Mehr Menschen, als man denkt, haben schon einmal Informationen aus anderen Ebenen bekommen, von denen sie sicher sind, dass sie sich so etwas selbst nicht hätten ausdenken können. Welche Ebenen aber sind das?

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Lässt sich dies überhaupt zweifelsfrei herausfinden?

Am bekanntesten sind die Propheten aus manch heiligen Büchern, die von Engeln oder Gott selbst Botschaften empfangen und in Büchern niedergeschrieben haben. Aber auch in unserer Zeit erscheinen in der esoterischen Buchszene seit Anfang der 1980er Jahre viele Bücher, die „gechannelt“ wurden und meist Botschaften aus der „Geistigen Welt“ beinhalten, so beispielsweise von Erzengeln oder Wesenheiten, die angeblich nicht mehr oder noch nie in körperlicher Form auf Erden weilten. Seth, Kryon oder die Quelle sind einige der bekanntesten Namen.

Gerne wird dies dann als Offenbarung betrachtet – ja, es scheint, als hätte so eine Information automatisch einen viel höheren Stellenwert, weil sie aus „höheren Ebenen“ übermittelt wurden, die dem „Göttlichen“ näher sind. Manchmal aber kommt tatsächlich hilfreiches oder tröstendes Wissen durch, das eine Hilfe auf dem spirituellen Weg sein kann.

Andere Welten

Es ist eine in Fachkreisen bekannte Tatsache, dass unser sogenanntes Wachbewusstsein nur einen kleinen Teil des gesamten Bewusstseins ausmacht. Selbst wenn man also diverse andere Dimensionen und Wesen ausklammert, leben wir selbst bereits in mehreren „Welten“. Im Traum beispielsweise erleben wir ganz andere Ebenen, bekommen manchmal sogar Botschaften und verarbeiten, meist unbewusst, Themen und Gefühle, deren wir uns im Alltag gar nicht bewusst waren. Auch Träume sind also nicht nur Schäume.

Auch Wissenschaftler haben sich schon solcherart inspirieren lassen: Der Forscher August Kekulé träumte eines Nachts von einer sich in der Schwanz beißenden Schlange – und fand so die Lösung, wie der Benzolring, den er entdeckt hatte, aufgebaut sein könnte.

Spirituelle Traditionen sprechen außerdem manchmal von einem „Überbewusstsein“ – Ebenen, die mehr mit dem eigentlichen Sein verbunden sind. Das ist allerdings schon erheblich weniger wissenschaftlicher untersucht. Natürlich ist grundsätzlich die Frage angebracht, inwieweit sich subjektive Erfahrungen überhaupt wissenschaftlich beweisen oder widerlegen lassen. Wir wissen, wie es sich anfühlt, verliebt zu sein – die Wissenschaft kann höchstens die Auswirkung davon messen, also höheren Blutdruck, hohes Adrenalin oder dergleichen.

Sobald es aber um höhere Welten oder gar andere Lebensformen geht, die nicht „inkarniert“ sind, also nicht in körperlicher Form wahrnehmbar sind, befinden wir uns im Reich der Spekulation, der subjektiven Erfahrung und der spirituellen Literatur. Es gibt durchaus Übereinstimmungen zwischen klassischen Texte des tibetischen Buddhismus, den Engelwelten des Dionysius Areopagita oder den Spären der Sefirot in der Kabbalah – aber auch Unterschiede.


Engelkontakte

Eine Gruppe solcher übersinnlichen Wesenheiten sind natürlich die Engel. Sie gelten in vielen Traditionen als Boten Gottes, als die Vermittler zwischen uns Menschen und höheren Ebenen. Die Deutung in der modernen Esoterik ist unterschiedlich: Für die Einen gelten sie als Repräsentanten oder Personifizierungen bestimmter Energien, für andere als konkrete Wesen, die keinen freien Willen haben, weil sie immer mit dem höheren Willen verbunden sind.

Erzengel Michael beispielsweise hat derzeit viel zu tun: Viele Medien erhalten – meist natürlich exklusiv – Botschaften von ihm, die sie dann in Vorträgen und Büchern verkünden. Nun soll hier gar nicht verneint werden, dass dies möglich sein könnte – aber muss es gleich immer Erzengel Michael sein, Mutter Maria oder Jesus, der jetzt unter dem spirituellen Namen „Sananda“ in der Eso-Szene bekannt ist?

