Wer bereits in China war, kann ein Lied davon singen, wie schwer, ja gar unmöglich es ist, ein schönes Foto der Skyline zu schießen. Das Einzige, das wir auf einem solchen Bild sehen, sind die Umrisse riesiger Wolkenkratzer, die sich wie in einem Endzeit-Szenario durch den dichten Smog-Nebel drücken. Aber nicht nur China hat Probleme mit der Luftverschmutzung. Fast überall auf der Welt, insbesondere in den Städten ist die Feinstaubbelastung so hoch, dass sie gesundheitsgefährdend ist. Der Künstler und Architekt Daan Roosegaarde hat sich diesem Problem nun angenommen und Luftfiltertürme entwickelt, die den Schmutz buchstäblich in Diamanten verwandeln.

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„Jeder findet saubere Luft wichtig, aber was ist sie wert?“

Abgase, Müllverbrennung, Waldbrände etc. All dies sind negative Umwelteinflüsse, die uns regelrecht die Luft zum Atmen nehmen.

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Da sich aber in unserer heutigen Konsumgesellschaft zu wenig Menschen angesprochen fühlen, wenn es mal wieder heißt, wir müssen die Feinstaubkonzentration in der Luft reduzieren, ist es an der Zeit innovative Möglichkeiten zu schaffen, welche unsere Luft zumindest in bestimmten Gebieten von Schmutz und Feinstaub befreien. Der Künstler und Designer Daan Roosegaarde hat sich dieser Aufgabe angenommen und einen Luftfilterturm entworfen, welcher nicht nur Schmutz aus der Luft filtert, sondern diesen auch noch in Diamanten verwandelt. Klingt utopisch, ist es aber nicht…

Bereits in mehreren Ländern lassen sich die bis zu 7 Meter hohen Türme des Künstlers bestaunen. Dabei sind die Planung und die Umsetzung der Projekte alles andere als selbstverständlich, den wie bei den meisten Dingen im Leben spielt auch hier die Finanzierung eine essenzielle Rolle. Die Sache mit dem Geld habe sich anfangs als recht zäh erwiesen. Jeder möchte saubere Luft atmen, aber wie viel ist dieses Ziel wert? Das ist eine schwierige Frage, denn unsere Luft lässt sich nur schwer in Zeit oder Geld umrechnen, so Roosegaarde. Aus diesem Grund wurde eine Kickstarter-Kampagne mit ins Boot geholt, um den ersten Tower, welcher in Krakau zu finden ist, zu finanzieren. Die Türme entstehen somit in einem Zeitraum zwischen 6 Monaten und 3 Jahren, als Teil einer Kampagne, und kosten die Städte je nach Ausrichtung zwischen 50.000 und 13 Millionen Euro.

Luftfiltertürme sind nicht die Lösung unserer Probleme

Natürlich könnte Daan Roosegaarde die Türme auch in einer Art Serie fertigstellen und einzeln verkaufen. Das würde jedoch dem Ziel, nicht nur die Symptome der Luftverschmutzung zu behandeln, sondern die hauptsächliche Ursache, im Weg stehen.

„Die Leute glauben dann entweder, der Turm sei die Lösung für die Luftprobleme der ganzen Stadt, oder Politiker benutzten sie, um sich ein grünes Image zu verpassen. Aber so funktioniert das nicht.“

So der Künstler. Die Türme sind lediglich eine lokale Lösung, die sich für öffentliche Plätze wie Parks oder Spielplätze eignen. Ein solcher Tower ist in der Lage pro Stunde, um die 30.000 Kubikmeter Luft zu reinigen. Es gibt sogar wissenschaftliche Berichte, welche die Wirksamkeit der Türme bestätigen, allerdings nur im begrenzten Umfang. Der Physiker Bert Blocken der Technischen Universität in Eindhoven hat das Projekt begleitet und kam zu dem Ergebnis, dass in einem Radius von etwa 10 Metern um den Tower herum durchaus eine Verringerung der Feinstaubbelastung messbar ist, nämlich rund 20 %. Direkt neben dem Tower, also an den Lamellen der Konstruktion sinkt die Feinstaubbelastung sogar um ganze 60 %. Die Energie, welche die Luftfiltertürme dafür aufwenden, wird aus Solar- oder Windenergie gewonnen.


Das Video zeigt die Messung der technischen Universität Eindhoven, bezüglich der PM-10-Feinstaubpartikel Konzentration in der umliegenden Luft des Towers.  

