Egozentrisch? Ich nicht! Genau das werden die meisten sagen oder behaupten, dass sie doch bloß ein gesundes Selbstbewusstsein hätten. Gesunder Egoismus ist doch was Gutes, oder nicht?! Bewusstseinsforscher Bruno Würtenberger schreibt Klartext. Doch Vorsicht beim Lesen – der Egozentriker befindet sich möglicherweise näher als Du denkst!

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Die praktische Psychologie der Egozentrik

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Klartext ist spirituelle Psychologie vom Feinsten.
Bruno Würtenberger

Egozentrik: (griech./lat. = Ego = Ich, Zentrik = Centrum)

„Egozentriker wollen ein höchst mögliches Mass an Freiheit. Da sie sich aber vor echter Nähe fürchten, neigen sie dazu, persönliche Kontakte zu vermeiden. Da ihre eigene Persönlichkeit den höchsten Platz in ihrem Weltbild einnimmt, respektieren sie sowieso keine anderen Persönlichkeiten neben sich. Sie bauen um sich herum einen Schutzwall, den sie allerdings als Komfortzone betrachten. Manchmal scheinen sie sogar gesellig zu sein, aber bei genauem Hinhören wird schnell klar, dass sich alle ihre Gespräche immer nur um sich selbst kreisen. In Wirklichkeit trennen sie sich mehr und mehr von allen und allem ab so, dass das unvermeidliche Resultat Isolation und Einsamkeit sein wird. Warum? Weil der Egozentriker keine Selbstreflexion besitzt.“ 

Grundsätzlich muss ich zu Beginn meiner Ausführungen über die Egozentrik festhalten, dass ich nichts gegen sie habe. Dies gilt auch für den Fall, dass der Leser Bewertungen in meine Worte hinein projiziert und es so empfindet, als hätte ich etwas gegen Egozentriker. In der Tat wäre es der Egozentriker selbst, welcher mir solches unterstellen würde. Also, Vorsicht beim Lesen, der Egozentriker befindet sich möglicherweise näher als Du denkst!

Eine typische Aussage von Egozentrikern lautet: „Jeder ist sich selbst der Nächste.“

Der Egozentriker bezieht alles und immer, auch wenn es nicht immer so scheint, auf sich selbst. Er macht diesen Bezug auf sich selbst bei allem. Dadurch nimmt er auch immer alles persönlich. Selbst allgemeine Aussagen wird er nicht annehmen können, wenn es seiner hoch wertgeschätzten Eminenz nicht in sein persönliches Bild passt. Einerlei ob er sich groß oder klein macht, sich als Schöpfer oder als Opfer ausgibt und auch so fühlt, im Hintergrund fühlt er sich immer als der König. Am Ende hat er also immer Recht selbst dann, wenn er oberflächlich betrachtet den anderen Recht gibt. Er ist ja gut ausgestattet mit zwei Hauptidentitäten, dem Schöpfer und dem Opfer. So geht er, zumindest für sich selbst, immer als Gewinner hervor, auch wenn er verliert. Wenn das eigene Ich, welches nichts anderes als eine Identifikation mit den eigenen Bedürfnissen, den eigenen Meinungen, Ansichten und Überzeugungen ist, zum Zentrum des Lebens gemacht worden ist, dann gibt es nur schwer ein Entkommen aus diesem ein- und ausbruchsicheren Verlies des Verstandes. Wer diesem Wahn des eigenen Ichs anheimgefallen ist, darf ganz legitim des Wahnsinns bezeichnet werden. Medizinisch besteht deswegen kein Handlungsbedarf, weil die Pathologie der Egozentrik – mit dieser erweiterten Sichtweise – wohl mehr oder weniger die gesamte Menschheit betreffen würde. Es ist leider schon so, dass die verrückte Mehrheit aufgrund der wenigen total Verrückten als solche pathologisch nicht erfasst werden. So lange es einige gibt, welche noch verrückter sind empfinget man sich selbst rasch und gerne als ‚normal’. Aber wenn mir eins bisher noch nicht über den Weg gelaufen ist, dann ein normaler Mensch. Diese scheinen sehr selten zu sein. Ich glaube sogar, dass ein wirklich normaler Mensch derart auffällig wäre, dass er ohne Umschweife zu einem pathologischen Fall erklärt werden würde. Aber Vorsicht: Egozentrik ist nicht bloß Egoismus, sondern die Hochpotenz davon.

