Im HORIZONWOLRD-Interview mit Konstantin Faigle, Regisseur des aktuellen Kinofilms „Frohes Schaffen“, geht es um viel mehr als nur eine neue Begriffsdefinition von „Arbeit“. Die Gründung einer virtuellen

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„Akademie zur Senkung der Arbeitsmoral“ ist ein erster Schritt, sich mit dem Thema und einer neuen Sichtweise für unsere zukünftige Gesellschaft intensiver auseinanderzusetzen.


1.

Gab es ein besonderes Erlebnis – eine Art „AHA-Effekt“ – der zu diesem Film geführt hat oder war es eher ein stetiger Prozess, der dann konkreter wurde?

Sowohl als auch: Als Ladenkind, das in einem schwäbischen Gemischtwarenkaufhaus groß geworden ist, habe ich schon immer zur „Arbeitsmasse“ gehört und demnach beschäftigen sich auch alle meine Filmprojekte in irgendeiner Form mit Arbeit oder dem „Schaffen“. Tatsächlich gab es aber auch einen konkreten Anlass: 2008 habe ich für die WDR-Reihe „Menschen hautnah“ einen Film über zwei glückliche Arbeitslose gemacht mit dem Titel „Glückliche Nichtstuer“. Nach der Ausstrahlung gab es so heftige Reaktionen im Web-Blog der Redaktion und ein Zuschauer drohte sogar, den WDR wegen „Volksverhetzung“ anzuzeigen, da dachte ich: Arbeit ist weit mehr als nur Beschäftigung und Erwerb. Sie ist eine Ideologie! Damit war die Idee zu „Frohes Schaffen“ geboren.

2.
Die Ironie und der „Ernst der Lage“ liegen manchmal sehr eng beieinander – da weiß man nicht, ob man lachen oder schreien möchte. Wie erging es Ihnen ganz persönlich damit?

Ja, die Realität in der Arbeitswelt ist oft absurder, als das was man sich jemals ausdenken und inszenieren kann. Im Film gibt es eine spannende Stelle: Wenn wir ins „Real Life Center“ kommen, denkt der Zuschauer, dass eine neue, inszenierte Szene beginnt, bis er bemerkt, das ist Realität und absolut ernst. Diese Stelle finde ich wirklich schön im Film und auch die Frage danach: Gibt es das „Real Life Center“ wirklich?!

3.
Erstaunlich, wie viel Komik in den alltäglichen Situationen liegt, die wir im Film somit eher erkennen als im „richtigen“ Leben (wo so viele nichts zum Lachen haben). Ist dies für Sie der Reiz beim Filmemachen und gleichzeitig die Botschaft oder ergibt sich das ganz automatisch?

Humor ist die einzige Rettung, das ganze erträglicher und verdaubarer zu machen! Das ist aber ein schmaler Grat, den ich wie Till Eulenspiegel einschlagen muss. Ich darf nicht in eine zynische oder belehrende Haltung gehen, gleichzeitig will ich den Leuten aber auch den Spiegel vorhalten, damit sie sich und etwas verändern. Dieser Grat ist, glaube ich, die Stärke meiner Film.

4.
Der Film hinterlässt Spuren und Fragen und reichlich Diskussion. Gibt es schon Pläne für ein neues Projekt, welches in die Thematik der persönlichen Selbstfindung, der Burn-out-Geschädigten (Gesellschaft) oder die des Grundeinkommens noch tiefer eintaucht und Lösungen bietet?

Das Thema Ideologie Arbeit und wie wir eine Gesellschaft jenseits von Arbeit schaffen, ist, denke ich, die Frage des Jahrhunderts, wenn nicht des Jahrtausends. Auch mich beschäftigt das ganze natürlich weiter und ich habe daher eine Internetplattform gegründet, „Frohes Schaffen –Die Akademie zur Senkung der Arbeitsmoral“. Hier sollen sich Menschen austauschen, Gleichgesinnte und StreiterInnen für die Muße. Gleichzeitig soll es hier auch neue, kleine Filme geben, Interviews, Musik und Texte, die sowohl die Absurdität unserer heutigen Arbeitswelt aufzeigen, als auch ergründen, wie eine solche „Ersatzphilosophie“ für ein gutes und zufriedenes Leben konkret, persönlich und auch gesellschaftlich aussehen soll.

Vielen Dank für das Interview!

 

Und hier geht es zur Akademie zur Senkung der Arbeitsmoral: www.frohessschaffen.de

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