Die moderne Schulmedizin hat sich auf ihrer Ebene in ungeahnte Höhen aufgeschwungen. Was heutige Herzchirurgen in Kinderherzen an Reparaturen bewerkstelligen, grenzt nicht nur an ein Wunder, es ist eines.

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Andererseits liegt – wie so oft – in der Stärke auch die Schwäche. Die moderne Medizin hat sich weitgehend auf die Ebene der Reparatur, des Austausches von zerstörten Gelenken und Organen spezialisiert, auf den Ersatz ausgefallener Hormone und vor allem auf die Unterdrückung unliebsamer Körperreaktionen. Heilung im ursprünglichen Sinn erkennt sie kaum mehr als ihr Thema.

Die alte Medizin ging noch davon aus, dass kranke Menschen ihre Mitte verloren haben, und versuchte dementsprechend, sie zu dieser Mitte zurückzuführen. Im Wort Medi-zin klingt das noch an, ebenso wie in Medi-tation. Die Mitte und das rechte Maß waren die zentralen Themen einer Medizin, die das Heilmittel noch „re-medium“ nannte, was nichts anderes heißt als „zurück zur Mitte“. „Rescue remedy“, die Notfallmischung der Bachblüten, bringt das bis heute zum Ausdruck.

Noch im Mittelhochdeutschen hieß das Wort für Krankheit „Suht“ und wurde bereits „Sucht“ gesprochen. Man ging davon aus, dass krank wird, wer die Suche nach dem Lebensweg aus dem Auge verloren hat. Krankheitsbilder galten deshalb durch die Bank als Süchte, was sich bis heute in der Sprache erhalten hat. Nicht nur das Wort „Gelbsucht“ für Hepatitis erinnert daran, auch die TBC wurde bis vor nicht allzu langer Zeit als „Schwindsucht“ bezeichnet. In dem Ausmaß, wie der Zusammenhang zwischen gescheiterter Suche und Krankheit aus den Augen verloren wurde, verschwanden auch die meisten Suchtbezeichnungen aus der Medizin. Dass die Epilepsie einmal Fallsucht hieß, daran erinnern sich ältere Ärzte noch. Die Ödemneigung wurde als Wassersucht bezeichnet, die Anämie hieß Bleichsucht und die agitierte Psychose Tobsucht. Heute haben wir die Süchte auf einen kleinen Bereich zusammengestrichen, der zusammen mit anderen psychiatrischen Krankheitsbildern wiederum weitgehend ausgegrenzt wurde.

Zwar kennen wir noch Eifersucht und Habsucht, halten sie aber gar nicht mehr für echte Süchte, die in den Bereich der Medizin fallen. Gerade darin zeigt sich, wie weitgehend die Schulmedizin wichtige Lebensbereiche aus dem Blickfeld verloren hat. An keinem Krankheitsbild gehen in modernen Zeiten mehr Beziehungen zugrunde als an Eifersucht, und kein Problem verursacht mehr Leid in dieser Welt als Habsucht. Eine Welt ohne diese beiden Süchte wäre eine ungleich glücklichere. Die Reichtümer der Erde ließen sich so ausgeglichen verteilen, dass alle ein Auskommen fänden und zumindest niemand verhungern müsste. Es ist Habsucht, die einen fairen Welthandel verhindert und die Kluft zwischen arm und reich erhält und ständig ausweitet. Habsucht versetzt die Welt in immer schrecklichere Spannungen. Hinter den weltumspannenden Globalisierungstendenzen steckt im Wesentlichen ebenfalls Habsucht.

Entsprechend ist es Eifersucht, jenes Bestreben, eine Seele so in Besitz zu nehmen, dass sie ihre Freiheit des Empfindens und Fühlens aufgibt, und sich ganz auf eine Person fixiert, die für das Gros scheiternder Partnerschaften verantwortlich ist. Und mit Scheitern sind hier nicht nur die Scheidungen gemeint, sondern auch jene weiterbestehenden Beziehungen, die in bedrückender Enge und Starre unter dem Kommando der Eifersucht mit der Freiheit auch alle Liebe erstickt haben und sich in fast mittelalterlichen Besitzverhältnissen erschöpfen.

Ein moderner Internist wäre wohl überfordert, wollte man seine Hilfe im Hinblick auf die Eifersucht in Anspruch nehmen. Ähnliche Ratlosigkeit würde sich einstellen, wenn ein Milliardär bezüglich seiner Habsucht um ärztlichen Rat bäte. Vielleicht würde ein frecher Mediziner bezüglich der Eifersucht noch zu irgendwelchen Tranquilizern raten, bei der Habsucht müsste er aber wohl von jeder medizinischen Intervention absehen und die ärztlichen Waffen strecken.

Zusammenfassend lässt sich feststellen: es ist lange her, dass sich die Medizin des ganzen Menschen mit der ganzen Fülle seiner Probleme annahm. Die Suche nach Sinn und Ziel ist gänzlich in den Hintergrund getreten und spielt in medizinischen Ausbildungen überhaupt keine Rolle mehr. Heute warten Mediziner in der Regel, bis die Probleme auf jene Ebene eskalieren, wo sie sich mit Recht kompetent fühlen: auf der Ebene des Körpers, im Reich der Materie.

