Kreisläufe wie in der Natur für eine Welt ohne Müll, das ist die Vision vom deutschen Chemiker Michael Baumgart. Mit seinem „Cradle to Cradle Konzept“, was so viel heisst wie „vom Ursprung zum Ursprung“, entwickelt er Produktionsprozesse und Produkte, die nicht nur völlig unschädlich für Mensch und Natur sind, sondern auch nützlich. Mittlerweile ist aus dem Konzept eine weltweite Bewegung enstanden.

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Cradle to Cradle: Leben ohne Abfall

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Cradle to Cradle, was übersetzt heißt „von der Wiege zur Wiege“, ist ein Konzept, das im wahrsten Sinne des Wortes bahnbrechend ist. Der Chemiker Michael Braungart entwickelt Produktionsprozesse und Produkte, die nicht nur völlig unschädlich für Mensch und Natur sind, sondern auch nützlich. Er hat dieses Konzept zusammen mit dem amerikanischen Architekten William McDonough begründet. Dabei arbeiten in der Firma, die ihren Sitz in Virginia (USA) hat, zweihundertfünfzig Menschen alleine daran, neue Materialien zu entwickeln, die diesen hohen Richtlinien gerecht werden und eine neue industrielle Revolution auslösen könnten. Die Philosophie und die Vision dahinter: Alle Produkte sollen so anspruchsvoll und intelligent hergestellt werden, dass sie zu einhundert Prozent wieder verwertet werden können. Jedes einzelne Cradle to Cradle Erzeugnis soll nicht nur die Umwelt nicht belasten, sondern auch wieder verwendet werden können und ihr sogar nutzen. Während die Umweltbewegung sich dafür starkmachte, Abfall zu vermeiden, überlegten Braungart und McDonough, wie man die Dinge des täglichen Bedarfs – bis hin zu ganzen Häusern – in Anlehnung an die Kreisläufe der Natur konstruieren könnte. Alle Materialien sollen kompostierbar oder zerlegbar sein, und wieder in die Stoffkreisläufe zurückgeführt werden können.

„Die Leute verstehen unter Umweltschutz, dass sie weniger Schweinereien machen – weniger Autofahren, weniger Müll produzieren“. Das allerdings sei genauso als würde man sagen, ich schütze mein Kind und schlage es nur fünf statt zehnmal am Tag.“ (Michael Baumgart)

So sieht das Projekt in der Praxis aus

Eines der ersten Cradle to Cradle Produkte, welche mithilfe von Ciba-Geigy für einen Stoffhersteller entwickelt wurde, waren kompostierbare Sitzbezüge. Diese Sitzbezüge sind unter anderem bei Lufthansa oder Thai-Airways im Einsatz. Herkömmliche Sitzbezüge sind in der Regel so giftig, dass sie als Sondermüll verbrannt werden müssen.

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Eine Alternative ist die Herstellung von Stoffen aus beispielsweise Wolle und Ramie. Über diesen Faserstoff ist Braungart in China gestoßen. Der Stoff verfüge über kapillare Eigenschaften und ist in der Lage Feuchtigkeit abzutransportieren. Das ist aber nicht alles. Alle Bestandteile, aus welchen der Stoff gefertigt wurde, seien so gemacht, dass sie absolut nicht giftig und theoretisch sogar essbar wären.

„Sie könnten den Stoff kleinschneiden und morgens in Ihr Müsli geben – das unterstützt Ihre Verdauung“. Sagt Michael Baumgart lachend.

Am Ende der Nutzung kann diese Art von Stoff als Torf im Garten verwendet werden und findet so wieder seinen weg zurück in die Natur. Auch die Produktionskosten seinen nicht höher, als bei der Herstellung herkömmlicher Produkte. Im Gegenteil die Herstellung sei sogar um 20 % günstiger, da er geringere Arbeitsschutzkosten und keine Abfallprobleme hätte.

Der Schweizer Chemiekonzern Ciba-Geigy (heute Novartis) ist überzeugt von der Vision und unterstützte Braungart mit einer beachtlichen Geldsumme, um ein zukunftsträchtiges Konzept für die Chemie-Industrie zu erstellen.