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Egoismus ist nicht gleich Egozentrik

Egoismus ist nicht gleichbedeutend mit Egozentrik. Ein gesunder Egoismus kann sehr hilfreich sein auf dem Weg durch solch ein Leben wie wir es leben. Aber wenn sich die Aufmerksamkeit darauf zu fixieren beginnt kann sich das gesunde Ego sehr leicht verkühlen. Das Ego reagiert in gewissem Sinne, wie eine Zelle. So lange sie mit der richtigen Dosierung der Richtigen Stoffe genährt und nicht nur mit Junk gefüttert wir, läuft alles wie geschmiert. Sobald sich diese Dosierung und vielleicht sogar die Zusammensetzung ändert, wird sie krank. Eine Zelle mit Überdosierung ist Krebs und eine mit Unterdosierung verkümmert. Egozentrik ist demnach als geistiger Krebs zu bezeichnen. Schau nur mal, ob Du einen einzigen Krebskranken findest, der sich selbst und möglicherweise sein Leid nicht immer im Mittelpunkt hat!? Und dann untersuche alle wirklich geheilte Krebspatienten auf ihre Egozentrik. Du würdest spannendes dabei feststellen. Kein einziger von ihnen ist ein Egozentriker. Zufall? Nein, Prinzip. Die Schöpfung arbeitet mit Prinzipien. Nur einige wenige und wirklich notwendige. Aber sie regeln alles. Diese Prinzipien nicht nur zu kennen, sondern auch zu nutzen ist das, was in einer guten Bewusstseinsforschung eigentlich zum Standard gehören müsste. Bei meiner tut es dies übrigens. Kein Wunder denkst Du? Klar, Du gehst ja davon aus, dass ich dies als persönliche Werbung schreibe. Aber weit gefehlt! Ich sage das bloß deswegen, weil es so ist. Und ich weiß, dass dies nun kaum einer glaubt. Allen voran natürlich jene unter Euch, die mich nicht kennen. Ausgerechnet! ☺

Wer mich kennt, der weiß zu unterscheiden und der weiß auch, dass ich zu unterscheiden weiß. Er würde den Unterschied also bemerken. Jedem anderen Leser kann ich nur empfehlen, ihr Herz beim Lesen nicht zurück zu nehmen. Denn wer noch fühlen kann, der fühlt solche Kleinigkeiten sehr deutlich. Ein Mensch, der mit seinem Herzen voran geht, dem kann man nichts vormachen. Und da ich davon ausgehe, dass Du ein solcher Herzensmensch bist denke ich, dass Du schon jetzt weißt, dass ich keinerlei schlechte Absichten beim Schreiben habe.

Egozentriker fühlen sich aber grundsätzlich verarscht. Und zwar nur deswegen, weil sie sich selbst ununterbrochen belügen und sie wissen das! Aber sie sehen überall immer mögliche Gefahren und vor diesen beschützen sie sich selbst dann, wenn sie nie eingetroffen sind und es auch nicht werden. Sie verteidigen sich prinzipiell, weil sie sich eben so prinzipiell angegriffen fühlen. Das überdosierte Ego fühlt sich nur dann nicht angegriffen, wenn einer bedingungslos ja zu dem sagt, was er sagt. Sie sind also meist von Jasagern umgeben, im Streit mit jemandem oder eben, alleine und isoliert. Sobald sich irgendetwas nicht um sie dreht oder sich um sie drehen lässt, wird es ihnen ungemütlich und sie verlieren sofort jegliche Aufmerksamkeit auf das, was die anderen sagen oder tun. Dann können sie sich schlagartig abwenden und sich mit etwas völlig anderem beschäftigen. Manchmal bleiben sie allerdings Anstands mäßig trotzdem noch anwesend aber dann wirklich nur körperlich aber nicht mehr wirklich persönlich vorhanden. Manchmal schlafen sie auch einfach ein. Und ich denke sogar, dass dies die beste Variante für alle Beteiligten ist.