Genau das galt der alten Medizin als Armutszeugnis. Die Priestermedizin der Frühzeit hatte mit der materiellen Ebene gar nichts im Sinn, besaß hier allerdings auch keine Kompetenzen. Sie zielte auf ein ungleich höheres Niveau des Menschseins und kümmerte sich primär um den Geist. Die alten asiatischen Traditionen der Medizin, die allmählich auch im Westen immer mehr von sich reden machen, gehorchten einer ganz anderen Hierarchie als die moderne Medizin, deren Entwicklung und Positionierung sich beispielhaft an der Chirurgie zeigt. Ursprünglich gar nicht im Bereich der hohen Schule der Medizin geduldet, weil handwerklich und nicht akademisch geprägt, hat diese sich im Laufe der letzten Jahrhunderte zu enormen Höhenflügen aufgeschwungen. Noch vor wenigen Jahrhunderten versuchten sich die Vorgänger moderner Chirurgen als Bader auf Jahrmärkten im Haareschneiden und Zähneziehen. Allmählich gingen sie dazu über, auch Blasensteine herauszuschneiden, was anfangs meist mit dem Ableben der Patienten endete. Von diesem niedrigen sozialen Status haben sich die Chirurgen wie kaum ein anderer Berufsstand ganz nach oben gearbeitet. Heute sind sie die Creme de la Creme unter den Halbgöttern in Weiß. Dieser kometenhafte Aufstieg zeigt auch, wie sehr sich die Medizin umorientiert hat – von geistig-seelischen hin zu materiellen Belangen. Dass damit auch ein enormer materieller Aufstieg im Hinblick auf die Einkommensentwicklung einherging, versteht sich von selbst.

Gerade daran aber lässt sich auch ablesen, dass wir mit dieser immer einseitiger werdenden Orientierung auf materielle Fragen inzwischen an Grenzen stoßen. Die Einkommen vieler Ärzte gehen bereits wieder zurück, und die Lust der Bevölkerung an ausschließlicher Reparatur unter vollständiger gänzlicher Ausgrenzung der Sinn- und Seelenebene scheint sich dem Ende zu neigen.

Der Ruf nach Alternativen in der Medizin wird immer lauter. Wobei hier – zumindest im Wort – die Gefahr liegt, das Kind mit dem Bade auszuschütten. Wir brauchen sicher keine Alternative zur Schulmedizin, denn das liefe ja auf deren Abschaffung hinaus, sondern eine Komplementierung. Insofern wäre der Ausdruck „Komplementärmedizin“ angemessener. Die Vervollständigung der Medizin bezieht sich aber nicht nur auf ergänzende Methoden aus dem Bereich der so genannten Naturheilkunde, sondern vor allem auch auf die seelische und geistige Seite unserer Existenz.

Die offizielle Medizin hat hier im Rahmen ihrer fortschreitenden Spezialisierung große Defizite entwickelt. Nephrologen, die sich bereits mit Urologen um den gemeinsamen Einflussbereich Niere streiten, werden sich kaum für seelische Belange interessieren. Sie verzichten in ihrer Betrachtung ja schon auf das Gros der anderen Organe. So entsteht der Schulmedizin ein schier unlösbares Problem: Die sowieso schon mit Arbeit überhäuften Hausärzte, die neuerdings noch mit einer unverantwortlichen Bürokratieflut gequält werden, müssten nun auch noch die Psyche mit in ihren sowieso schon völlig überlasteten Arbeitsalltag integrieren, vom Geist ganz zu schweigen. Dass da Engpässe zur Regel werden, ist unvermeidbar. Solang eine Umorganisation der Medizin von Grund auf nicht zu erwarten ist, dürfte dieses Defizit innerhalb der etablierten Medizin nur schwer zu lösen sein. Wahrscheinlich werden hier noch mehr als schon in der Vergangenheit Heilpraktiker und andere Therapeuten einspringen, um Patienten bei ihren seelischen Problemen beizustehen und für geistige Orientierung zu sorgen.

In solch einer Situation notwendigen Umdenkens kann ein Blick auf die altehrwürdigen Medizintraditionen des Ostens nützen, die sich über Jahrtausende fast unverändert erhalten haben, während die westliche Medizin ständig ihre Positionen und vor allem ihre Mittel anpassen und verändern musste – was zu der für Ärzte und Patienten unerfreulichen Erfahrung führt, dass man ständig in dem Gefühl lebt, heute zu verschreiben beziehungsweise einzunehmen, was morgen schon verboten sein kann. Demgegenüber sind die Anhänger der alten traditionellen Medizinsysteme in der komfortablen Lage, sich sicher fühlen zu können mit Methoden und Medikamenten, die einerseits ihre Verlässlichkeit und andererseits ihre Unbedenklichkeit über Jahrhunderte, wenn nicht Jahrtausende bewiesen haben. Ähnliches gilt auch für Bereiche westlicher Medizin wie beispielsweise die Homöopathie und die biblische Fastentradition.

Die alten Traditionen – ihr Welt- und Medizinbild

Die indisch-ayurvedische, die tibetische und vor allem die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) gehen von einer Hierarchie aus, die dem Erscheinungsbild der heutigen modernen Medizin vollkommen entgegensteht. Gerade deswegen können wir heute so viel von ihnen lernen.