Michael Baumgart und seine Vision einer müllfreien Welt

Michael Braungart ist ein deutscher Chemiker und Verfahrenstechniker. Darüber hinaus ist Braungart Geschäftsführer und Gründer von EPEA, einem internationalen Umweltforschungs- und Beratungsinstitut mit Hauptsitz in Hamburg. Gemeinsam mit William McDonough gründete der Chemiker das Cradle to Cradle Konzept, welches Studierende seit 2018 sogar als Studiengang an der Erasmus-Universität Rotterdam wählen können.

Das wissenschaftliche Forschungs- und Beratungsinstitut EPEA wurde 1987 gegründet, nachdem Braungart bei Greenpeace ausgestiegen war. Seither befasste sich der Chemiker mit der Forschung und Beratung öko-effektiver Produkte. Gemeint ist damit, Produkte und deren Produktionsprozesse in einen Kreislauf zu verwickeln, welcher nicht nur schädlich für Mensch und Natur ist, sondern auch nützlich. EPEA möchte Unternehmen aktiv dabei helfen, innovative Wege zu entwickeln, um neue Produkte herzustellen.

Um seine Vision umzusetzen, verbrachte Michael Baumgart nicht nur Stunden vor seinem Schreibtisch, sondern reiste um die ganze Welt, um Menschen wie Gorbatschow dem Dalai Lama oder verschiedenen Naturvölkern zu begegnen. So wollte Braungart dem Denken in Kreisläufen näherkommen. In der ländlichen Provinz Chinas beispielsweise, sei es üblich, dass sich Gäste nach dem Essen auf die Toilette begeben, um quasi ihre Nährstoffe für die Düngung zurückzulassen.

Der Film zeigt, was „cradle to cradle“ will. Er folgt den Spuren von Michael Braungart, der weltweit bei vielen Projekten engagiert ist, und beschreibt die Schwierigkeiten, auf die sein Konzept bei deutschen Politikern trifft.

Schau dir hier die Reportage zu Micheal Baumgart und seiner Cradle to Cradle Vision auf YouTube an:

 
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Weltweite Bewegung

Mittlerweile ist das Projekt Cradle to Cradle zu einer weltweiten Bewegung geworden, wodurch bereits 11.000 Produkte entstanden sind. Braungart selbst ist überrascht:

„Unser Konzept setzt sich mehr durch, als ich es erwartet habe. Früher dachte ich, es dauert 100 Jahre, doch wenn die Umsetzungsgeschwindigkeit so bleibt, dann wird vor 2050 alles Cradle-to-Cradle sein.“

In Deutschland gibt es inzwischen über 100 Unternehmen, die bereits nach Cradle to Cradle-Prinzipien produzieren – zumindest einzelne Produktlinien, darunter Unternehmen wie Trigema und Stabilo.

Cradle to Cradle Produkte im Onlineshop

Seit 2015 gibt es auch einen Cradle to Cradle Online-Shop: Cradlelution. Nach einer erfolgreichen Crowdfounding-Kampagne im selben Jahr konnten die Gründer erstmals größere Warenmengen bei Cradle to Cradeln-Herstellern ordern.

Die Cradle to Cradle-Produkte im Shop sind entweder vollständig biologisch abbaubar oder so aufgebaut, dass alle Materialien zu neuen Produkten verarbeitet werden können. In beiden Fällen entsteht also kein Abfall.

Derzeit bietet der Shop Cradle-to-Cradle-Produkte in den Kategorien: Bekleidung, Bücher, Haushaltswaren, Hygieneartikel, Reinigungsmittel, Schreibwaren, Spielzeug, Stühle und Textilien.

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Quellen:

http://braungart.epea-hamburg.org/de/content/%C3%BCber-michael-braungart

https://www.focus.de/perspektiven/mutmacher/cradle-to-cradle-cradle-to-cradle_id_10596055.html

Cradle to Cradle e. V.

https://www.zeit.de/zeit-wissen/2013/01/Cradle-to-Cradle-Recycling-Abfall/seite-2

http://cradlelution.de/shop/

https://utopia.de/

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