Theodore Roosevelt war von 1901-09 Präsident der USA – ein Egozentriker sondergleichen, wenn man seinem Sohn glaubt, der übrigens auch Theodore hieß. „Mein Vater“, sagte er, „möchte bei jeder Hochzeit die Braut und bei jeder Beerdigung
die Leiche sein.“ 

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Tja, und wenn ein Egozentriker das nicht ist, es in solchen Momenten nicht sein kann, verschwindet seine Aufmerksamkeit komplett. Er hat eben keinerlei wirkliches Interesse für andere. Das ist es auch, was ihm zur Hauptsache im Weg steht. Da ist kein Mitgefühl, kein Wirkliches zumindest. Selbst wenn jemand stirbt trauern sie um ihren Verlust und mit Sicherheit nicht des Toten wegen. Ich weiß, das klingt hart. Aber ich muss es so deutlich skizzieren, damit mich wenigstens ein paar Menschen verstehen. Es geht ja darum zu verstehen, was ich meine und nicht nur um das Lesen meiner Worte! Wenn Du das tust, dann hast Du längst verstanden, von wem hier eigentlich die Rede ist, ja?! Gut. Schön, dass wir uns verstehen. Es geht mir letztlich um die Befreiung von uns selbst, aus diesem engen Gefängnis heraus. Verspüren wir nicht alle den Drang und die Lust endlich mehr vom Leben haben zu wollen? Teilst Du diesen Wunsch nicht auch? Eben, und wenn wir da raus wollen, dann sollten wir vor allem mal gut reinschauen. Denn der Blick nach Innen öffnet die Tore nach draußen!

Teamarbeit mit Egozentrikern

Eins gleich vorweg, Vereinbarungen und Verbindlichkeiten vergessen sie immer. Außer ihre eigenen natürlich und an die muss sich auch jeder halten. Zumindest wenn er keine gröberen Probleme mit ihm haben will. Allerdings vergisst er nichts, was er irgendwann noch gegen Dich verwenden könnte.

Als Teammitglied sind Egozentriker nicht zu bevorzugen. Denn sie lehnen grundsätzlich Ideen ab, die nicht von ihnen selbst stammen. Sie sind Einzelkämpfer, nicht weil sie so stark sind, sondern weil sie von keinem etwas annehmen können. Fakten zählen nicht wirklich bei von anderen vorgebrachten Vorschlägen, da er nur aufgrund dessen entscheidet, was ihm hilft. Dabei ist ihm das Ziel des Teams schlicht und einfach wurscht. Die Frage die er sich stellt ist nicht: „Wem hilft es?“ Sondern: „Hilft es mir?“

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Eine Partnerschaft ist auch ein Team! Für Beziehungen mit starken Menschen ist der Egozentriker nicht geeignet. Er braucht unbedingt einen schwächeren Gegenpart. Am besten einen, der ihn vergöttert und anbetet. Und wenn das nicht geht, dann zumindest einer, der gehorsam ist. Und wenn das auch nicht geht, dann einen, der Angst vor ihm hat. Denn nur dann fühlt sich ein Egozentriker so richtig stark. Wie schwach so etwas ist, das sieht er selbst leider nicht. Aber von außen gesehen erkennt man, dass es wohl kein schäbigeres Minimum an Größe gibt. Wahre Größe und wahre Stärke nähren sich nämlich unter keinen Umständen von der Schwäche eines anderen. Im Gegenteil! Große Menschen nähren sich an großen Menschen. Nur kleine schwache Menschen nähren sich an noch schwächeren.

Da Egozentriker eigentlich feige sind, fressen sie vieles in sich hinein. Wenn sie dies in einem Team allerdings zu lange machen, dann scheut er sich irgendwann auch nicht davor, sein eigenes Projekt zu sabotieren um durch Misserfolg seine herrschende Stellung wieder zu erobern. In der Tat sind Egozentriker am besten dann zu brauchen, wenn es um den Wiederaufbau geht. Aber in ein gut funktionierendes Team einen Egozentriker hinein zu nehmen, ist mehr als bloß fahrlässig!