Der Arzt der klassischen Zeit hatte im alten China primär dafür zu sorgen, dass die Menschen gar nicht erst krank wurden. Geschah es doch, wurde ihm das durchaus angekreidet. Je eingreifender seine Notmaßnahmen waren, desto mehr sank sein Ansehen und angeblich auch sein Honorar. Schneiden im chirurgischen Sinne wäre damals also verpönt gewesen. Schon aus diesem Grund entwickelten sich die entsprechenden Fähigkeiten im Land der Mitte nur langsam. Das Stechen im Rahmen der Akupunktur beherrschten die Ärzte der klassischen Zeit dagegen sehr gut. Jedoch hatte es keinen guten Ruf, sondern zeigte, dass der Arzt im Vorfeld Wesentliches versäumt haben musste. Besser für den Patienten und den ärztlichen Leumund war es, wenn sich die Intervention auf Akupressur, also das Massieren der Punkte, beschränkte, oder auf die Anregung mittels Wärme im Sinne von Moxibustion. Als noch wünschenswerter galt es, wenn auch derartige Maßnahmen nicht notwendig waren, sondern der jeweils gestörte Funktionskreis mittels passender Qigong-Übungen wieder in Ordnung gebracht werden konnte.

Solches „In-Ordnung-Bringen“, das wir bis heute sprachlich verwenden, zeigt sehr schön die tiefere Absicht. Das Symptom galt als Zeichen, dass der Mensch die Ordnung verlassen hatte oder aus ihr herausgefallen war, und es gehörte zur Aufgabe des Arztes, ihn in die Ordnung zurückzuführen. Die Qigong-Übung sollte die Lebensenergie Qi wieder in die richtigen Bahnen lenken, wodurch der Betroffene sein Leben wieder in den Griff bekam, um sich so neuerlich auf die Suche nach seiner Mitte, seinem Sinn und Wesen zu machen.

Noch besser war es nach Auffassung der TCM, wenn der Arzt den Patienten in seinem Verantwortungsbereich schon im Vorfeld die richtigen Anweisungen gab, so dass sie die passenden Qigong-Übungen praktizieren konnten. Das Ideal bestand überhaupt darin, dass der Arzt in seiner Gemeinde ein Bewusstsein förderte, das Krankheit gar nicht erst entstehen ließ. Dazu konnte er zum Beispiel Taiji-Übungen einsetzen, um so die Energie von vornherein im Lot zu halten, wobei die Menschen diese Übungen zwar in Gemeinschaft, aber doch jeder für sich und vor allem in eigener Verantwortung durchführten.

Ähnlich verhielt es sich in jenem Bereich, den wir heute als Kräutermedizin oder Phytotherapie bezeichnen. Es galt als Armutszeugnis, Kräuterpillen zu verabreichen. Das eigentliche Anliegen war es, für eine gesunde Ernährung zu sorgen, so dass Pillen überflüssig blieben. Auf diesem Stand waren wir auch im Westen schon einmal, als Hippokrates, der Ahnherr unserer Medizintradition formulierte: „Eure Nahrung sei eure Medizin, eure Medizin sei eure Nahrung.“ Heute muss der Patient in einer deutschen Klinik trotz der dort gebotenen Nahrung gesund werden und keinesfalls wegen ihr.

Bei der Ernährung waren uns die Chinesen aber noch weiter voraus, da sie bereits davon ausgingen, dass es eine gesunde Ernährung an sich gar nicht geben könne, da die Menschen zu verschieden seien. Jeder solle seinem eigenen individuellen Typ entsprechend essen, um seine Energien im Gleichgewicht zu halten. Solch typgerechtes Essen findet erst heute so richtig Eingang in unsere westliche Welt.

In den Bereich der grundsätzlich gesunden Lebensweise gehören neben Bewegungs-, Ernährungs- und Entspannungslehre auch die Kultivierung des Atems und des Schlafes, aber auch Achtsamkeit bezüglich der persönlichen Umwelt. Diese Säulen der Gesundheit rangieren direkt über der Körperebene. Die chinesische Medizin der klassischen Zeit ging über dieses Niveau allerdings noch weit hinaus.

Man wusste seinerzeit bereits, dass über dieser Ebene die des Verhaltens rangierte. Tatsächlich erkennen wir allmählich immer deutlicher, dass es vor allem eine Motivationsfrage ist, ob man sich gesund und typgerecht ernährt, sich regelmäßig und sinnvoll bewegt und auf ausreichende Entspannung setzt. Der Mensch brauchte schon immer ein Motiv, um sich gesund zu erhalten. Früher war dieses Motiv eng mit der religiösen Suche nach Erlösung, Erleuchtung oder Vollkommenheit verbunden. In dem Ausspruch der spanischen Heiligen Theresa von Avila – „Wir müssen gut sein zum Körper, damit die Seele gern in ihm wohne“ – wird das deutlich. Der moderne Mensch hat, wenn überhaupt, profanere Ziele. Ganz ohne Ziel jedenfalls fehlt es an der notwendigen Motivation zu sinnvoll gesundem Verhalten. Ohne Ziel und Sinn wird das Leben sinnlos und leer, wie Viktor Frankl zeigte. Außerdem verliert es mit der Orientierung und Motivation auch die Ausrichtung auf die Gesundheit. Im Wort Motivation steckt das Motiv. Waren es früher Motive bzw. Bilder im Sinne religiöser Vollkommenheit, sind es heute möglicherweise solche vom „perfekt gestylten Body“, die Menschen motivieren, sich zu bewegen und ihren Körper zu pflegen.

