Pioniere gab es schon immer und noch nie erwuchsen davon so viele wie in unserer heutigen Zeit, denn es braucht neue Wege. So auch im Bereich ökologischen Wohnraum zu schaffen. Das erste Earthship Deutschlands ist die Realisierung einer Öko-Utopie, die ihren Ursprung mit einer Idee von vor 40 Jahren hat. Wie sieht so ein Haus aus, das autark lebt und aus recycletem Abfall besteht? Kann das gemütlich sein?

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Eine Öko-Utopie wird Wirklichkeit

Ein Haus, das sich selbst heizt, sein Wasser liefert, Essen produziert – ohne teure Technologie, recycelt es seinen eigenen Abfall , hat seine eigenen Energiequellen. Überall und von jedem möglich gebaut zu werden, aus Dingen, die unsere Gesellschaft wegwirft. Wie klingt das?

Das vor 40 Jahren vom US-amerikanischen Architekt Michael Reynolds entwickelte Gebäudekonzept „Earthship“ verbreitet sich mit seiner Unterstützung inzwischen weltweit. So wurde nun auch eins hier in Baden-Württemberg/Deutschland von der Gemeinschaft Schloss Tempelhof realisiert. Nachhaltige Architektur mit ungewöhnlichem Design vereint – und bleibt dabei trotzdem angenehm bodenständig.

Dank ihrer Bauweise brauchen diese Häuser keine konventionelle Heizung. Die Sonne allein bringt sie auf Temperatur – selbst im Winter. Dafür sorgt eine dicke Rückwand, welche die Wärme speichert. Damit nicht genug: Regenwasser landet in Zisternen, wird gefiltert und dient erst als Trinkwasser und zum Duschen, anschliessend zum Bewässern der Pflanzen und letztlich für die Toiletten. Eine Klärgrube säubert das Abwasser, Fotovoltaikmodule und Windkraftanlagen liefern Strom, Solarmodule Warmwasser. Im Wintergarten wachsen Pflanzen. Die Gebäude können überall und binnen weniger Wochen gebaut werden – aus Materialien, die andere achtlos wegwerfen: Reifen, Flaschen, Dosen. Im Wesentlichen besteht ein Earthship aus lokal verfügbaren, natürlichen, recycleten oder upgecycleten Baumaterialien.

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Eine Realisierung in Deutschland war bisher am Baurecht gescheitert. Die Gemeinde Tempelhof hat es im Jahr 2015 dank wohlwollender Behörden und Ämter dennoch geschafft, eine Genehmigung zu erhalten. Einen Kompromiss mussten die Earthship-Erbauer aber eingehen: Das Haus ist an die öffentliche Wasserversorgung und die Abwasserkanalisation angeschlossen. Das Trinkwasser muss aus hygienischen Gründen aus der Leitung kommen, Regenwasser wird aber für die Toilettenspülung und Waschmaschine genutzt.

Weltweit bereits über 1.000 Häuser

Die Idee des Projekts hier in Deutschland ist es, das ‚Earthship‘ als Reallabor für 25 Menschen zu errichten und Zentrum des gemeinschaftlichen Lebens inmitten individueller Wohnräume zu sein. Bereits über 1.000 Mal wurden diese innovativen Häuser weltweit verwirklicht. Im Zusammenwirken von Gründer und Visionär Michael Reynolds, seinem Team von Earthship Biotecture und der Gemeinschaft Schloss Tempelhof führt dieser Gedanke das persönliche Netzwerk und Erfahrungen aus unterschiedlichen Kulturen und Klimazonen zusammen.

Wie wohnen wir übermorgen

Schloß Tempelhof zeigt in diesem YouTube Video wie es gehen kann.