Da Egozentriker nicht mitdenken, verursachen sie einem Team laufend unnötige Mehrarbeit. Was auch immer die anderen tun, er lässt alle immer genau spüren, dass das, was er tut, wichtiger ist. Sie sind rücksichtslos, aber nicht bewusst. Sie sehen eben nur sich selbst. Sie fahren in den Parkplatz den andere schon seit einer halben Stunde im Visier haben, erzwingen überall den Vortritt, nehmen den letzten Platz, die letzten Süßigkeiten und es kümmert sie nicht, dass hinter ihm vielleicht noch andere zur Türe hinaus oder hinein wollen. Selbst bei Meditationen knallen sie die Türen und geben sich dabei demonstrativ entspannt und authentisch. Das sind die selben Leute, wie jene, welche sich mit geschulterten Skiern umdrehen und sie anderen um den Kopf schlagen, Sie denken nicht an die anderen. Ständig stoßen sie mit ihrem Rucksack oder ihren Taschen Gegenstände um oder rempeln damit andere an. Sie sind völlig unbewusst was um sie herum läuft. Daher sind sie als Trainer ungeeignet. Sie nehmen keinen Outsiderinput an, sehen nur ihren Weg und wie sie die Dinge erledigen würden und an deren Richtigkeit halten sie bis zum bitteren Ende fest. Wenn sie eine Stelle verlassen oder eine Beziehung wechseln, dann haben sie immer Kritik am anderen. Entweder waren sie sich zu gut oder die anderen waren zu schlecht für sie. Sie glauben, dass sie Niveau hätten und ich vermute, dass sie das mit Nivea verwechseln. Gerade als Trainer und in sonstigen Arbeiten wo man den Menschen physisch nahe ist, sind sie eine schlechte Wahl. Denn dadurch, dass sie sich ihrer Außenwirkung überhaupt nicht bewusst sind, bemerken sie selbst es leider nicht, wenn sie nach Schweiß riechen oder aus dem Mund stinken. Wenn man sie darauf anspricht, sind sie immer sehr überrascht und es ist ihnen mega peinlich. Aber sie hätten es nicht selbst bemerkt. Ja, sie penetrieren ihre Umgebung auf jede nur erdenkliche Art. Aber deswegen sind sie keine bösen Menschen nein, nur sehr, sehr unbewusst weil sie nur sich selbst in Betracht ziehen.

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Wenn ein Egozentriker spricht, dann verwendet er mit Vorliebe Fremdwörter, Fachbegriffe oder Abkürzungen welche meist nur er selbst versteht. Damit positioniert er sich einmal mehr über die anderen und zudem nährt er damit seine Meinung, dass man ihn nicht verstehen würde und beliefert sich damit gleich selbst mit unzähligen Beweisen. Recht zu haben ist ihm viel wichtiger, als über die Standpunkte von anderen nach zu denken. Wenn er doch über etwas nachdenkt, was ein anderer sagt, dann nur um die Fehler zu finden und seinen eigenen Standpunkt zu festigen.

Egozentriker sind oft auch sehr überrascht, wenn sie Dinge hören, welche schon oft gesagt, geschrieben oder vereinbart wurden, weil sie es bisher nie gehört haben, weil es nicht in ihr Konzept hinein gepasst hat. Dann sind sie ganz empört, dass ihnen das niemand gesagt hat. Obwohl, alle anderen wussten es meist schon ganz lange. Die Wahrnehmungsfilter von Egozentrikern sind massiv! Sie leben tatsächlich in einer, ihrer eigenen Welt und wer diese in Frage stellt, der wird ja sofort zum Staatsfeind Nummer Eins erklärt.

Summa summarum: Sozialkompetenz ist keine vorhanden und somit sind Egozentriker als nicht teamfähig zu betrachten.

„Was bei Egozentrikern die Dummheit ist, ist bei Egoisten die Charakterlosigkeit. Egozentriker bringen niemanden weiter, auch nicht sich selbst. Da sie unfähig sind, sich selbst zu hinterfragen, und weil sie ihr Leben zum Maßstab erklären, ist ihnen jede Entwicklung verwehrt. Egozentrikern entgeht der Genuss, fremdes Denken kennen zu lernen; ihr Horizont bleibt stets beschränkt, ihr Weltbild dumm. Wer einen Egozentriker erkennt, sollte daher einen weiten Bogen um ihn machen.“

(Zitat: Thilo Baum, Kommunikationswissenschaftler)

Egozentrik und Spiritualität

„Das ich-zentrierte Anhaften an einer spirituellen Praxis ist nicht weniger problematisch als z.B. die Gier nach übermäßigem sexuellen Genuß.“

(Zitat: D.T. Suzuki, Der Buddha der Liebe)