Oberhalb der Verhaltensebene erkennt die TCM die Welt der Emotionen und Gefühle, also jenen Bereich, den wir heute als Psyche bezeichnen und früher Seele nannten. Jeder kennt diesen Zusammenhang aus eigener Erfahrung. Wenn man sich vorgenommen hat, ab sofort auf gesunde Ernährung zu achten, sich sinnvoll zu bewegen und der Entspannung genügend Raum zu geben, reicht schon ein Partnerkonflikt, und vorbei ist es mit der Entspannung. Auch die Motivation, sich zu bewegen mag dem so genannten Stress zum Opfer fallen, ähnlich wie die Ernährungsvorsätze. Die Psyche korrumpiert auf diese Weise das Verhalten. Natürlich wäre es im idealeren Fall auch möglich, als entspannter, in sich ruhender Mensch, der sich ausgewogen ernährt, gar nicht so schnell außer sich zu geraten und, sollte es doch einmal geschehen, durch moderate Bewegung im Sauerstoffgleichgewicht diesen Stress gleich wieder abzubauen. So kann die Seele auch sinnvoll gesundes Verhalten fördern. Verliebte etwa leben von Luft und Liebe und kommen durch die entstehende seelische Bewegung bei ausfallenden Mahlzeiten oftmals besser in Form. Hinzu kommt bei ihnen die Lust, dem Partner zu gefallen, die ebenfalls das Gesundheitsverhalten beeinflussen kann.

In der Hierarchie der TCM rangiert über der seelischen Welt die des Bewusstseins. Aus diesem Grund steht Meditation an oberster Stelle, da sich auf diesem Weg Bewusstsein am ehesten und leichtesten beeinflussen und kultivieren lässt. Die Vorstellung ist, dass ein entwickeltes Bewusstsein, sozusagen von oben herab, die Weichen im Sinne der Suche nach Erlösung richtig stellt. Dass diese Methode bis heute gut funktioniert, zeigt eine moderne niederländische Praxis. Dort wird Menschen, die nachweisen können, dass sie eine bestimmte Meditation regelmäßig ausüben, eine spürbare Reduktion ihrer Krankenkassenbeiträge zuteil. Dieses Vorgehen rechnet sich offenbar für die Versicherer – und für die Versicherten sowieso.

Jede Hausfrau folgt letztlich diesem System und fegt die Treppe von oben nach unten. Der Versuch, sie von unten nach oben zu kehren, ist mühsam und letztlich wenig Erfolg versprechend. Im heutigen Gesundheitssystem nennt man ihn Schulmedizin. Natürlich kann man das Verhalten eines Menschen auch von der bodenständigen Ebene des Körpers aus verändern. Ein kunstvoll operierter künstlicher Darmausgang verändert selbstverständlich das Sexualverhalten des Betroffenen. Aber ganz offenbar ist das ein scheußlicher Weg, Einfluss auf Verhalten und Psyche zu nehmen.

Konsequenzen für die archetypische Medizin

So böte die Hierarchie der alten Chinesen auch für uns moderne Menschen verlockende Möglichkeiten, ist es doch für Patienten und Ärzte gleichermaßen angenehmer, Krankheitsbilder schon im Vorfeld zu verhindern, sowie durch eine gesunde Lebensführung und entsprechende Bewusstseinsbildung Schmerzen und Leiden zu vermeiden. Eine Medizin, die Krankheitsbilder gar nicht erst entstehen lässt, hält auch die Ärzte gesund und fit und verschafft ihnen durchaus Arbeit, wenn auch ganz anderer und ungleich befriedigenderer Art.

All meine Erfahrungen der letzten 30 Jahre laufen darauf hinaus, dass eine solche Ausrichtung innerhalb der Heilkunde sinnvolle Schritte in Richtung Eigenverantwortung ermöglicht, die viel Leid überflüssig machen. Wo Patienten animiert werden, aus jedem Symptom und Problem dessen Sinn zu lesen und so die Brücke zwischen Körper- und Seelenebene herzustellen, kann vieles auf diesen Ebenen bearbeitet und gelöst werden und braucht nicht mehr auf die Körperebene zu sinken, besonders wenn zudem jener Brückenschlag zum Bewusstsein mittels geführter Meditationen geschaffen wird. Mit Hilfe eines Nachschlagewerkes wie beispielsweise Krankheit als Symbol lässt sich die Bedeutungsebene einfach nachlesen, mittels entsprechender Meditationen die Bewusstseinsebene ins Spiel bringen. Wer zusätzlich ein- oder zweimal im Jahr fastend seinem Organismus Regeneration und Entspannung ermöglicht, sich regelmäßig im eigenen angemessenen Tempo bewegt, seine Ernährung seinem individuellen Typ und seinen Bedürfnissen anpasst, seine Atmung kultiviert und den Schlaf auf das bestmögliche Niveau bringt, wird eine Aufwärtsspirale in Gang setzen, die ihm immer erhebendere Perspektiven ermöglicht. Er wird anfangen, sich für die Gesetzte zu öffnen, die das Leben bestimmen, und Erfahrungen suchen, die sein Bewusstsein erheben und ihm Gipfelerlebnisse schenken. Viele Jahre lang, in vielen Seminaren, durfte ich Menschen begleiten, die ursprünglich als Patienten bei mir begonnen hatten, und die schließlich, immer lebendiger werdend, ihren Weg der Selbstverwirklichung fanden.

