Oliver Driver ist Schamane, spiritueller Lehrer, Autor, Therapeut und Coach. Er besuchte schon viele Regionen dieser Erde, um von alten schamanischen Kulturen zu lernen und ihre Sichtweise von Heilung zu verstehen. Diese eindrücklichen Begegnungen prägen seine Arbeit.

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Wer sind die Kogi?

Sein neuestes „Projekt“ ist etwas ganz besonderes, denn während seiner Reisen in Südamerika kam er mit einem Vertreter des Volkes der Kogi in Kontakt. Aufgrund der Außergewöhnlichkeit berichtet er hier für die HORIZONWORLD, warum die Kogi die Hüter der Erde sind und was sie unter „Heilung“ verstehen. Es ist aus unserer westlichen Denk- und Sichtweise zum einen kompliziert und doch zugleich so einfach, genau diese Ein/Ansichten auch „spirituell“ zu erzählen und zu erklären.  Die Kogi sind eines der am wenigsten angepasst an unsere Zivilisation lebenden Völker der Erde. Als Columbus die „Neue Welt“ entdeckte, lebten die Kogi hier gemeinsam mit den Inkas, Azteken und anderen Völkern schon sehr lange. Sie sind die einzigen, die überlebt haben. Ihre Kultur hat sich weiterentwickelt, konnte sich jedoch unserem Einfluss entziehen, indem die Kogi hoch in die Berge flohen.

In der Sierra Nevada de Santa Marta, dem höchsten Küstengebirge der Erde, wo auf einem Streifen von 50 Kilometer Breite im Nordosten Kolumbiens traumhafte karibische Strände und tropisch-feuchter Dschungel auf trockene Wüsten, Nebelwald und schneebedeckte Berge treffen, leben die Kogi wie vor Hunderten von Jahren.

Die Kogi sind die gewissenhaften Hüter einer Tradition, Philosophie und Art des Denkens, das in nahezu allen anderen Gegenden der Erde ziemlich gründlich durch die Ausbreitung unserer eigenen, westlichen Kultur ausgerottet wurde. Begünstigt durch die politische Situation in Kolumbien, wodurch kaum jemand es bis vor wenigen Jahren wagte, die Sierra zu bereisen, gelang es ihnen zwischen Drogen, Terror und Militär, ihren Lebensraum zu erhalten.

Die Kogi sind die Hüter der Erde

Sie selbst bezeichnen sich als die Älteren Brüder. Ich – genauso wie Sie, liebe/r Leser/in – bin einer der Kleinen Brüder, die vor langer Zeit das Land der Kogi über das große Wasser verlassen haben. Noch heute sehen sich die Kogi als Hüter der Erde. Um diese Aufgabe bewältigen zu können, muss ihre Kultur überleben. Nur dann können sie die Erde retten.

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Sie erzählten mir von der Schöpfung, wie die Große Mutter eine Webspindel in das Gebirge der Sierra Nevada, Nordkolumbien, stieß, und so die Welt erschuf. Noch heute sehen sich die Kogi als Hüter der Erde. Alles Leben auf der Erde ging von der Sierra Nevada aus. Die Aufgabe der Mámas, der Priester, Weisen und Schamanen, ist es, für Yulúka, für das Gleichgewicht auf allen geistigen und materiellen Ebenen zu sorgen. Um diese Aufgabe bewältigen zu können, muss ihre Kultur überleben. Nur dann können sie die Erde retten.

Ihre Botschaft

Die Kogi haben eine Botschaft an uns, die kleinen Brüder. Sie bitten und um Hilfe bei der Heilung der Erde:

„Wir sind da, um dieses Gebirge zu beschützen, denn so beschützen wir die Erde und die Welt. Alle Gebirge liegen im Sterben, denn der Kleine Bruder zerstört sie, indem er Kohle und Öl daraus hervorholt und die Erde überwärmt.

Wir sind dafür nicht verantwortlich, aber wir leiden darunter. Wir sind die Großen Brüder, es liegt in unserer Verantwortung, über die Erde und die Welt zu wachen. Wir müssen das Gleichgewicht bewahren, und wir führen dafür die ganze spirituelle und geistige Arbeit aus.