Gerade in spirituellen-, esoterischen- und religiösen Kreisen ist die Egozentrik ein weit verbreitetes Übel. Jeder Kultleader der dies auch sein will, einerlei ob in der spirituellen Szene oder in esoterischen Kreisen und auch im religiösen Großraum, ist ein Egozentriker. Dadurch lässt sich festlegen, dass diese ‚Krankheit’ nicht nur Männer betrifft. Hier bauen sie sich einfach ihre eigene Welt voller Engel, Philosophien, Göttern und Teufeln. Dabei wehren sie sich vehement gegen meine Behauptung, dass das alles nur vom Kopf kommt. Ihre ganzen Konstrukte, die Hierarchien, Propheten und aufgestiegenen Meister etc. entspringen mehr ihren Wünschen und dem, was sie gelesen resp. gepredigt bekommen haben. Alles Kopf. Ein richtig guter Kopfsalat. Und immer wird betont, dass es um Liebe geht. Dabei wird aber ganz außer Acht gelassen, wie häufig und wie schwer sie dabei andere verletzen. Sie haben immer eine hohe Doktrin. Wie alle, welche nach ihren Indoktrinationen leben und aufgrund solcher Lehren ihre Konzepte über das Leben erstellt haben. Sie neigen zum Extremismus, zur Exklusivität und zu Ritualen. Sprich: Sie werden immer sektenähnlicher. Freiheit wird plötzlich immer kleiner geschrieben und irgendwann weicht sie der Pflichterfüllung. Sie sind dann wie lächelnde Soldaten und gehen für die vermeintliche Liebe auch ohne weiteres über Leichen.

Egozentriker haben es nicht so mit Unterordnen! Sie können noch nicht dienen. Daher verteilen sie lieber die Befehle, anstatt welche anzunehmen. Sobald es eine Rangordnung gibt, wollen sie an deren Spitze sein. Und sie tun alles, um auch dorthin zu gelangen. Da aber keiner ein guter König sein kann, der zuvor kein guter Diener war, entwickeln sie sich immer zu herrschsüchtigen Diktatoren mit großem Drang nach Geld, Ruhm und Macht. Und wenn dies in Aussicht steht, dann würden sie sich   – wenn das Konzept es so vorsieht – auch in Sack und Asche kleiden. Und plötzlich sitzen sie auf irgend einem goldenen Thron und predigen Armut und Bescheidenheit. Ja, so verrückt das klingt, aber schau Dich in der Welt um. Du wirst sehen, dass ich nicht fantasiere, ich bin ja kein Egozentriker. Ich bin ein ganz durchschnittlicher Egoist. Jedoch ohne jeglichen Ehrgeiz. Verlieren ist für mich zwar auch keine Option, aber auch kein Problem. Für den Egozentriker ist aber jedes verlorene Spiel eine Frage der Ehre. Sie nehmen das ganz ernst, weil sie alles immer ganz persönlich nehmen. Sie werden manchmal richtig wütend. Das kann ich nicht. Ich fühle mein Versagen, steh auf, richte meine Mütze und geh weiter. Weiter bis zum nächsten Erfolg. Oder auch Misserfolg. Egal..., Hauptsache Leben! Die Hauptsache des Egozentrikers ist aber nicht das Leben, sondern das Gewinnen. Sie sind also immer ernst. Denn wie wir wissen, macht das Spiel keinen Spaß, wenn es nur ums Gewinnen und nicht mehr ums Spielen geht. So leben sie also in einer ziemlich trüben Welt deren einzige Lichtblicke, die kurzen Momente seiner Siege sind.