Medizin im Hinblick auf die hierarchische Ordnung – Konsequenzen für die moderne Medizin

Auf der anderen Seite unserer gesellschaftlichen Wirklichkeit ist die moderne Verwaltung des Leidens, das ständige Verschieben von Symptomen und damit das Arbeiten in der kranken und oft schrecklichen Notsituation auch und vor allem für die davon tagaus tagein betroffenen Ärzte eine Quelle von Unwohlsein und Krankheit. Die Erfahrungen zeigen, dass sehr viele Ärzte noch mehr unter Stress leiden als ihre Patienten, was sich nicht zuletzt in den Statistiken der Lebenserwartung niederschlägt. Eine Medizin, welche die Patienten kaum heilen und den Bedrohungen nicht vorbeugen kann, hat etwas Hilfloses, und diese Situation scheint sich auf den Gesundheitszustand der in diesem System Arbeitenden äußerst negativ auszuwirken. Sie spüren ihre Hilflosigkeit, versuchen sie gegenüber den Patienten zu überspielen und gegenüber sich selbst zu verdrängen; die Seele aber leidet. Besonders auch unter der Tatsache, dass die Art des Kassenarztsystems die meisten Ärzte zu illegalen Praktiken verführt, einfach weil in diesem System der Ehrliche so sehr zum Dummen gemacht wird, dass es schwer fällt, auf Dauer so dumm zu bleiben.

In der Hierarchie der alten Medizinsysteme – die TCM ist hier nur stellvertretend genannt worden – steht die Taiji-Lehrerin, die Ernährungsberaterin, der Qigong-Meister oder Yoga-Lehrer weit über dem Chirurgen und Internisten. Vieles spricht dafür, dass eine gute Ernährungsberatung den Zähnen mehr bringt als ein guter Zahnarzt. Die Beraterin sorgt für ein gesundes Gebiss, der Zahnarzt nur für einen gut sanierten Zahnfriedhof. Vor allem aber beschränkt sich der Einfluss der Ernährung nicht auf die Zähne, sondern wirkt auf den ganzen Organismus und über diesen hinaus letztlich bis in die Seele. Nun wird aber kein Zahnarzt daran gehindert, auch Ernährungsberatung zu übernehmen und sich obendrein um den Menschen zu kümmern, der am jeweiligen Zahn hängt. Das allerdings untersagt ihm das Gesundheitssystem; jedenfalls honoriert es solche „Übergriffe“ nicht. Insofern haben wir es eher mit einem Krankheits- denn mit einem Gesundheitssystem zu tun.

Je höher in der Hierarchie eingegriffen wird, desto größer und weiter das Spektrum der Wirkungen. Meditation beeinflusst über das Bewusstsein den ganzen Menschen in all seinen Aspekten. Eine orthopädische Operation wirkt nur auf das betroffene Gelenk. Wenn sie allerdings danebengeht, kann sie ebenfalls das ganze Leben beeinflussen, dann vor allem im negativen Sinne. Gelingt sie hingegen, mag das zwar kurzfristige Stimmungsverbesserungen auslösen und vielleicht sogar eine lange nicht gekannte Bewegungslust, in der Regel erschöpft sich der Effekt aber rasch, und die Betroffenen fallen in ihre gewohnten Muster zurück.

Vorbeugung und Früherkennung – Allopathie und Homöopathie

Das Hierarchiemodell ermöglicht auch eine Vorbeugung, die diesen Namen verdient. Die schulmedizinische Prophylaxe ist in der Regel nichts anderes als ein Etikettenschwindel, bei dem Früherkennung als Vorbeugung ausgegeben wird. Zweifellos ist Früherkennung besser als Späterkennung, mit echter Vorbeugung hat sie jedoch nichts zu tun. Dazu müsste man sich vorher und freiwillig beugen – bevor das Schicksal einen beugt. Das ist aber nur möglich, wenn man eine Bedrohung ihrem Wesen nach durchschaut. Dafür wäre ein Urprinzipien- beziehungsweise Archetypenverständnis notwendig. Statt sich immer gleich und mit allen Mitteln gegen die Anzeichen eines Problems zu stemmen, wie es in der allopathischen Schulmedizin üblich ist, gilt es, das Wesen der Symptome zu durchschauen.

Die Mittel der Schulmedizin sind überwiegend Antimittel – von den Antidepressiva über die Antiepileptika bis hin zu den Antibiotika. Der Rest setzt sich vor allem aus Hemmern und Blockern wie Säurehemmern und Beta-Blockern zusammen. Dieses gegen die Zeichen der Krankheit gerichtete Waffenarsenal muss der Schulmedizin notgedrungen den Blick auf das Wesen der jeweiligen Symptombilder verstellen.

Eine Medizin, die den Schritt zum Verständnis des Wesens von Krankheit tut, wie die „archetypische Medizin“, setzt naturgemäß weit oben in der Hierarchie an. Sie nutzt Meditation und die Erkenntnis der wirkenden Gesetze, um vorbeugende Gesundheitserhaltung zu ermöglichen und mit bereits eingetretenen Schäden besser fertig zu werden.

An diesem Punkt besteht eine tief gehende Spaltung, die sich durch verschiedenste Ebenen der Medizin zieht. „Fertig zu werden“ mit einem Krankheitsbild, ist nämlich durchaus etwas anderes als lediglich (vorübergehende) Symptomfreiheit durch unterdrückende Maßnahmen zu erzielen. Letzteres geschieht oft auch durch naturheilkundliche Maßnahmen. Der entscheidende Graben, der sich durch die Medizin zieht, verläuft gar nicht zwischen Schulmedizin und Naturheilkunde, wie so oft angenommen, sondern vielmehr zwischen allopathischer und homöopathischer Medizin. Während erstere vor allem die Beseitigung der Symptome im Auge hat, will letztere von den Symptomen wissen, was den Betroffenen fehlt, und es ihnen geben.

Im Hinblick auf Allo- und Homöopathie ist also die philosophische von der konkreten Ebene zu unterscheiden. Wenn ein Arzt einem Bergsteiger, dessen Füße erfroren sind, rät, diese mit Schnee einzureiben, ist das ein homöopathischer Rat, auch wenn keine Tropfen oder Kügelchen im Spiel sind. Wo andererseits ein Naturheilkundler versucht, mit einer pflanzlichen Salbe einen Hautausschlag zum Verschwinden zu bringen, folgt er dabei allopathischem Denken.

