Eine moderne neue Schule im ländlichen Indien gibt uns ein komplett neues Bild davon, wie Bildung aussehen kann – die Schule fokussiert sich auf glückliche Schüler und mitfühlende Menschen.

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In einer neuen Schule, die bald in der Nähe von Chennai, Indien, gebaut werden wird, könntest du einen Schüler in einem Klassenraum voller Bäume, einem Fantasie-Labor oder einen Test-Küche antreffen. In traditionellen Klassenräumen wird man sie nicht auffinden. Das Hauptziel der Schule: Kindern zu lehren, wie man glücklich wird. Fähigkeiten zu erlernen kommt erst an zweiter Stelle. Sich auf standartisierte Tests vorzubereiten, ist nicht Teil des Lehrplans.

„Unsere Sicht der Dinge ist, dass Glücklichsein – oder emotionale Intelligenz, oder Balance, oder Vertrauen, oder Selbstachtung, oder jedes andere Wort das dafür steht, uns in unserer Haut und auf unserem Platz in der Welt gutzufühlen – das Fundament ist auf dem große Leben und große Leistungen erbaut sind,“ sagt Riverbend-School-Mitbegründer Vivek Reddy.

 
[Bild: Kurani]

Das Konzept „Schule“ völlig neu denken

Die Gründer haben einen Hintergrund als Unternehmer. Da sie keinen Hintergrund in der klassischen Bildung haben, sahen sie eine Möglichkeit, die Idee „Schule“ radikal anders anzugehen.

„An der typischen Schule ist die Aneignung von Wissen oberste Priorität – das Vollstopfen der Köpfe der Kinder mit Informationen, dann Fähigkeiten und wenn du einer von den Glücklichen bist, dann kümmert sich deine Schule womöglich um deine Persönlichkeit und deinen Charakter und was für ein Typ Mensch du bist.“

sagt Architekt Danish Kurani, dessen Team den Schul-Campus entwarf.

„Sie sagten: Weißt du was, wir wollen dieses Modell auf den Kopf stellen. In erster Linie werden wir uns auf Charakter und Persönlichkeit der Studenten konzentrieren. Wir wollen glückliche Kinder kultivieren, mitfühlende Menschen, Menschen die in die Welt hinausgehen und etwas gutes tun werden.“

Der neue Campus für Schüler der Mittel- und Hochschule, welcher in einer ländlichen Gegend außerhalb der Metropole Chennai gebaut werden wird, umgeben von Ackern und angrenzend an den Ozean, ist so gestaltet, dass er das Kultivieren von Glücklichsein unterstützt. Inspiration bekam Kurani von einer Harvard-Langzeitstudie, welche verschiedene Menschen über den Verlauf von 80 Jahren verfolgte. Eines der Ergebnisse war die Erkenntnis, dass starke Beziehungen der Schlüssel zu einem glücklichen Leben sind. In weiterer Eigenrecherche fand er heraus, dass das Dorf-Format dazu tendiert, starke Beziehungen zu fördern, weshalb das Layout des Campus ein Dorf nachahmt.

“Die Relevanz von Wissen ist sehr limitiert.“ [Bild: Kurani]
Statt eines Marktplatzes gibt es einen zentralen gemeinsamen Raum. Statt Unternehmen, welche den Platz umranden, gibt es akademische Gebäude. Im nächsten konzentrischen Ring gibt es Erholungsraum, gefolgt von Wohnungen und Feldern an den äußeren Rändern, welche die Schüler bewirtschaften können.  Die Gehwege sind schmale Gassen, ähnlich dehnen, die sich von Natur aus in alten Dörfern formten. Die Studentenwohnheime, in denen die Schüler die Woche über bleiben, haben ähnlich zentrale, marktplatz-ähnliche Areale auf jedem Stockwerk.