Wir sind traurig, zu sehen, dass nicht alle Menschengruppen das tun, was sie tun sollten, um die Erde zu achten. Wir brauchen den Kleinen Bruder, damit er uns hilft. Ihr müsst die Erde und die Welt verstehen lernen. Der Kleine Bruder muss uns helfen, unsere Erde wieder zurückzuerhalten. Helft uns, das Herz der Welt zu schützen!“

 

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Copyright: Oliver Driver

Und genau hier beginnt mein „Problem“, zu erklären, wie die Kogi heilen. Ich habe ein westliches Weltmodell. Klar, dies ist durch meine schamanische Praxis vielleicht nicht ganz so eingeengt, dennoch ertappe ich mich immer wieder dabei, wie ich die Gedankenwelt der Kogi mit unseren Begriffen erkläre. Ich versuche die Dinge für uns verständlich zu machen und dabei verändere ich ihren Sinn. Man kann das Denken der Kogi nur selbst erfahren, indem man dort einige Zeit verbringt – was die Kogi jedoch aus gutem Grunde nicht erlauben. Sie wollen ihre Kultur vor unserer vermeintlichen Überlegenheit, unseren Ratschlägen und unserer Hilfe bewahren. Das beste Mittel, dies zu tun, ist, keine Fremden in das Land zu lassen und den Kontakt mit ihnen zu kontrollieren.

Ich hatte die Gelegenheit, die Kogi zwei Mal zu besuchen. Dafür sorgte das Schicksal, weil ich einen Kogi zufällig kennenlernte, der mich heute als einen von zwei guten Freunden in Deutschland bezeichnet. Der andere ist der kolumbianische Botschafter in Berlin, ein ehemaliger Umweltaktivist und Fotograf, der die Kogi sehr unterstützt und ihr Sprachrohr ist. Máma José Gabriel kam dann sogar für 17 Tage nach Deutschland, wo wir Vorträge in allen großen Städten veranstalteten. Er mag die Deutschen, weil sie von allen Völkern, die er besuchte, die spirituell und ökologisch am weitesten entwickelten Menschen sind.

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Wie heilen die Kogi?

Auf unserer Vortragsreise sahen wir uns nach ein paar Tagen „gezwungen“, die Vorträge mit der Ankündigung zu beginnen, dass wir keine Autos verschwinden lassen würden, dass wir keine Wunder zeigen würden, dass wir keine Rituale vorführen. All dies ist für die Kogi heilig und darf nicht als Vorführung missbraucht werden. Heilende Rituale sind für die Kogi immer mit einem ganz speziellen Platz verbunden. Sie nennen diese Plätze „heilige Stätten“. Für jedes Thema, Problem oder eine Fragestellung haben sie eine heilige Stätte, die damit verbunden ist. Ein riesiges Netzwerk von heiligen Stätten liegt in der Sierra. Das können große Felsen, kleine Quellen, Flussmündungen, Berggipfel und vieles mehr sein. Immer sind es natürliche Plätze, nie künstlich geschaffene Dinge. Die heiligsten Plätze liegen hoch oben in den Bergen wie zum Beispiel die Gletscherseen, die für die Kogi die Körperöffnungen Ihrer Mutter sind. Dort hinauf kommen nicht einmal alle Kogi, um diese Plätze zu schützen.

Heilige Plätze sind ausschließlich da, um auf ihnen Rituale zur Wiederherstellung des Gleichgewichtes abzuhalten. Sie sind keine Ausflugsziele, sie sollen nicht fotografiert werden. Nur ein bestimmter Máma hat jeweils Zugang, er ist der Hüter dieses Platzes. Er kennt die richtigen Rituale, er weiß, was an diesem Platz möglich ist. Andere Mámas kommen in der Regel nicht hierher, die normalen Kogi-Indianer zumeist nie. Der Platz verliert seine Kraft, wenn auf ihm herumgetrampelt wird.

Diese Rituale werden pagamiento genannt. Übersetzt heißt dies so viel wie Bezahlung. Es wird allerdings nicht bezahlt für etwas, sondern es geht darum, das anzuerkennen, was ist. Es geht darum, dankbar zu sein, für das, was im Moment da ist. Ziel ist nicht wie in einem Gebet für etwas zu bitten, was Gott uns bitte geben solle. Ein pagamiento ist der Dank an Gott für seine Schöpfung verbunden mit guten Gedanken. Hin und wieder werden auch besondere Steine an diesem Platz mit etwas Baumwolle benutzt und versteckt.

