteme der Welt. Als Berater für Ressourcenmanagement arbeitete er mit zahlreichen Managern auf vier Kontinenten an der Entwicklung nachhaltiger Lösungen.

In den letzten Tagen des Bürgerkriegs in Simbabwe diente er als Abgeordneter des Parlaments und wurde der Führer der Opposition gegen die Regierungspartei unter der Führung von Ian Smith. 1979 aufgrund seiner Opposition ins Exil geschickt, wanderte er in die USA aus, wo er im Rahmen seines Beratungsgeschäfts weiterhin mit Landverwaltern zusammenarbeitete. Das Wachstum dieses Geschäfts, der Wunsch, noch mehr Menschen zu unterstützen, und die Notwendigkeit, seine Arbeit voranzutreiben, veranlassten ihn, seine Entwicklung in der gemeinnützigen Welt fortzusetzen. 1992 gründeten Savory und seine Frau Jody Butterfield eine gemeinnützige Organisation in Simbabwe, dem Afrika-Zentrum für ganzheitliches Management. Sie spendeten eine Ranch, die als Lernstätte für Menschen in ganz Afrika dienen sollte. 2009 gründeten Savory, Butterfield und eine Gruppe von Kollegen das Savory Institute in Boulder, Colorado, um der Welt durch ein internationales Netzwerk von unternehmerischen Innovatoren und Führungskräften zu dienen, die sich dafür einsetzen, dass ihre Regionen mit den höchsten Standards an ganzheitlicher Managementausbildung und Implementierungsunterstützung bedient werden. Das Africa Centre war das erste von Savory Institutes lokal geführten und verwalteten „Hubs“.

In Savorys Buch Ganzheitliches Management: Ein neuer Rahmen für die Entscheidungsfindung (Island Press, 1999) wird beschrieben, wie er sich bemüht, praktikable Lösungen zu finden, die gewöhnliche Menschen implementieren können, um viele der Probleme zu überwinden, die Gemeinden und Unternehmen heute haben.

Im Jahr 2003 erhielt Allan Savory den australischen International Banksia Award „für die Person oder Organisation, die sich weltweit am besten für die Umwelt einsetzt“, und im Jahr 2010 erhielt Savory (und das Africa Center) den Buckminster Fuller Institute’s Challenge Award für Arbeiten mit dem Titel “ Ein TED-Vortrag, den Savory 2013 hielt, hat mittlerweile über 3,4 Millionen Aufrufe erhalten und wurde 2014 zu einem der 50 faszinierendsten TED-Vorträge aller Zeiten gewählt. Das Savory Institute ist einer von elf Finalisten der Virgin Earth Challenge, einer 25-Millionen-Dollar-Initiative zur erfolgreichen Kommerzialisierung von Möglichkeiten, um Treibhausgase aus der Atmosphäre zu entfernen und sie ohne Gegenwirkung fernzuhalten.

Die Arbeit des Savory Institute und seines Partners ACHM ist inzwischen auch in anderen Ländern Afrikas auf Interesse gestoßen. In Namibia, Botswana und Kenia wird Nutzvieh ebenfalls erfolgreich gegen Wüstenbildung eingesetzt. Vom Büro für auswärtige Katastrophenhilfe OFDA, welches der US-Entwicklungsbehörde USAID angegliedert ist, haben die beiden Institutionen 4,8 Millionen US-Dollar erhalten, um weitere Programme im südlichen Afrika durchzuführen.

„Ohne Maßnahmen gegen Wüstenbildung kann nichts gegen den Klimawandel unternommen werden“, sagt Savory.

 

¹solierte Betrachtung von Einzelelementen ohne ihre Verflechtung in einem Ganzen oder von einem Ganzen als einfacher Summe aus Einzelteilen unter Überbetonung der Einzelteile, von denen aus generalisiert wird. 

 

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Quellen:

https://www.regenerative-landwirtschaft.net/viewtopic.php?f=36&t=262

https://www.savory.global/

https://www.ted.com/speakers/allan_savory

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