Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie nicht nur Ihren Arzt oder Apotheker sondern bitte auch Ihr Trinkwasser! Kaum zu glauben – aber es sind tatsächlich 13353 Millionen Medikamentenpackungen,

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die in einem Jahr über die Theken der Apotheken geschoben werden. Dahinter verbergen sich über 3000 zugelassene Wirkstoffe, um Krankheiten zu heilen oder Symptome zu lindern. Im Magazin DIE WELT wird berichtet, dass diese sich  – dem natürlichen Zyklus verlaufend – wieder im Grundwasser einfinden und in Spuren in unserem Trinkwasser zu finden sind.  Eine logische Konsequenz, denn die chemischen Stoffe werden fast nie vollständig vom Körper resorbiert – der Rest wird als Stoffwechselendprodukt wieder ausgeschieden.

Allerdings findet ein Labor auch nur das, wonach es sucht. Nach den Angaben des Umweltbundesamtes sind heute ungefähr 170 Substanzen nachzuweisen. Jedes benötigt ein eigenes und äußerst aufwändiges Testverfahren. Ja, Sie lesen richtig: von 3000 Arznei-Wirkstoffen kann man erst 170 nachweisen! Sicher sind die Stoffe „nur“ im Nanogrammbereich oder knapp unter dem Mikrogrammbereich nachzuweisen – aber dennoch tappen die Labore noch im großen Dunkel, welche Wirkung es für den Körper hat, wenn ganz viele Stoffe in einem Mix zusammen kommen.

Grenzwerte richten sich ja immer nach „normalen“ und gesunden Menschen – und berücksichtigen nicht unbedingt, dass es auch viele Kinder, Kranke und ältere Menschen gibt. Realtiv neu ist das „Non-Target-Screening“, welches in Form von Massenspektrometrie möglichst viele Parameter abdecken kann und in Wasserwerken inzwischen eingesetzt wird.

„Zu den am häufigsten nachgewiesenen und schlecht entfernbaren Stoffen gehören Schmerzmittel wie Diclofenac, die Antiepileptika Carbamazepin und Gabapentin, Betablocker sowie verschiedene Antibiotika. Zum Teil könne man allein anhand des Abwassers auf die Verschreibungspraxis der Ärzte rückschließen“, sagt Uwe Dünnbier von den Berliner Wasserbetrieben im Artikel von DIE WELT.

Forscher sind der Meinung, dass die geringe Menge keinen Schaden anrichten kann. Aber Studien zeigen auch Missbildungen von Fischen und anderen Wasserbewohnern, außerdem Fruchtbarkeitsstörungen und nachweislich Rückstände des Schmerzmitttels Diclofenac!

Der Mix der Wirkstoffe ist also noch ein großes Fragezeichen – und die Wasserwerke reinigen (noch) nicht (alle) mit Aktivkohle, um alle Stoffe im Nanogrammbereich vollständig entfernen zu können! Anke Putschew, Leiterin des chemischen Labors am Fachbereich Wasserreinhaltung der TU Berlin meint: „Diese Stoffe gehören einfach nicht dorthin“.

Doch es gibt immer noch keine gesetzlich festgelegten Grenzwerte für Arzneimittelwirkstoffe und auch kein Handlunsgebot. Einzig in einer Richtlinie über Umweltqualitätsnormen (UQN-RL) der EU sind in diesem Jahr erstmals drei Arzneistoffe in eine sogenannte Beobachtungsliste aufgenommen worden: zwei Hormonpräparate und das Schmerzmittel Diclofenac. Von 2015 an wird die Konzentration dieser Stoffe nun europaweit an Hunderten Standorten gemessen, schreibt DIE WELT.

Die Aufgabenstellungen sind vielfältig: Das fängt bei der Berücksichtigung der biologischen Abbaubarkeit von Arnzeimittelwirkstoffen an, geht weiter über die Verschreibungsmoral der Ärzte (hier ist eine aktueller Bericht über eine Vorabstudie interessant, dass viele Medikamente ohne wissenschaftliche Begründung verschrieben werden!), aber auch  über die Entsorgungsmöglichkeiten  – und am besten über eine generelle Einführung von Aktivkohlefilterung in Wasserwerken!

Was kann der Verbraucher heute schon tun? Im Handel gibt es schon seit längerem Aktivkohlefilter für den Privathaushalt. Reines und lebendiges Wasser aus artesischen Quellen gibt es im Naturkostladen oder gut sortierten Getränkehandlungen. Außerdem gibt es das zuständige Wasserwerk Auskunft über die Qualität und analysiert auch gerne Wasserproben.

 

Quellen:
www.welt.de
www.zvbwv.de

 

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