Die Musen der Künstler

Und doch existiert Inspiration in einer anderen Berufsgruppe schon seit ewigen Zeiten: Die der Künstler. Von Mozart ist bekannt, dass manche Kompositionen laut eigenen Angaben spontan komplett in seinem Bewusstsein erschienen. Er musste sie nur noch zu Papier bringen – sehr schön zu sehen im Hollywoodfilm „Amadeus“, wo er sein eigenes Toten-Requiem diktierte, das ihm im Geiste erschienen war. Auch die Erfolgsautorin Cornelia Funke wunderte sich immer wieder, wie die Figuren ihrer Geschichten scheinbar wie von selbst zu Leben erwachten und ihre eigene Geschichte weitererzählten…

Unbewusstes, Überbewusstes, Geistwesen, Gott? Brahms versenkte laut eigenen Worten sich immer in einen tiefen meditativen Zustand des Gebets und der Gottverbundenheit, bevor er ebenfalls Kompositionen aus anderen Ebenen empfangen konnte. Vielleicht sind die erfolgreichsten Künstler auch mit dem globalen Denken, dem allgemeinen Bewusstsein der Menschen verbunden und schaffen so Werke, die den Zeitgeist wie in einem Brennglas einfangen.

Und nun also die medialen Texte der aktuellen Esoterik – von Manchen als kompletter Humbug betrachtet, von Anderen als wichtige Quelle für den inneren Weg bewundert.

Zunächst einmal sind die Autoren auch nur Menschen. Ein bisschen Publicity gehört dazu, und da ist es natürlich spannender, wenn Erzengel Raphael persönlich spricht – anstatt, sagen wir mal, Engel Nummer 517 aus der Mittleren Sphäre. Leider geht damit manchmal eine gewisse Hybris einher: Das Medium hat Informationen, die wir normal Sterblichen nicht bekommen können. Das hat dann etwas von Frohbotschaft, mit liebevollen Worten, die nicht selten eine universelle Wendezeit verkünden, in der wir alle zusammen in die fünfte Dimension aufsteigen dürfen. Das wiederum liest der Wahrheitssuchende gerne, der sich ebenfalls bessere Zeiten wünscht – für sich selbst wie auch für den Planeten.

Erstaunlich ist aber, dass viele dieser Verkünder die über globalen Frieden und ein neues Miteinander sprechen, sich mit ihren nächsten „Kollegen“ oft nicht sonderlich gut verstehen. Wer also ist die reinste Quelle für „Kryon“, den mittlerweile mehrere Autoren channeln? Kann es nur einen geben?

Und was, wenn sich die gut klingenden Botschaften in vielen Dingen widersprechen? So gibt es einige wirklich toll zu lesende Botschaften über die Entstehung des Lebens und der Menschen. Welche davon stimmt nun?


Mit Herz und Verstand

Wie überall ist es auch hier nicht einfach, die Spreu vom Weizen zu trennen. Meine Empfehlung: Folgen Sie ihrem Gefühl UND ihrem Verstand. Das Gefühl zeigt Ihnen, ob die Botschaft wirklich von Herzen kommt – und der Verstand kann sich eine nüchterne Orientierung verschaffen. Entscheidend ist nicht, von wem die Botschaft übermittelt wurde – sondern die Qualität des Textes selbst.

„Ein Kurs in Wundern“ beispielweise wurde in den 1970er Jahren von der Amerikanerin Helen Schucman empfangen – ein 1000-seitiges Werk, das ca. 1,7 Millionen Mal verkauft wurde und von vielen Therapeuten und Autoren zitiert und praktisch angewandt wird. Auch die esoterisch-philosophischen Texte von „Seth“, übermittelt von Jane Roberts in den 1980er Jahren, beinhalten viele hilfreiche Inspirationen über die Welt unseres Bewusstseins.

Wenn aber auf angstmachende Weise vor einer Katastrophe gewarnt wird, die man nur überstehen kann, wenn man den Lehren folgt und zahlreiche Übungen praktiziert, oder wenn die Quelle als die einzig wahre angepriesen wird, dann sollte man skeptisch sein. Sinnvoll ist auch die Frage: Was helfen mir die Texte wirklich in meinem Alltagsleben?

Wir sind miteinander und mit vielen Ebenen verbunden – dieses systemische Denken wird immer mehr erkannt und ist in seiner praktischen Umsetzung, die noch vielerorts zu wünschen übrig lässt, sicher eines der wichtigsten Denkhilfen für das Überleben von Mensch und Erde.

„Channeling“ gibt es auf vielerlei Weise. Was davon ist „höher, besser, wahrer“? Das, lieber Leser, können nur Sie selbst entscheiden. Suchen Sie die Autorität nicht in heiligen Texten, sondern zunächst in Ihrem Herzen. Zur Inspiration sind manche Botschaften sicher interessant – aber Sie selbst haben auf Ihrer Abenteuerreise Menschsein die Möglichkeit, zu prüfen und zu entschieden, was für Sie stimmig ist, und was nicht.

Thomas Schmelzer

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