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Gute, schöne Gedanken

Máma José Gabriel hörte nicht auf zu betonen, dass das wichtigste, was wir lernen müssten sei, gute, schöne Gedanken zu haben. Für die Kogi geht es nicht darum, die Welt zu verändern und umzugestalten. Sie arbeiten mit guten Gedanken und teilen diese mit uns. Die Welt entstand damals, als es nur Wasser und Dunkelheit gab, aus den Gedanken der Muttergöttin. Alles, was ist, entstand aus Gedanken, jeder Stein, jede Pflanze, jedes Lebewesen.

Alles ist Gedanke. Und Gedanken können nie vergehen. Sie leben für immer.

Wenn wir sterben, überleben unsere Gedanken und unsere Kinder und Enkel leben sie weiter – im Guten wie in Schlechten. Für negative Gedanken werden wir oder unsere Nachkommen eines Tages bezahlen müssen. Gute Gedanken führen uns zu einer besseren Welt und werden irgendwann auch belohnt.

Bei den Vorträgen wies ich an dieser Stelle regelmäßig darauf hin, dass wir „Weltverbesserer“ uns viel zu wichtig nehmen. Wir meinen, wir müssten all das, was bekanntermaßen negativ ist, bekämpfen, die Welt retten, aktiv sein. Erste Erfolge wollen wir schnell sehen, möglichst bald sollen auch die anders Denkenden begriffen haben, dass wir so nicht weiter machen können. Die Kogi sind da geduldiger, sie haben Zeit. Sie kämpfen nicht gegen etwas, was sowieso da ist. Wenn Gott gewollte hätte, dass es keine Kernkraftwerke gibt, hätte er keine erschaffen. Sie gehören zu unserem Weg, es macht keinen Sinn, das, was ist, anzuzweifeln. Die Kogi beschränken sich auf gute, schöne Gedanken, die sie gerne mit anderen teilen. Diese Gedanken werden langfristig die Welt verändern. Vielleicht nicht in diesem Leben, aber irgendwann. Wenn unsere Enkel und Urenkel den Wandel erleben, ist das gut so.

Gute, fokussierte Gedanken gehören zu einem Pagamiento an einer heiligen Stätte. Man könnte diese Gedanken als eine Art Meditation, als eine Verbindung mit der Schöpfung, bezeichnen. Was aber genau im Geist eines Mámas geschieht, der 20 Jahre lang ausgebildet wurde, sich mit den Dingen auf einer anderen Ebene zu verbinden, ist weder verstehbar für uns noch beschreibbar.

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Heilige Stätten bei uns

Heilige Stätten gibt es auf der ganzen Welt. Sie bilden ein Netzwerk, in dem alle Knoten miteinander verbunden sind. Plätze in der Sierra Nevada haben ein Äquivalent bei uns. Wenn Máma José den Ammersee oder die Externsteine oder den Wannsee besucht, spürt er in sich hinein und nennt uns dann den entsprechenden Platz in der Sierra, mit dem z.B. der Ammersee korrespondiert. Nur – sie korrespondieren gerade nicht mehr. Unsere heiligen Stätten antworten nicht mehr, wenn die Kogi ihre Rituale begehen. Wir haben sie entweiht. Am Ammersee spürte Máma Josè Gabriel drei Krankheiten des Sees, verursacht durch die Bebauung, die Boote auf dem See und durch die Besucher. Andere Plätze werden entweiht, weil wir Ausflugsziele aus ihnen machen wie die Externsteine oder der Drachenfels. Gerne nehmen wir von diesen Plätzen Andenken wie Steine mit, ein absoluter Frevel in den Augen der Kogi. Genauso werden heilige Stätten aber auch entweiht durch Gruppen von „Esoterikern“, die dort Rituale abhalten, tanzen, feiern und die Plätze entweihen. Diese Stätten sollen allein und in Ruhe gelassen werden, nur ein Hüter hat jeweils Zugang.