Die Schüler werden außerdem in Philosophien wie den Veden und alten Hindu Texten unterrichtet. „Ich denke, dass man aus einem westlichen Kontext heraus dazu tendiert, dass die Umgebung kontrolliert, wie glücklich du bist.“, sagt Mitbegründern Kiran Reddy. „Also versuchst du, deine Umgebung zu kontrollieren. In einer östlichen Philosophie, tendierst du dazu zu glauben, dass du dein Glück durch deinen Geist kontrollieren kannst – wie du die Dinge wahrnimmst, damit du die Umgebung von deinem Glück trennen kannst. Idealerweise ist es genau das, was wir den Kindern beibringen wollen.“

Statt einem normalen Lehrplan zu folgen, werden die Schüler selbst entscheiden, was sie lernen wollen, und durch Erfahrung lernen. Ein Tag könnte mit einem Mango Lassi starten und Meditation oder Basketball, gefolgt von einem Morgen der damit verbracht wird, Software für den Raketenwerfer eines Klassenkameraden zu coden oder klassische indische Gedichte zu rezitieren, der Mittag mit Freunden, und am Abend wird auf dem Campus in einem Inkubator an einem neuen Business gearbeiet.

„Das Wissen das heute in Schulen gelehrt wird, könnte in 5 Jahren schon wieder überholt sein.“
[Bild: Kurani]
Auf dem Campus gibt es ebenfalls songenannte „Chat Labs“ zur Kooperation, Lobaratorieren für physische Prototypenentwicklung oder digitale Kreation, Räume die als Galerien oder für Präsentationen, Aufnahmen, Musik oder Kunst genutzt werden können, sowie Tanz-Studios und eine Verkaufsfläche für den Einzelhandel, wo Schüler ihre Geschäfte führen können.

Die Mitglieder der Fakultät agieren als Lehrer und Mentoren für die Schüler – sie helfen den Schülern dabei, zu lernen, wie man selbstständig denkt. Die Schule wird sich darauf fokussieren, den Schülern beizubringen, wie man ein Fach oder eine Fähigkeit lernt, die sie interessiert – und sie einem breiten Spektrum von Fächern aussetzen – anstatt ihnen eine vorbestimmte Ansammlung von Informationen zu vermitteln.

 
“Es ist keine Schule für jedermann.” [Bild: Kurani]

Vorbild für andere Schulen?

„Die Relevanz von Wissen ist sehr begrenzt.“, sagt Reddy. „Das Wissen, das heute in Schulen gelehrt wird, könnte in 5 Jahren schon wieder überholt sein. Oder es könnte für einen Großteil der Kinder nicht relevant sein. Warum also sollten wir irgendwas davon lehren?“
 
Der Ansatz stellt eine große Herausforderung da – Reddy erzählt, dass das Team immer noch daran arbeitet, die Unstimmigkeiten („disconnect“) zwischen ihnen und den indischen Bildungsvorschriften zu beseitigen. Er räumt ebenfalls ein, dass sich viele Eltern mit dem Ansatz nicht wohlfühlen. „Es ist keine Schule für jedermann.“, sagt er. Doch viele werden der zugrundeliegenden Philosophie zustimmen: Menschen verfolgen höhere Bildungsgrade und erfolgreiche Karrieren, um, letztendlich, glücklich zu sein, und es könnte mehr Sinn machen, den Fokus direkt auf dieses Endziel zu legen.
 
Der Baubeginn der Schule ist für dieses Jahr angesetzt und im Jahr 2020 soll sie fertig sein. Der Campus wird ebenfalls ein Institut mit Forschern beherbergen, die die Effektivität der in der Schule genutzten Techniken erforschen können. Während man sich schwer vorstellen kann, dass dieses Konzept überall kopiert wird – die benutzten Ressourcen und das kleine Schüler-Lehrer-Verhältnis machen es teuer – will das Team alle Erfolge teilen, damit andere Schulen prüfen können, ob sie einige der Techniken ebenfalls integrieren wollen. „Ich kann das Bildungsproblem selbst nicht lösen.“, sagt Reddy. „Ich kann nur ein Pilotprojekt oder ein Experiment kreieren und hoffen, dass andere Menschen das Gerlernte aus diesem Ansatz aufnehmen und verwenden.“
 
LAISING – eine neue Form, um das „natürliche Lernen“ wieder zu entdecken
 
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