In letzter Zeit überkommt uns immer wieder die positive Nachricht von Grönlands wachsendem Gletscher. Hoffnungsvoll sind die einen, realistisch hingegen die anderen. Forscher warnen und bezeichnen das Phänomen als temporär, ausgelöst durch einen Zustrom kalten Wassers, welcher im natürlichen Zyklus des Atlantiks entsteht.

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Es stimmt, der Gletscher ist gewachsen, aber…

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Laut einer Studie, die in „Nature Geoscience“ erschien, berichten Forscher, dass der größte grönländische Gletscher bereits seit 2016 an Masse zugenommen habe. Das NASA-Projekt Oceans Melting Greenland (OMG) bestätigte das vor kurzem und zeigte, dass der Jakobshavn-Gletscher zumindest am Rand wieder wächst. Die Forscher nennen als Grund für dieses Ereignis das verhältnismäßig kalte Wasser, welches den Schmelzprozess verlangsamt. Der seit 20 Jahren anhaltende Rückgang des Gletschers hat sich somit umgekehrt. Forscher jedoch warnen, denn andere Vorgänge auf dem Gletscher und bekannte Klimaprognosen verheißen nach wie vor nichts Gutes für den globalen Meeresspiegel. Auf den ersten Blick mag der Gletscher vielleicht wachsen, dennoch verliert Grönland persistent große Eismassen.

Der Klimawandel: Ein Buch mit sieben Siegeln

Das ganze Thema ist nicht leicht zu durchschauen. Laut NASA-Wissenschaftlern läge das aber nur daran, dass der Klimawandel eben kein geradlinig verlaufender Prozess sei.

„Früher dachte man, wenn die Gletscher erstmal zu schrumpfen beginnen, kann sie nichts mehr aufhalten“… „Wir haben herausgefunden, dass das nicht stimmt.“

So Josh Willis, ein Ozeanograf vom Jet Propulsion Laboratory der NASA und leitender Wissenschaftler des OMG-Projekts. Andere arktische Gletscher zeigen ein ähnliches Verhalten. Das zeigt aber nur, dass das saisonale Wachstum und Schrumpfen der Gletscher enorm kompliziert und schwierig vorherzusehen ist als angenommen. Vor allem in einer Welt, in der sich das Klima fortdauernd erwärmt. Wichtig sei auch, dass bei diesen Prozessen nicht nur die warme Luft eine Rolle spielt, sondern insbesondere auch das Wasser, welches sich erwärmt.

„Die Meere spielen für das Schmelzen des grönländischen Eises eine wichtige Rolle.“

Sagt Willis, während der Hauptautor der Studie und Glaziologe des OMG-Projekts Ala Khazendar der Meinung ist, das alles würde nur darauf hindeuten, wie empfindlich Gletscher auf steigende Meerestemperaturen reagieren.

Aber was genau ist der Grund für das Wachstum?

Forscher haben herausgefunden, dass im Moment ungewöhnlich kaltes Wasser aus dem Nordatlantik in die arktischen Gewässer fließt. Die Folgen dieses Ereignisses machen sich vor allem in der Diskobucht, deren Wasser auch den Ilulissat-Eisfjord speist, in dem sich der Gletscher befindet, bemerkbar. Messungen haben ergeben, dass die Temperaturen in 240 Metern Tiefe seit 2014 um ganze 2°C gesunken sind. Aus diesem Grund hat sich das Abschmelzen des Gletschers verlangsamt, wodurch das Eisschild sogar an Eismasse hinzugewinnen konnte. Das Problem dabei ist laut Forschern, dass dieser Zustand, also der Zustrom des kalten Wassers, keineswegs ein isoliertes Ereignis ist. Im Gegenteil, denn der Atlantik durchläuft einen natürlichen Zyklus namens Nordatlantische Oszillation, in dem sich wärmere und kältere Wasserströme etwa alle 5-20 Jahre abwechseln. Im Moment befinden wir uns in der Phase, in der kälteres Wasser immer weiter an die Westküste Grönlands vordringt. Das jedoch ist kein andauernder Zustand, denn das warme Wasser wird auf jeden Fall zurückkehren.

Wir müssen der Wahrheit ins Auge sehen

Es gibt Webseiten, die im Wachstum des Gletschers große Hoffnung sehen und dieses Phänomen als Beweis dafür nutzen, dass es den Klimawandel nicht gibt. Vor den Fakten kann sich jedoch keiner verstecken und die sagen ganz klar, dass der Gletscher zwar tatsächlich gewachsen ist, Grönland insgesamt aber an Eismasse abgenommen hat. Erst 2019 verlor die Insel die zweitgrößte Menge in den letzten zwei Dekaden. Das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung teilte außerdem mit, der Eispanzer Grönlands würde insgesamt schneller schmelzen.

„Zum einen taut der Eispanzer an der Oberseite, weil er der Sonne und den steigenden Temperaturen ausgesetzt ist. Doch schmilzt das Eis inzwischen auch von unten – und zwar auch im Nordosten Grönlands, wo sogenannte Gletscherzungen zu finden sind.“

Darüber hinaus wird im Internet behauptet, die Eisfläche am Südpol würde zunehmen und hätte sich bereits um 17.000 Quadratkilometer vergrößert. Die Quelle für diese Behauptung sei eine Studie der NASA. Die Webseite Correctiv hat daraufhin bei den Forschern des Alfred-Wegener-Instituts nachgefragt. Die wussten von einer solchen Studie jedoch nichts. Es gäbe lediglich eine NASA-Studie von 2015 des Forschers Jay Zwally. In dieser Studie wird vom Zuwachs der Eismassen des Ostens der Antarktis gesprochen. Laut Jay Zwally sei dieser Zuwachs so enorm, dass er den Verlust durch die schmelzenden Gletscher im Norden kompensieren könnte.

Veit Helm vom Alfred-Wegener-Institut schreibt gegenüber Correctiv jedoch, dass diese Studie in Fachkreisen umstritten sei.

„Alle anderen Wissenschaftler, die mit derselben Datengrundlage gearbeitet haben, kommen auf eine nur geringe Massenzunahme oder sich im Gleichgewicht befindende Ostantarktis. Eine Vergleichsstudie (IMBIE), die Massenbilanzen verschiedener Wissenschaftler Teams und Methoden zusammenfasst, zeigt sehr deutlich, dass die Werte von Zwally in keinster Weise bestätigt werden konnten.“

 

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Quellen:

https://www.nationalgeographic.de/umwelt/2019/04/gletscher-wachstum-groenland-kein-zeichen-der-hoffnung

https://www.mimikama.at/allgemein/gletscher-wachstum-in-groenland/

https://correctiv.org/faktencheck/wirtschaft-und-umwelt/2020/02/14/ein-wachsender-gletscher-auf-groenland-bedeutet-nicht-es-keinen-klimawandel-gibt

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