Die Ursache von Krankheiten

All unsere Probleme und Krankheiten sind für die Kogi Symptome der Krankheit unserer Erde, sie sind verursacht durch die Zerstörung der heiligen Stätten. Dies ist nicht bildlich gemeint, dass wir einen anderen Umgang mit der Natur pflegen sollten, es ist wörtlich zu verstehen. Gebt die heiligen Plätze zurück an die Natur. Reißt die Gebäude ab. Versucht herauszufinden, wofür der jeweilige Platz gut ist. Dies alles aber wiederum nicht jetzt und sofort, denn das würde nur über Kampf und Aktionismus funktionieren. Ändert Eure Art des Denkens, das allen genügt. Dann werden irgendwann viele Menschen so denken wie Ihr und die Veränderung geschieht ganz von allein.

Dieses Denken setzt voraus, keine Angst vor dem Tod und der eigenen Vergänglichkeit zu haben. Es setzt voraus, dass wir die Gemeinschaft und die Natur für wichtiger nehmen als unser Ego. Und damit sind wir beim Kern dessen, wie die Kogi heilen. Sie doktern nicht an Symptomen herum, sie arbeiten an der Basis. Das dauert länger, ist aber auch nachhaltiger. Natürlich beherrschen Sie auch die Kunst der individuellen Heilung. Diese besteht in einer geistigen Arbeit, die nicht beschreibbar ist. Der Máma verbindet sich mit Aluna, der Quelle, und erhält Informationen und Handlungsanweisungen. Die gibt er entweder weiter oder setzt sie energetisch um.

 

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Copyright: Oliver Driver

Kaffee zur Rettung der Erde

Damit nun die Kogi wieder Zugriff auf ihre heiligen Stätten haben, hat ihnen der Gott der Bäume die Kaffeepflanze geschenkt. Es dürfte kaum einen Kaffee geben, der diese Qualität verbindet mit traditionellem organischem Anbau, nachhaltiger Bewirtschaftung des Waldes und der wichtigen Botschaft eines weisen Volkes. Jedes Paket der gerösteten Bohnen erinnert daran, dass es da 1600 Familien in der Sierra Nevada gibt, die sich um die Erde sorgen und in den Urwäldern der Berge Kaffee anbauen, pflegen und ernten. Sie kümmern sich um Kaffeebäume, die mitten im Wald zwischen Avocado-, Papaya- und Mangobäumen, zwischen Bananenstauden und allen anderen dort üblichen Pflanzen wachsen. Im Gegensatz zu den Sträuchern, die wir in der Werbung für Filterkaffee sehen, ist Kaffee natürlicherweise eher ein Baum, der einige Meter hoch wächst. Gerade die alten Bäume sind für die Kogi enorm wichtig. Sie sind die Ahnen aller jüngeren Kaffeepflanzen, sie sind Schutzherren, ihnen gilt besonderer Respekt. Ihnen bringt man Opfer dar.

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Mit den Einnahmen aus dem Kaffeeverkauf kaufen sie ihre heiligen Stätten zurück und finanzieren die Reisen zu uns und in die ganze Welt, um uns um Unterstützung bei der Heilung der Erde zu bitten. In Deutschland wird der Kaffee von Oliver Driver und seiner Urwaldkaffee GmbH in Partnerschaft mit den Kogi angeboten.

Aktuell wird die Finanzierung über ein Crowdfunding auf www.startnext.de/cafe-kogi auf solide Beine gestellt. Dort kann schon jetzt Kaffee bestellt werden, der dann ab Anfang März 2015 an die Besteller verschickt wird.

(c) Oliver Driver

Die HORIZONWORLD-Redaktion bedankt sich herzlich für den außergewöhnlichen und ausführlichen Bericht!

driver-oliverOliver Driver ist Wandler zwischen den Welten. Er begann als Bauingenieur und Führungskraft, wechselte nach 18 Jahren in die Organisationsentwicklung und Coaching, arbeitet als Schamane und ist Autor zahlreicher Bücher.

Zuletzt erschienen ist sein Leadership-Buch „Das Cappuccino-Prinzip – Das Geheimnis beruflichen Erfolgs“. Er beschäftigt sich mit Tiefenökologie, Prozessen für nachhaltigen Wandel, indigenem Wissen, Schamanismus und Kaffee.


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