Jedes Jahr werden in Deutschland Waren im Wert von sieben Milliarden Euro entsorgt, darunter auch  neuwertige Waren, von denen die Hersteller zu viel produziert haben, oder bei denen lediglich die Verpackung leicht beschädigt oder veraltet ist. Um diesem Wahnsinn ein Ende zu bereiten, gründete die promovierte Betriebswirtin Juliane Kroonen das Start-Up innatura, welches Waren die sonst weggeworfen würden als Spenden zwischenlagert und weitervermittelt.

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Die Entstehungsgeschichte

Es klingt zunächst buchstäblich nach Soap Opera. Denn die Idee für Innatura entstand durch 100 Tonnen feinstes Marken-Shampoo. „Ein Ex-Kollege rief mich vor drei Jahren an und sagte: Ich habe hier 200.000 Flaschen auf dem Hof stehen, nur falsch etikettiert, hast du einen Abnehmer?“, erinnert sich Innatura-Gründerin Juliane Kronen. Bedingung: Die Ware sollte sofort abgeholt werden und durfte nicht auf dem Schwarzmarkt auftauchen. Kronen  telefonierte sich die Finger wund – als Partnerin der Boston Consulting Group (BCG) und  Ehrenamtliche verschiedener Organisationen verfügt die Kölnerin über ein großes Netzwerk.  Das geschenkte Shampoo wollte trotzdem keiner; es wanderte in den Müll. „Ich dachte immer,  Spenden sei günstiger als Vernichten. Aber in Deutschland kostet es nur 40 Euro, eine Tonne  Sondermüll zu verbrennen. Das ist der eigentliche Skandal,“ sagt Juliane Kronen.

Die promovierte Betriebswirtin diskutierte daraufhin das Problem mit zwei BCG-Kollegen. Gemeinsam starteten sie eine umfangreiche Recherche und fanden heraus: Jedes Jahr werden in Deutschland Waren im Wert von sieben Milliarden Euro entsorgt, darunter auch  neuwertige Waren, von denen die Hersteller zu viel produziert haben, oder bei denen lediglich die Verpackung leicht beschädigt oder veraltet ist. Rund ein Drittel dieser Waren gehört zu den Dingen, die gemeinnützige Organisationen dringend brauchen: Spielzeug, Körperpflegeprodukte, Haushaltswaren, Baumaterial, Waschmittel, Bürobedarf.

Die Idee des Start-ups Innatura war geboren: Denn genau an dieser Stelle setzt Kronen mit  ihrer gemeinnützigen GmbH, die im Juni 2013 operativ an den Start gegangen ist, an. Sie bringt nicht nur Angebot und Nachfrage zusammen, indem sie Sachspenden akquiriert, abholt, in einer eigenen Lagerhalle zwischenlagert und verteilt. Die Unternehmensberaterin will auch sicherstellen, dass die Spenden diejenigen Empfänger mit dem größten Bedarf erreichen. Letztere müssen sich dazu lediglich kostenlos bei Innatura registrieren, bestellen und bekommen die Waren dann frei Haus geliefert. Die Vermittlungsgebühr beträgt zwischen fünf und 20 Prozent des tatsächlichen Marktwerts. „Wer für etwas bezahlen muss, bestellt nur  das, was er wirklich braucht, und natürlich decken wir damit auch unsere Kosten“, begründet Kronen das System. Trotzdem bleibe der Hebeleffekt für die Empfängerorganisationen enorm.

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Warum werden einwandfreie Waren entsorgt?

In Deutschland werden nicht nur jährlich elf Millionen Tonnen Lebensmittel weggeschmissen, sondern auch tonnenweise Drogerieprodukte, die gar nicht schlecht werden können. Dafür gibt es massenweise Gründe, die aus ökologischer und moralischer Sicht nicht nachvollziehbar sind. Zur ausrangierten Ware gehört zum Beispiel Sonnenmilch, die gerade keine Saison hat und deren Lagerkosten teurer wären als ihre Entsorgung. Aussortiert wird auch Aktionsware oder „Special Editions“, die im Überfluss produziert werden und nach der Aktion nicht mehr ins Sortiment passen. Artikel mit fehlerhaften Etiketten oder zu geringer Füllmenge landen als B-Ware ebenfalls im Müll.

Ein weiterer Grund für den Hersteller, Waren zu entsorgen, sind beschädigte Verpackungen oder Paletten, denen im Rahmen einer Qualitätskontrolle ein Produkt entnommen wurde. Da die Ware in Gewichtseinheiten verkauft wird, nimmt der Handel unvollständige Paletten nicht an. Denn wenn nur ein Produkt fehlt, hat die Palette das falsche Gewicht und die Ware müsste per Hand gezählt werden. Das wiederum würde zu hohe Personalkosten verursachen. Retouren sind aus betriebswirtschaftlicher Sicht ebenfalls ein Grund, Waren wegzuschmeißen. Diese wieder einzusortieren und in den Handel zu bringen, wäre zu teuer. Vor allem der Online-Versand bekommt massenweise Fehlkäufe zurückgeschickt.

Warum werden die Waren nicht wenigstens gespendet, wenn sie für den Handel nicht mehr zu gebrauchen sind? Der Grund dafür ist das deutsche Steuerrecht. Oftmals ist es für die Unternehmer billiger, Waren zu entsorgen, als sie zu spenden, weil Spenden beim Finanzamt als Umsatz gelten, für die eine Umsatzsteuer ans Amt abgeführt werden muss. Die Entsorgung der Produkte hingegen kann zusätzlich als Betriebsausgabe abgesetzt werden.

Spielzeug und Windeln für syrische Flüchtlingskinder

Innatura will hier Abhilfe schaffen und die Hersteller dazu bringen, ihre überflüssigen Produkte zu spenden, anstatt sie zu vernichten. Innatura übernimmt dafür die gesamte Logistik und Qualitätssicherung der Prozesse, so dass die Spenden an Organisationen, wie der Flüchtlings-, Obdachlosen- oder Kinder- und Familienhilfe weitergegeben werden können, so wurden kürzlich erst gemeinsam mit den Partnern Kimberly-Clark und amazon Windeln, Puppen und Spielzeugautos für die kleinsten und größeren syrischen Kinder im Flüchtlingslager Atmeh bereitgestellt.


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Quellen: 

Sein.de

Innatura.org

Ksta.de

 

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