Echte Vorbeugung bedarf also eines Urprinzipien-Verständnisses sowie des homöopathischen Vorgehens. Das Wesen der Bedrohung muss erkannt und die zu erwartenden Symptome verstanden werden. Früherkennung ist dagegen das möglichst frühzeitige Entdecken eines bereits aufgetretenen Problems. Vorbeugung allerdings ist eine bewusste Verhaltensänderung, die den Energien, die zu dem befürchteten Krankheitsbild führen könnten, einen anderen, sinnvolleren Weg weist.

Umgang mit dem Hierarchiemodell am Beispiel Krebs

Bei einem verantwortungsvollen Umgang mit dem Hierarchiemodell ist es wichtig, die Ebenen nicht gegeneinander auszuspielen, sondern sie vielmehr in sich ergänzender Weise verantwortlich einzusetzen. Keine ist schlechter als die andere, nur weil sie auf einem anderen Niveau angesiedelt ist. Auch in der Schule macht es keinen Sinn, Erstklässler weniger wichtig zu nehmen als Viertklässler oder Abiturienten. Alle Schüler sind auf ihrer Entwicklungsebene in Ordnung, und eine Schule braucht alle Klassen. Selbstverständlich bekommen sie auch alle ihre Räume. Analog ginge es in der Medizin darum, allen Interventionsebenen ihren Raum zu geben und die ihnen gebührende Anerkennung.

Das Beispiel einer umfassenden Krebsbehandlung mag das deutlich machen. Hier muss selbstverständlich auf allen Ebenen behandelt werden. Zuerst gilt es abzuklären, was die Schulmedizin leisten kann, im Hinblick auf die chirurgische Entfernung des Tumors, aber zur Not auch, was die Zerstörung von Krebszellen mit Zytostatika und Strahlen angeht. Einen Tumor, der chirurgisch noch im gesunden Menschen, also vollständig zu entfernen ist, nicht herauszuschneiden, halte ich für einen schweren Fehler. Allerdings ist es damit nicht getan, denn die Situation, die zum Krebsgeschehen führte, besteht weiter. Insofern ist es in meinen Augen auch ein Kunstfehler, bei Krebs die psychosoziale Situation außer Acht zu lassen. Daher wäre unbedingt auch die Psyche zu therapieren, beispielsweise mittels Krankheitsbilder-Therapie.

Unterhalb der Seelenebene, aber noch oberhalb der „Säulen der Gesundheit“ rangiert die Verhaltensebene. Hier wäre es Ziel, eine Neuorientierung ins Auge zu fassen, denn immerhin hat der bisher eingeschlagene Weg in die Sackgasse Krebs geführt. Aus einer umfassenden Psychotherapie, welche die Durchlichtung des psychologischen Schattens mit einschließt, wird sich eine aus Erkenntnis motivierte Änderung bezüglich Lebenseinstellung und Verhalten von selbst ergeben. Diese wird ihre Auswirkungen auf die darunter liegenden Ebenen haben.

In der Hierarchiepyramide liegt zwischen der Ebene der Psyche und der körperlichen die der so genannten „Säulen der Gesundheit“. Werden hier die richtigen Weichen gestellt, lässt sich die Abwehrkraft wesentlich und oft entscheidend steigern. Das aber ist in der Krebssituation dringend geboten – auch und gerade dann, wenn schulmedizinische Therapien wie die Zytostase das Immunsystem in Mitleidenschaft ziehen. Über eine typgerechte gesunde Ernährung lässt sich ebenfalls einiges bewirken, ebenso über sinnvolle moderate Bewegung im so genannten Sauerstoffgleichgewicht. Auch mit der Neuordnung der persönlichen Umwelt und beispielsweise der Eliminierung von Elektrosmog und Störfeldern, lässt sich eine Entlastung erzielen. Ebenso, wenn der Atem kultiviert und für gesunden Schlaf gesorgt wird. Zusätzlich bieten sich aus dem Bereich der Naturheilkunde und anderer alternativer Verfahren verschiedene Möglichkeiten der Abwehrsteigerung an, wie etwa über die traditionellen Ausleitungsverfahren oder über moderne Ansätze der Schwingungstherapie von Mora bis Quantec, die über die Ebene der „Säulen der Gesundheit“ hinauswirken.

Oberhalb der Seelenebene findet sich in der Hierarchiepyramide das Bewusstsein. In den alten Medizintraditionen ging man davon aus, dass dieses am sinnvollsten mit spirituellen Exerzitien im Sinne von Meditation zu beeinflussen und zu erweitern sei. Das Ziel aller Traditionen ist diesbezüglich gleich und läuft auf eine so weitgehende Bewusstseinserweiterung hinaus, dass man eins mit allem wird. Ob wir das christliche „Liebe deinen nächsten wie dich selbst“ oder das indisch-hinduistische „Tat twam asi“ – „ich bin das (alles)“ nehmen, ist dabei ziemlich gleichgültig. Ist dieses Ziel der Erfahrung von Einheit mit allem verwirklicht, hört alles Leiden auf. Was der Buddha als Anhaftung bezeichnete, verschwindet ebenso, wie aller Kampf gegen etwaige Feinde, die Christus unserer Liebe besonders anempfiehlt. Wer die Lösung auf dieser höchsten Ebene schafft, braucht sich um die anderen Ebenen kaum noch zu kümmern. Dann ergeben sich alle Weichenstellungen aus der eigenen Logik der Erlösung, Erleuchtung oder Verwirklichung. Alle Religionen verkünden und empfehlen dieses Ziel, wenn auch mit völlig unterschiedlichen Worten und Wegbeschreibungen.

