Nach Frankreich hat jetzt auch Tschechien ein Gesetz zur Lebensmittelrettung für Supermärkte erlassen. Zuwiderhandlungen werden mit hohen Strafen geahndet. Doch nicht nur Supermärkte verschwenden Lebensmittel, ein großer Teil des Wegwerfwahnsinns findet in den Haushalten statt und fördert somit die Unterernährung in ärmeren Teilen der Welt. Was bereits von Einzelnen, Regierungen und Unternehmen getan wird und was wir tun können, erfährst Du hier.

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Das große Wegwerfen und seine Folgen

Jedes Jahr werden 18 Millionen Tonnen Essen allein in Deutschland weggeworfen – sei es auf den Feldern, im Einzelhandel, in der Gastronomie oder zuhause. Davon sind satte 10 Millionen Tonnen vermeidbare Abfälle! Das entspricht zusammen einer landwirtschaftlichen Anbaufläche von Mecklenburg-Vorpommern und dem Saarland., auf der nur Essen angebaut wird, das am Ende in der Tonne landet. Dadurch wandern auch jährlich rund 235 € pro Person in den Müll.

Hinzukommen unnötig freigesetzte Treibhausgasemissionen in Höhe von 48 Millionen Tonnen.

Lt. der Welthungerhilfen könnten zwölf Milliarden Menschen mit den weltweit produzierten Lebensmitteln ernährt werden. Obwohl es nur knapp 8 Milliarden Menschen auf der Welt gibt, leidet rund ein Siebtel davon an Unterernährung. Alle drei Sekunden stirbt ein Mensch aufgrund von Hunger. Als eine der wichtigsten Ursachen dieses Problems gilt die Lebensmittelverschwendung.

Wir können zwar nicht am Ende eines Tages das übrig gebliebene Brot nach Afrika schicken. Unsere Verschwendung sorgt jedoch dafür, dass der Weltmarktpreis für Lebensmittel steigt. Das kann sich die Bevölkerung in den ärmeren Ländern nicht leisten. Unsere Verschwendung trägt also indirekt zum Hunger in der Welt bei. Zeit uns dessen bewusst zu werden und unser Konsumverhalten dementsprechend auszurichten!

Teller statt Tonne

Unter dem Motto „Teller statt Tonne“ finden sich viele Projekte, Startups und engagierte Menschen, die dieser Verschwendung ein Ende setzen wollen und ihren Beitrag dazu leisten.

Too Good To Go

Aus Dänemark stammt die kostenlose App „Too Good To Go„. NutzerInnen finden darin die teilnehmenden Restaurants, Hotels, Bäckereien, Imbisse und Co. in ihrer Nähe. Diese verkaufen kurz vor Ladenschluss die Gerichte und Lebensmittel, die noch unverkauft sind, für wenig Geld. Günstig für die User, gut fürs Geschäft. So sind noch ein paar Euro zu verdienen an überschüssigen Lebensmitteln, die sonst im Müll gelandet wären. Mehr als 3000 Partnerbetriebe weltweit nutzen die App bereits, um ihren Teil gegen die Lebensmittelverschwendung beizutragen – davon allein 500 in Deutschland.

Gefüllte Mägen, statt Mülleimer

„Feed bellies, not bins“ – Fülle Mägen, keine Mülleimer, ist das Motto von Real Junk Food Project. Die Idee stammt aus Großbritannien: 2013 eröffnete Adam Smith das erste „Pay as you Feel“-Café. Dort gibt es Gerichte aus Lebensmitteln, die für die Tonne bestimmt waren. Gezahlt wird, „wonach dir ist“ – also auf Spendenbasis. 2015 startete das Real Junk Food Project Berlin. Aus den abgeholten Lebensmitteln kocht das Freiwilligenteam um Gründer Tobias Goecke zweimal die Woche im Projektraum „Baumhaus“ in Berlin-Wedding. Viele weitere solcher Cafés gibt es mittlerweile in Großbritannien, Frankreich und Australien.

Bewusstsein schaffen: Das erntende Klassenzimmer

Das Schulprojekt „Teller statt Tonne“ von Slow Food Deutschland vermittelt Wissen über Lebensmittelverschwendung und deren Auswirkungen auf Hunger und Armut im globalen Süden.

Dabei werden die SchülerInnen für einen Tag zu Co-ProduzentInnen, in dem sie auf einem nahe gelegenen Hof gemeinsam Gemüse ernten und essen, dass die Landwirtin nicht vermarkten kann, weil es zu klein, zu groß oder zu unförmig für den Handel ist.

Die Brotretter

Eine scheinbar verrückte Idee, hatten drei jungen Menschen aus Konstanz. Jedes Jahr werden in Deutschland mehr als 500.000 Tonnen Brot weggeworfen. Der Bäcker produziert täglich 10 – 20 Prozent seiner Backwaren direkt für die Tonne. Janine, Felix und Matze von Knödelkult retten seit 2017 Berge an Brot vor der Müllpresse und machen daraus leckere Knödel im Glas – und dies ohne Vorkenntnisse, denn keiner von ihnen kommt aus der Lebensmittelbranche.

 

 

foodsharing.de

foodsharing.de ist eine Internetplattform zum Verteilen von überschüssigen Lebensmitteln in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Getragen wird sie vom Verein foodsharing e.V. und startete am 12. Dezember 2012.

