PayPal-Gründer Peter Thiel unterstützt als Gründer und Investor ein Projekt, um eine unabhängige Nation zu erschaffen, die auf internationalen Gewässern schwimmt und innerhalb ihrer eigenen Gesetze operiert. Die weltweit erste schwimmende Stadt soll 2020 vor der Insel Tahiti im Pazifischen Ozean entstehen.

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Utopie eines eigenen Staats

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Langfristig will Seasteading nicht nur eine Stadt, sondern sogar neue eigenständige Staaten – bestehend aus schwimmenden Großstädten mit hunderttausenden Einwohnern – aus der Taufe heben. Dazu sollen auf riesigen zusammengekoppelten Pontons mehrstöckige Gebäude entstehen.

Seesteaders bringen eine Startup-Sensibilität für das Problem von Regierungsmonopolen mit sich, die nicht ausreichend innovativ sind. Veraltete politische Systeme, die in früheren Jahrhunderten konzipiert wurden, sind schlecht ausgestattet, um die enormen Möglichkeiten der Innovation im 21. Jahrhundert freizusetzen. Seasteaders stellen sich einen dynamischen Startup-Sektor für die Führungsstruktur vor. Viele kleine Gruppen testen innovative Ideen, während sie im Wettbewerb stehen, um den Bedürfnissen ihrer Bewohner besser gerecht zu werden.

Die schwimmende Stadt würde ein Umfeld erschaffen, das zu Innovationen und neuen Regierungsformen anregt, anstatt der heutigen „Monopole“. Sie wird den Leuten die Freiheit ermöglichen, die Regierung zu wählen, die sie wirklich wollen, anstatt sich mit der Regierung abfinden zu müssen, die sie bekommen.

Um diese Utopie zu verwirklichen, müssen die Städte in internationalen Gewässern – also außerhalb der von den verschiedenen Nationen beanspruchten Gebiete – schwimmen. Denn laut einer UN-Vereinbarung unterliegt die hohe See (d.h. 200 Seemeilen oder 370 km von der Küste entfernt) keinen Gesetzen, außer denen des Staates, unter dessen Flagge ein Schiff fährt.

Die Idee wird ernst genommen, da mit dem PayPal-Mitgründer Peter Thiel ein Investor mit großer Brieftasche und gleichermaßen großem Herzen für gesellschaftliche Utopien das Projekt unterstützt.

Tahiti: Schutz vor ansteigendem Meeresspiegel

Die Inselgruppe mitten im Pazifik, auf halbem Weg zwischen Australien und Südamerika, gehört zwar zu Frankreich, verwaltet sich aber weitgehend selbst. Und sie hat entschieden, dass die schwimmende Stadt eine Lösung im Kampf gegen die Folgen des Klimawandels sein könnte. Viele bebaute Flächen in der Region, nicht nur auf der bekanntesten Insel Tahiti, sind durch den steigenden Meeresspiegel akut bedroht. Auf Tahiti etwa liegen dicht bebaute Flächen nur knapp über dem Meeresspiegel.

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Das radikale Projekt wird durch das Seasteading Institute umgesetzt, eine Non-Profit-Organisation mit einem vielfältigen, globalen Team an Meeresbiologen, Seefahrtingenieuren, Aquakultur-Farmern, Anwälten für Seerecht, medizinischen Forschern, Sicherheitspersonal, Investoren, Umweltschützern und Künstlern.

Laut eines Machbarkeitsberichtes durch die holländische Ingenieurgesellschaft Deltasync, soll die erste Stadt auf einem Netzwerk aus 11 rechteckigen und fünfseitigen Plattformen gebaut werden, damit sie entsprechend der Bedürfnisse ihrer Bewohner neu angeordnet werden können wie ein schwimmendes Puzzle. Die Stadt auf See sieht aus, wie eine richtige Stadt: Es gibt Hotels und Restaurants, Wohnungen und Büros. Ärzte, Bäcker und eine Apotheke. Es gibt alles, was es in einer Stadt geben muss – getragen von gewaltigen Pontons.

Die landnahe Umsetzung in Französisch-Polynesien hat für das Seasteading Insititute den Vorteil, dass es wenig Seegang gibt und die künstliche Insel leicht zu erreichen ist.

Animation einer schwimmenden Stadt auf YouTube

 
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Die Non-Profit-Organisation hofft, bis 2020 um die 60 Millionen Dollar [ca. 50 Millionen Euro] aufzubringen, um Dutzende Gebäude zu errichten. Die erste Insel wird durch das Anbieten einer Münze gefördert, ein neues Konzept, das in Silicon Valley an Popularität gewinnt, dessen Geld durch Erschaffung und Verkauf einer virtuellen Währung „crowdsourced“ ist.

Gegründet wurde das Seasteading Institute 2008 von dem Aktivisten, Softwareingenieur und politischen Wirtschaftstheoretiker Patri Friedman, dem Enkel des Nobelpreisträgers Milton Friedman, und dem Technologieunternehmer, Investor, Philanthropen und PayPal Gründer Peter Thiel.

Internationales Gewässer: Die aktuelle Rechtslage

Der völkerrechtliche Staatsbegriff bezieht sich eindeutig auf Festland. Er schließe alle Inseln ein, freischwimmende Konstruktionen jedoch nicht. Auf Schiffen in internationalen Gewässern gilt die Rechtsprechung des Landes, unter dessen Flagge sie unterwegs sind. Eine schwimmende Großstadt könnte also tatsächlich in internationalen Gewässern liegen. Diese beginnen in der Regel ab einer Entfernung von 200 Seemeilen vom Festland. Doch ist es wohl nur eine Frage der Zeit, wann der bisherige völkerrechtliche Staatsbegriff um freischwimmende Städte erweitert werden wird, sollte das Seasteading Institute seine Vision tatsächlich auf offener See zum Leben erwecken können.

 

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Quellen:

https://www.seasteading.org/floating-city-project/

https://segelreporter.com/panorama/seasteading-waterworld-wird-real/

http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/schwimmende-staedte-zuhause-auf-dem-ozean-a-1130964.html

https://www.anlegen-in-immobilien.de/erste-schwimmende-stadt-wird-im-suedpazifik-gebaut/

https://www.seasteading.org/tahiti-seasteading-gathering-2017/

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