Bei allen Krankheitssituationen, und so auch bei Krebs, liegt hier die Chance, beispielsweise mittels geführter Meditationen dem zugrunde liegenden Thema auf der Bewusstseinsebene nahe zu kommen und obendrein Schritte zu größerer Freiheit des Geistes zu vollziehen. Alle alten Traditionen und Religionen gaben dieser Ebene die höchste Priorität. Die moderne Medizin kümmert sich dagegen gar nicht um sie. Darin liegt eine ihrer entscheidenden Schwächen. Dabei wäre hier so leicht Abhilfe zu schaffen. Zum Beispiel mittels entsprechender Audioprogramme kann jeder zu dieser Ebene Zugang finden, ohne sich irgendeiner spirituellen Schule oder religiösen Tradition anschließen zu müssen. Bei Krebs lägen hier entscheidende, sogar wissenschaftlich abgesicherte Vorteile. Der US-amerikanische Psychoonkologe Carl Simonton wies mittels Doppelblindstudie nach, dass sich die Überlebenszeit von Krebspatienten verdoppelte, wenn sie den Kampf gegen die Krebszellen auf der Ebene der inneren Seelenbilder nachhaltig unterstützten. Dabei geht es bei diesem Ansatz nur um eine Fortsetzung der körperlichen Therapie mit anderen Mitteln, indem nämlich die Seele animiert wird, den Kampf zu unterstützen. Das kann etwa dadurch geschehen, dass sich kleine Patienten vorstellen, wie ein symbolischer Tierverbündeter durch ihre Blutstraßen schwimmt und böse Zellen auffrisst. Der erwachsene Patient wird seine Vorstellungskraft eher zur Unterstützung von Antikörpern verwenden, deren Kampf gegen Krebszellen er visualisiert und in seiner Vorstellung zu einem guten Ende führt. Auch wenn dieser Ansatz schon einen großen Unterschied machen kann, handelt es sich doch um die niedrigste Ebene der Meditation.

Auf einer höheren Bewusstseinsebene können die Urprinzipien oder Archetypen helfen, das Wesen der Erkrankung nicht nur intellektuell zu verstehen, sondern auch zu erleben. Beim Beispiel Krebs wird auf dieser Ebene das Zusammenspiel der Prinzipien der Aggression (Mars) mit dem der Expansion und des Wachstums (Jupiter) sowie der Metamorphose (Pluto) deutlich. Wenn Patienten lernen, ihre aggressiven Energien statt im Krebsgeschehen lieber auf der übertragenen Ebene einzusetzen, etwa in Form von Mut, Durchsetzungskraft und Entscheidungsfreude, und ihr Leben in Angriff zu nehmen, wird das ihre Situation nachhaltig verbessern. Wo sie obendrein das Prinzip der Expansion auf inneren Ebenen etwa in geistig-seelisches Wachstum umsetzen, wird gleichzeitig das Wachstum im Krebsgeschehen geschwächt, da es jetzt auf einer höheren Ebene zum Tragen kommt. Krebs ist nicht nur, aber auch ein Wachstumsproblem. Wer schließlich noch die Radikalität der Krebserkrankung, das heißt ihre plutonische Komponente zu echten Transformationsprozessen nutzt, wird die körperliche Kampfsituation noch einmal nachhaltig entlasten. Er nimmt auf der Bewusstseinsebene dem Körper ab, was dieser auf der Körperebene darzustellen begonnen hat. Bekommen diese Energien oder Archetypen angemessenen Raum auf höheren Ebenen, lässt der Druck auf die unteren Ebenen erfahrungsgemäß spürbar nach.

Schließlich ist auf dieser höchsten Ebene auch richtiggehende, auf Bewusstseinsveränderung und vor allem -erweiterung zielende Meditation möglich und wird das Ergebnis noch einmal wesentlich verbessern. Fragen wie „Woher komme ich?“ und „Wohin gehe ich?“ können zu einer tiefen Auseinandersetzung mit dem eigenen Lebenssinn führen. Insofern kann auf dieser höchsten Ebene die Entscheidung leichter angebahnt werden als auf allen darunter liegenden; allerdings ist uns die Bewusstseinsebene heute so wenig vertraut, gerade weil sie in der offiziell anerkannten Medizin eine so geringe Rolle spielt und zum Beispiel im Medizinstudium überhaupt nicht vorkommt.

Ansätze wie Geistheilung lassen sich besonders schwer einordnen und sind nicht leicht einzuschätzen, zumal sie von Seiten jener Menschen, die sie nicht beherrschen und geradezu eifersüchtig außer sich geraten, wenn andere das für sich beanspruchen, einer permanenten Diffamierung unterliegen. Natürlich habe ich persönlich schon viele Scharlatane in diesem Bereich erlebt, wie übrigens auch in anderen Bereichen der Medizin. Andererseits ist die Entdeckung von Falschgeld kein Hinweis darauf, dass es kein echtes Geld gibt. Im Gegenteil, Falschgeld existiert nur, weil es auch echtes gibt, ansonsten würde es gar keinen Sinn ergeben. Die Schwierigkeit liegt in der Unterscheidung. Erschwerend kommt hinzu, dass selbst Scharlatane in einem so sensiblen Bereich wie Heilung hin und wieder Erfolge haben. Auch eine stehen gebliebene Uhr hat eben noch zweimal am Tag Recht.