Inzwischen wird foodsharing.de von 200.000 Privatpersonen genutzt, um Lebensmittel zu teilen und abzuholen, die sonst entsorgt würden („Foodsharer“). Darüber hinaus organisieren sich über 40.000 ehrenamtliche Foodsaver über die Plattform: Sie holen Lebensmittel bei Händlern und Produzenten ab und verteilen diese. foodsharing.de verzeichnet 566 offene Regale und Kühlschränke, sogenannte „Fair-Teiler“, an denen Lebensmittel geteilt werden können. (Stand: 1. Mai 2018)

Die Website ist ein Hauptprojekt des foodsharing e.V. im Engagement gegen Lebensmittelverschwendung. Für dieses Problem möchte der Verein durch die Website sensibilisieren. Trotz der hohen Mitgliederzahl arbeitet der foodsharing e.V. fast ausschließlich ehrenamtlich, auch die Website ist kostenlos nutzbar.

Gesetze zur Lebensmittelrettung

Regierungen haben das Problem erkannt und beginnen zu reagieren. So gibt es in Frankreich bereits seit 2016 ein Gesetz, das es Supermärkten verbietet, Essen wegzuwerfen. Wer trotzdem nicht mit Charities und Tafeln zusammenarbeitet, muss Strafen zahlen. Alle Supermärkte mit mindestens 400 Quadratmetern Ladenfläche müssen seitdem alle unverkauften, aber noch essbaren Lebensmittel an Hilfsorganisationen verschenken – wer sich nicht an das Gesetz hält, kann dafür pro Verletzung bis zu 4.500 Euro Strafe erwarten.

Auch in Tschechien müssen nicht verkaufte Lebensmittel kostenlos an Hilfsorganisationen abgegeben werden. Betroffen sind auch hier ausschließlich Lebensmittelgeschäfte mit einer Verkaufsfläche von mehr als 400 Quadratmetern. Bei Zuwiderhandlung droht eine Geldstrafe bis umgerechnet 390.000 Euro. Zu den größten Supermarktketten in Tschechien gehören Kaufland, die niederländische Ahold, die britische Tesco-Gruppe sowie Lidl und Penny-Markt.

Die deutsche Regierung hat sich das Ziel, die Lebensmittelverschwendung bis zum Jahre 2020 auf 50 Prozent zu reduzieren selbst gesetzt. Bisher ist die Bundesregierung jedoch weitestgehend untätig geblieben. Vielleicht schließt sich die Bundesregierung Frankreich und Tschechien an, das wäre zumindest ein Anfang.

Unternehmen reagieren

Große Unternehmen haben der Lebensmittelverschwendung den Kampf angesagt. So hat in Norwegen eine zweite Molkerei das Mindesthaltbarkeitsdatum auf ihren Produkten quasi außer Kraft gesetzt. Eine neue Formulierung soll Verbrauchern bewusst machen, dass Lebensmittel mit dem Erreichen dieses Datums nicht zwangsläufig verdorben sind: „Mindestens haltbar bis, aber nicht schlecht: ...“. Den Umsatz schmälert das nicht, denn das Unternehmen gewinnt so neue Kunden – bewusste Verbraucher, denen ein ethisches Verhalten am Herzen liegt.

Was du tun kannst!

Fast ein Drittel der Lebensmittel in Deutschland landet im Müll: krumme Möhren, abgelaufene Joghurts, der Kühlschrank zu voll. 10 000 000 Millionen Tonnen wären vermeidbar! Eine Verschwendung, die schmerzt.

61 % aller Lebensmittelabfälle entstehen in den Haushalten selbst. Verbraucher lassen sich durch die Sonderangebote verführen, kaufen mehr als sie brauchen, lagern die Lebensmittel oft nicht richtig, missverstehen das Mindesthaltbarkeitsdatum, kochen mehr als sie brauchen und entsorgen die Reste.

Pro Kopf gerechnet wirft jeder von uns pro Jahr ca. 82 kg Lebensmittel weg. Dem kann jeder Einzelne entgegenwirken, indem er zum Beispiel:

  • Lebensmittel mehr wertschätzt
  • bewusster einkauft
  • Vorräte kontrolliert
  • nur so viel kocht, wie tatsächlich gebraucht wird
  • Reste isst
  • Lebensmittel richtig lagert
  • das Mindesthaltbarkeitsdatum nicht als Verfallsdatum missverstehst.
 

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Quellen:

https://www.tagesspiegel.de/politik/lebensmittelverschwendung-18-millionen-tonnen-fuer-die-tonne/21198094.html

https://toogoodtogo.de/de

http://www.teller-statt-tonne.de/

https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/tschechien-supermaerkte-muessen-unverkaufte-lebensmittel-spenden,RE1IyYm?fbclid=IwAR0jRvqOPhCjjn83wO-s7arubOpIQBnJW5T4ZRQvBAboMdEt5UEojceSpZE

https://www.t-online.de/nachrichten/ausland/id_83293274/so-erfolgreich-ist-frankreichs-gesetz-gegen-lebensmittelverschwendung-wirklich.html

https://utopia.de/the-real-junk-food-project-46328/

https://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/WWF_Studie_Das_grosse_Wegschmeissen.pdf

http://www.teller-statt-tonne.de/

https://www.tagesspiegel.de/politik/lebensmittelverschwendung-18-millionen-tonnen-fuer-die-tonne/21198094.html

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