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Sobald sich einer zu stark mit seiner eigenen Person identifiziert, baut er sich Wahrnehmungsfilter auf, welche alles Gute bei sich und alles Schlechte bei anderen sehen. Er verkörpert in seiner Welt alle hilfreichen Identitäten gleich selbst. Zu ihren Gunsten ist aber fest zu halten, dass sie wirklich an das glauben, was sie denken. Sie haben für alles immer gute Gründe. Daher haben sie entweder immer Recht, oder die anderen verstehen sie nicht. Sie stehen für sich also so oder so, immer auf der richtigen Seite. Dass sie am Ende ihres Spiels mit leeren Händen da stehen, das erfährt er selbst erst im Jenseits. Denn dort wartet er ja auf seine Engel, Belohnungen oder Strafe. Aber was, wenn diese Strafe nicht eintritt und weder ein Engel noch aufgestiegener Meister da steht? Tja, in diesem Moment wundern sich dann viele und ihre selbstgebaute Illusionsrealität zerfällt in einem Augenblick. Sie mögen zwar ihr ganzes Leben durchgehalten haben und viele Siege errungen haben, aber dieser Verlust, der Verlust ihres ganzen Lebenskonstruktes, der Moment wird gewaltig sein. Da wird dann auch bewusst, wie relativ Zeit sein kann. Eine Sekunde nur einer solchen Niederlage, kann ewig erscheinen. Die überwiegende Mehrheit dieser Gruppe von Egozentrikern, gehören zu jenen, welche im Moment ihres Übergangs, eine ganz dumme Figur machen. Selbst absolute Materialisten gewöhnen sich schneller an die Idee, dass es also doch weiter geht nach dem Tod, als jene es akzeptieren können, dass es nicht so ist, wie sie es sich ein Leben lang selbst vorgemacht haben dass es sein würde. Keine noch so große Entsagungspraxis, ob Askese, Meditation oder Gebet wird Einfluss auf die Wahrheit dieses Augenblicks haben. Dann wird es 1 zu 1 so sein, wie es ist. Einerlei, ob wir das wollen oder nicht. Und erst dort stellt sich heraus, wer nun der wahre Sieger ist. Vorher wage es besser nicht, über andere zu urteilen. Denn wir alle wissen es letztlich nicht mit letzter Sicherheit, auf welcher Seite wir einst stehen und was für Gesichter wir dann machen werden. Jede individuelle Realität wird dann der Wirklichkeit weichen müssen. Und auf diese sollten wir uns besser auch vorbereiten. Denn ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schnell dieses Leben vorbei sein kann. In der Tat könnte es schon heute sein, bei jedem von uns. Bist Du bereit?

„Leidvoll ist der Daseinskampf nach buddhistischer Erfahrung deshalb, weil der Mensch eine in sich selbst verstrickte Persönlichkeit ist, weil er an seinen eigenen Projektionen hängt, sich mit ihnen identifiziert und darum allgemein eine egozentrisch orientierte Mentalität entwickelt.“ (Zitat: D.T. Suzuki, Der Buddha der Liebe)

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Ich nicht

Genau das werden alle sagen oder behaupten, dass sie doch bloß ein gesundes Selbstbewusstsein hätten. Gesunder Egoismus sei doch was Gutes?! Da gibt es auch die ganz Verrückten, welche behaupten, dass sie bescheiden sind – nur weil sie nichts haben – oder sie nennen es Demut. Gerade in spirituellen Kreisen sind mehr Egozentriker unterwegs als man vermutet! Der Unterschied ist bloß der, dass sie anstatt nach Geld oder Macht, ihrer Erleuchtung oder Einswerdung streben. Selbsteinschätzung ist da ganz dünn besiedelt, denn sonst würden sie sich – und das tun sie ständig – nicht immer besser fühlen, als Nicht-Spirituelle. Sich über andere zu erheben – in welcher Form auch immer – ist ein eindeutiges Zeichen für den Egozentriker. Sie würden sich selbst niemals als solchen erkennen und wenn doch, dann werden sie sich irgendwie damit brüsten. Da hilft es auch nicht, wenn sie ständig sagen, dass Gott oder Engel durch sie wirken, das entbindet nämlich keineswegs von der Eigenverantwortung. Es ist auch kein Qualitätszeichen, wenn man diese Leute behaupten hört, dass sie der Abstammung einer besonderen Meisterlinie angehören. Das sind alles lediglich Versuche, sich höher zu stellen als andere und sich persönlicher Verantwortlichkeit zu entziehen. Manche versuchen es auch über das Geld, allerdings nur die wenigsten durch viel Geld, die meisten – das entspricht auch den weit verbreiteten spirituellen Indoktrinationen – machen es über freiwillige Spenden. Nun ja, beides ist allerdings dasselbe. Am Preis lässt sich Qualität – auch heute noch nicht – feststellen. Weder an besonders hohen, noch an besonders kleinen. Ich würde mich einem egozentrischen Menschen ausschließlich nur dann anvertrauen, wenn dieser wirklich über ganz besondere Fähigkeiten verfügt. Aber zu glauben, dass ein Egozentriker mit Liebe arbeitet, das würde ich mir nicht einmal dann vormachen, wenn dieser mir noch Geld bezahlt dafür, dass er mich beraten dürfte.

Wie hilft man am besten einem Egozentriker?