 

 

Mit einem auf europäische Verhältnisse angepassten Prototyp eines Earthships will die Gemeinschaft ökologische Bauweisen mit möglichst geschlossenen Kreisläufen erforschen und weiterentwickeln. Die bauphysikalische Umsetzung des Gebäudes wird dabei von Dipl. Ing. Architekt Ralf Müller im Rahmen seiner Masterarbeit an der Uni Stuttgart, Lehrstuhl für Bauphysik, wissenschaftlich begleitet. Die gewonnenen Daten sollen in die zukünftigen Entwicklung fortschrittlicher, autarker Earthships einfließen. Als praktischer Lernort, durch Öffentlichkeits- und Bauseminare, möchte die grund-Stiftung und Genossenschaft Schloss Tempelhof so den Naturschutz und die Landschaftspflege durch die Verbreitung ökologischer Bauweisen fördern und das Bewusstsein über nachhaltiges Bauen schärfen.

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Das Earthship  auch ein soziales Experiment

Neben dem nachhaltigen Aspekt für die Umwelt wird auch noch ein anderer Schwerpunkt erforscht und thematisiert. In der selbsternannten Zukunftswerkstatt will die Gemeinschaft ohne geistige, politische Dogmen oder theoretische Glaubensvorgaben mit der verbindenden Vision des „Wir“ zusammen existieren. Das Leben in einem Earthship stellt diese Themen besonders in den Mittelpunkt deren Denkens und Handelns: Wann begegne ich mir und anderen wirklich? Wie ökologisch lebe ich, leben wir? Wo liegt das Experimentelle zwischen Mensch-Natur und Mensch-Mensch?

Ziel des ersten „Eartship“ Deutschlands ist es, Menschen zu inspirieren, Orte des sozialen Experiments zu erschaffen. Und zu zeigen, dass kollaboratives Bauen mit wiederverwendeten und natürlichen Materialien möglich ist. Das Projekt erforscht damit den Hintergrund von „Gemeinschaft“, Alternativen zur traditionellen Familienstruktur, ökologischen Bauweisen sowie das Bewusstsein darüber. Die Erfahrungen mit dem interkulturellen Projekt möchte die Community an die gesamte alternative Bauszene weitergegeben und Menschen zum Nachahmen inspirieren.

Schloss Tempelhof im Landkreis Schwäbisch Hall ist ein genossenschaftlich organisiertes Dorf. Hier haben sich etwa 150 Menschen zusammengetan um gemeinsam ökologisch und solidarisch zu leben. Im Jahr 2014 ist hier die Idee entstanden, ein Earthship zu bauen. Im September 2015 hat die Gemeinschaft mit dem Bau des Gebäudes begonnen und es im Mai 2016 bereits fertiggestellt. Seitdem berichten die Bewohner auf ihrer Internet- und Facebookseite über das Zusammenleben und ihre Erfahrungen im Earthship.

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Die Rund 25 Menschen, die hier zusammen wohnen, sind Singles, Paare, Familien, ältere Menschen, Kinder. Jeder hat seine Privatsphäre, wenn er sie braucht, gleichzeitig werden Bereiche des Alltags, die bisher individuell gelebt wurden nun in die Gemeinschaftsräume des Earthships verlagert: Kochen, Essen, die Beschäftigung mit den Kindern und die Freizeitgestaltung am Abend. Je nach Jahres- und Tageszeit müssen sich die Bewohner hier an die Bedürfnisse der Gemeinschaft, der Natur und des Hauses anpassen. Einzelkämpfer sind fehl am Platz, es geht um ein Miteinander.

Anders als die meisten Earthships, ist das Schiff in Tempelhof kein Einfamilienhaus, sondern bildet den zentralen Teil eines Wohnkomplexes. Im Earthship gibt es ein Wohn- und Esszimmer, eine Küche, Duschen und Toiletten für 25 Menschen auf 155 Quadratmetern. Um das „Mutterschiff“ herum dienen Bauwagen und Jurten als Zimmer und Rückzugsorte für die Bewohner. Gekostet hat das Ganze um die 300.000 Euro. Auf 25 Personen verteilt ist das erschwinglicher Wohnraum. Den Großteil finanzierte die Gemeinschaft aus eigenen Mitteln, den Rest aus Spendengeldern.

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Quellen:

www.utopia.de/autark-earthship-deutschland-41862/

http://www.earthship-tempelhof.de

http://www.tagesanzeiger.ch/wissen/technik/ein-haus-aus-liebe-und-abfall/story/15509499

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