Persönlich habe ich erleben müssen, dass das Medizinstudium nicht der einzige und vielleicht nicht einmal der beste Weg ist, um therapeutisch helfen zu lernen, da es uns so sehr und so einseitig auf den Intellekt festlegt und dabei die Wirklichkeit der Seele, aber auch jene der Energie völlig außer Acht lässt. Bei einer Bedrohung wie Krebs würde ich daher – sofern ein Vertrauen erweckender Heiler zur Verfügung steht – einen Versuch zu wagen. Allerdings natürlich nicht allein, sondern eben auf der Basis der beschriebenen Pyramide der Maßnahmen. Bei Krebs kann man es sich aus meiner Sicht nicht mehr leisten, nur auf eine Ebene zu setzen, nicht einmal auf die höchste. Wenn die körperliche Existenz bereits bedroht ist, müssen die Maßnahmen auch den Körper einschließen bis hinunter zur Schulmedizin.

In dieser Hinsicht steht ganz an der Spitze der Pyramide auch der Einsatz von Ritualen, der sich langsam sogar bis in die offizielle Medizin hinein Gehör verschafft. Einerseits kann die neue Disziplin der Psychoneuroimmunologie inzwischen die Wirkungen von geführten Meditationen erklären und untermauern, andererseits gibt es zunehmend Experimente, welche die alten schamanistischen Methoden in ganz neuem Licht erscheinen lassen. In den USA haben Forscher zur Operation überwiesene Kniepatienten in zwei Gruppen aufgeteilt und die eine Gruppe ganz normal operiert. Die andere aber erhielt lediglich eine Scheinoperation, bei der außer einem Hautschnitt gar nichts am Knie gemacht wurde. Weder die Patienten noch die weiterbehandelnden Ärzte wussten davon. Überraschenderweise war anschließend kein Unterschied zwischen beiden Gruppen festzustellen. Ähnliches hat man später mit Herzpatienten gemacht, die sich einer so genannten Bypassoperation unterziehen sollten. Auch hier stellte sich heraus, dass sich der „Heilungsverlauf“ bei den tatsächlich und den scheinoperierten Patienten gar nicht unterscheiden ließ. Ein deutlicherer Hinweis auf das Wirken von Ritualen lässt sich kaum finden. Inzwischen sind Rituale auch in der Therapieszene weit verbreitet, etwa in Gestalt der Spontanrituale anlässlich von Familienaufstellungen. Es kann kein Zweifel mehr bestehen, dass auf diesem Weg wertvolle Erkenntnisse über die eigenen Familienverstrickungen aufzudecken sind.

Hier wird sich in Zukunft ein weites Feld ergeben im Hinblick auf therapieunterstützende Konzepte wie die Begleitung körperlicher Therapien von der Seelenbilderebene aus. Auch die Problematik der sich selbst erfüllenden Prophezeiung spielt hier hinein, etwa wenn Ärzte sich in die Rolle der alten Schicksalsgöttinnen drängen und sich erdreisten, die verbleibende Lebenszeit zuzumessen.

Auf der anderen Seite könnten bei einer Krebserkrankung Rituale in Form entsprechender heilender Geschichten zum Einsatz kommen, wie auch die Begleitung aller „Kampfmaßnahmen“ gegen die entarteten Zellen mit geführten Meditationen. Aber natürlich könnten geschickte Schamanen im Arztpelz sich und ihren Patienten auch die Ergebnisse oben beschriebener Placeboexperimente zu Nutze machen und den inneren Arzt der Patienten durch Rituale mit auf den Plan der Heilungsarbeit rufen. Manche Geistheiler machen das sehr gut, wobei es gerade ihnen heute noch unter dem Vorwurf der Unseriosität übel genommen wird.

Bei einer Erkrankung wie Krebs wären zusätzlich noch alle anderen Register der Heilkunde zu ziehen, weshalb dieses Krankheitsbild so geeignet ist, die ganze Bandbreite unserer heutigen Möglichkeiten zu überblicken. Während sich eine ganze Reihe therapeutischer Ansätze auf eine einzige Ebene beschränkt, können andere, wie etwa die Homöopathie, ihre Wirkungen über die ganze Pyramide hinweg entfalten. Mit niedrigen Potenzen kann sie Einfluss auf die Körperebene nehmen, mit höheren aber auf jede beliebige Seelen- und Geistebene. Eine Behandlung der Konstitution, damit diese besser zum Vorschein und im Leben zum Tragen kommt, ist in jedem Fall, und natürlich auch bei Krebs, eine wunderbare Unterstützung.

In dem Sinne, wie sie alle Ebenen der Hierarchie bedienen kann, ähnelt die Homöopathie den großen Medizintraditionen wie der TCM, aus der unser Modell stammt. Die Ethnomedizin, zu der beispielsweise die tibetische Medizin zählt, erkennt zunehmend die Relevanz solch umfassender Systeme, die den ganzen Menschen im Auge und deshalb auch Bezüge zu allen Ebenen seiner Existenz haben.

Ausblick

Die neue Medizin der Zukunft wird sicher wieder mehr der alten Medizin entsprechen und beispielsweise ihrem „nil nocere – vor allen Dingen nicht schaden“ zu neuer Wertschätzung verhelfen. Sie muss sich auf ihre Anfänge zurückbesinnen, um ihren ursprünglichen Anspruch neu zu entdecken: dem ganzen Menschen gerecht zu werden.

Ruediger Dahlke

 

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