Meiner Meinung nach hilft dem Egozentriker nur eins: Das ununterbrochene Zusammensein mit total herzlichen Menschen. Liebe, echte Liebe ist und bleibt die beste Medizin. Probleme, welche im Bewusstsein stattfinden können am besten auch durch Bewusstsein gelöst werden. Wie heißt es doch so schön: Gleiches heilt Gleiches.

Wenn das mit der Liebe also nicht machbar ist, dann könnte man auch bei Egozentrikern mit dieser Methode am meisten bewirken. Aber leider halten es Egozentriker auch kaum mit Gleichgesinnten aus. Aber werden sie rund um die Uhr mit sich selbst konfrontiert, dann geht dem einen oder anderen dann doch hie und da mal ein Licht auf. Ansonsten kommt die letzte Möglichkeit zum Zuge: Sie alleine lassen so lange, bis die Einsamkeit sie zermürbt, eine Krankheit sie knackt oder ein Schicksalsschlag ihr Herz aufbricht. Das übernimmt dann das Leben. Was wir dazu beitragen können ist, ihnen aus dem Weg zu gehen und sie einfach weiterhin als Mensch im Herzen zu tragen.

„Nächstenliebe lebt mit tausend Seelen,
Egoismus mit einer einzigen,
und die ist erbärmlich.”

(Zitat: Marie von Ebner-Eschenbach)

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Die Ursache?

Natürlich kann man weit suchen und alles in die Kindheit zurück führen, aber ich glaube, es ist viel einfacher. Ich beobachte Egozentrik am häufigsten bei Menschen, welche sich selbst – im Grunde ihres Herzens – ablehnen. Es scheint mir eine Art Ersatz für Eigenliebe und Selbstrespekt zu sein. Egozentriker bewerten alles und ständig. Das müssen sie tun, denn sonst können sie sich nicht orientieren. Sie brauchen das, weil sie nicht fühlen und daher Situationen auf Gefühlsebene nicht wahrnehmen. Ein gesunder Mensch orientiert sich an seinen Gefühlen, der Egozentriker versucht dies über den Verstand zu tun. Daher fliegen seine Pläne auch meistens auf, da er, wenn überhaupt, viel zu spät bemerkt, dass die anderen ihn längst durchschaut haben. Sie leben also in einer sehr engen, kleinen Welt des Intellektes. So etwas wie Freiheit, Verbundenheit, Vertrauen oder auch Liebe bleibt ihnen leider verwehrt. Hilfe glauben sie ja nicht zu brauchen. Stattdessen fühlen sie sich von allen verkannt und sie glauben, dass keiner sie schätzt mit dem, was sie tun und sind.

Also, auch wenn es so scheint, als würden sie nur sich selbst lieben, das täuscht! Liebe würde eine Überdosierung des Egos nicht zulassen. Hier beginnt man am besten mit Selbstliebe. Danach würde ich mich um Mitgefühl und Integrität kümmern.

„Der Egoismus spricht alle Sprachen und spielt alle Rollen, sogar die der Selbstlosigkeit.“

(Zitat: François de La Rochefoucauld)

„Manche Leute reden immer von ihrer Freiheit und meinen nur ihre Angst vor einer Liebe, die größer werden könnte als ihr Egoismus.“

(Zitat: Hans Kruppa)

©Bruno Würtenberger

Weitere inspirierende Beiträge unseres Gastautors Bruno Würtenberger findest du in seinen Autorenblog.

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Über den Autor

Bruno Würtenberger

Bruno Würtenberger geb. 1960 in Zürich ist Bewusstseinsforscher mit Leib und Seele. Er lebt zurückgezogen im Zürcher-Oberland, hat einen Sohn und eine große Vision: Eine friedliche, glückliche und erfolgreiche Gemeinschaft aller Menschen, welche in Harmonie mit der Natur leben.

Er entwickelte das FreeSpirit®-Bewusstseinstraining, schrieb mehrere Bücher, darunter der Bestseller "Klartext – Lustvoll leben in echter Liebe zu sich selbst und anderen".

Bruno Würtenberger ist gefragter Dozent an in- und ausländischen Fachkongressen und besticht mit seiner humorvollen und charismatischen Art. So auch beim 5. Bleepkongress, an dem er als Referent zu Gast war.

Zudem gründete er das Kinderhilfswerk „FreeSpirit®-Compassion“, welches weltweit Kinder in Not unterstützt.

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