Wir sehen also, dass die Filterung der Türme durchaus gewinnbringend und nützlich ist, jedoch für den Gebrauch im großen Stil eher ungeeignet. Es gibt jedoch bereits ein Projekt, welches den Rang des größten Luftfilters der Welt hält, und zwar (wer hätte es gedacht) in China. Im chinesischen Xi’an steht eine etwa 60 Meter hohe Betonsäule, welche am Boden von einer Art fußballfeldgroßem Gewächshaus umgeben ist. Die Luft wird durch das mit Solarpanelen gedeckte Dach erwärmt, und im Inneren des Turmes nach oben befördert. Auf dem Weg nach oben durchläuft die Luft einen Parkour verschiedener Industriefilter, bevor sie am Ende den Tower wieder verlässt. So soll es möglich sein, bis zu 18 Millionen Kubikmeter Luft am Tag zu reinigen.

rund 4,2 Millionen Todesfälle durch verschmutzte Außenluft

Wenn es darum geht unsere Luft zum Atmen zu säubern, ist es bereits kurz nach 12. Eine Studie des Centre for Research on Energy and Clean Air (CREA) und Greenpeace Südostasiens zum Thema, zeigt drastische Zahlen bezüglich der weltweiten Luftverschmutzung und der daraus resultierenden Todesfälle. So heißt es in einem Bericht vom Februar 2020, dass die Luftverschmutzung jährlich weltweit rund 4,5 Millionen vorzeitige Todesfälle fordert. Das sind 0,3 Millionen mehr als ein Bericht der WHO aus dem Jahr 2016 vorzeigte. Zusätzlich verursacht die weltweite Luftverschmutzung jährliche Kosten von 2,9 Billionen Dollar, also etwa 2,7 Billionen Euro.

Berechnet wird die Zahl der Todesopfer, indem von der Wirkung verschiedener Partikel und anderer Schadstoffe auf den menschlichen Körper ausgegangen wird, die bei der Nutzung fossiler Brennstoffe entstehen. Zusätzlich werden bereits zuvor veröffentlichte wissenschaftliche Erkenntnisse hinzugezogen, wodurch die Experten dann allein in Indien auf eine Million Tote und in China sogar auf 1,8 Millionen Tote kommen.

Schmuck aus Schmutz, geht das?

Wollen wir aber wieder zurück auf das eigentliche Thema kommen. Daan Roosegaarde hat mit seiner Entwicklung nicht nur ein Fundament geschaffen, mit welchem sich die Luft reinigen lässt, nein, er schafft es sogar, aus dem gefilterten Dreck, ein glänzendes Relikt zu fertigen. Bei der Filterung des Schmutzes aus der Luft wird die Luft von oben in den Filterturm eingesogen und über positive Ionisierung gereinigt. Die feinen Partikel haften dabei an Elektroden, in welche Spannung induziert wird. Zwar gibt es ähnliche Techniken bereits in Krankenhäusern, dennoch hat Roosegaarde die Technologie revolutioniert, skaliert und nach draußen gebracht. Bei diesem Vorgang bleiben allerdings Reste zurück, wobei etwa 47 % dieser Reste aus Kohlenstoff bestehen, und wer damals im Unterricht aufgepasst hat weiß, dass Diamanten ebenfalls aus nichts anderem als Kohlenstoff bestehen. Um genau zu sein, ist das glänzende Wunder die kubische Modifikation des Kohlenstoffs aus der Mineralklasse.

Dieses Wissen hat sich der Künstler zu Nutzen gemacht, um zu verhindern, dass Müll entsteht, welcher nachher wieder liegen bleibt. Also nimmt Daan Roosegaarde die Überreste und presst diese mit ausreichend Druck zu kleinen Diamanten. Diese werden im Anschluss für Schmuck verwendet oder, um andere schöne Dinge draus zu fertigen. Die Erlöse, welche aus dem Verkauf der Diamanten resultieren, werden im Anschluss verwendet, um neue Filtertürme zu finanzieren.

 

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Quellen:

https://www.faz.net/aktuell/technik-motor/wie-luftfilter-den-smog-aus-den-staedten-saugen-15913415.html

https://www.welt.de/newsticker/news1/article205795075/Verkehr-Studie-Weltweit-4-5-Millionen-vorzeitige-Todesfaelle-durch-Luftverschmutzung.html

 

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