Raunächte, Silvester, Heilige drei Könige und Lichtmess bewusst wahrnehmen und mit Räucherdüften die jahreszeitlichen Energien nutzen, um die inneren Seelenkräfte zu stärken. Das Räuchern von heimischen Pflanzen und Harzen

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zeigt sich derzeit sehr „im Trend“. Jahrhundertelang fast vergessen, erinnern sich immer mehr Menschen daran, was früher, hauptsächlich im Winter, im Alltag fest integriert war.

Die Raunächte

Mit duftenden Kräutern und Harzen haben unsere Vorfahren Wohnräume und Ställe von dunklem Mief befreit, krankmachende Keime wirkungsvoll vertrieben und die Seele mit den an Sommer erinnernden Duft erfreut. Hauptsächlich die Raunächte zwischen dem 12. Dezember und dem 06. Januar war früher die „Räucher-Hochzeit“. Magisch-mystisches rankt sich um die heiligen 12 Nächte. Wir erleben sie als eine Art Zwischenzeit, das Rad des Jahres scheint still zu stehen. Jetzt können wir in innere Ruheräume abgleiten. Wir verbinden Vergangenes und Zukünftiges in der Gegenwart. Die Zeit des Reflektierens und Visionierens ist jetzt.

Alles Störende und Belastende, das noch zum alten Jahr gehörte, wurde früher mit dem Rauch einer intensiven Hausräucherung vertrieben. Umgangssprachlich sollten die Geistern und Dämonen des Winters mit dem Räuchern vertrieben werden. Tatsächlich waren es oft die Ängste vor Kälte, Hunger und Krankheit. Unsere Ängste sind vielleicht vielfältiger und manchmal weniger existentiell. Spürbar sind sie jedoch als dichte, schwere Energien sowohl körperlich wie auch in einem Raum. Deswegen greifen viele Menschen heute den alten Brauch der Hausräucherung in den Raunächten wieder auf.

Eine Kohle wird entzündet und feines Räucherwerk wie Beifuß, Wermut, Wacholder, Lavendel, Rosmarin, Weihrauch, Fichtenharz, sogar Kampfer wird aufgelegt. Die Räume werden im Uhrzeigersinn mit der Räucherschale und einer Feder durchlaufen. Der duftende Rauch sorgt nach dem Lüften für eine klare, gereinigte und frische Atmosphäre im Raum.

Übergangsritual an Silvester

Am letzten Tag des Jahres mit Gästen am offenen Feuer oder um einen Räucherkelch, aus dem feine Rauchkringel aufsteigen, zu sitzen, ist ein schöner Silvesterbrauch. Das, was wir im alten Jahr auf einer persönlichen Ebene zurücklassen wollen, was uns bekümmert und belastet hat, wird auf kleine Zettel geschrieben und im Feuer verbrannt.

Sichtbar löst sich vor unseren Augen auf, was wir loslassen wollen. Wir beobachten den Übergang in Asche und Rauch. Die Seele kann so auf einer inneren Ebene nachvollziehen, was im Außen verabschiedet wird. Begleitet von Räucherdüften wie Salbei, Lavendel und Weihrauch erreicht uns dieses Ritual auch auf einer tiefen Gefühlsebene. Denn die Düfte nehmen einen direkten Weg von unserer Nase in den ältesten Teil des Gehirns, dem limbischen System, Sitz von  Gefühlen, Stimmungen und Erinnerungen.

So unbelastet und gereinigt kann das Neue Jahr freudig begrüßt werden. Mit einer Danke-und Segensräucherung begrüßen wir den 01. Januar und bedenken die Menschen, die uns am Herz liegen, mit unseren Segenswünschen.

Der 06. Januar – Der Schritt ins Neue Jahr

Der Feiertag Heilige Drei Könige kennzeichnet das Ende der Raunächte. Im christlichen Weltbild haben die Heiligen Drei Könige dafür gesorgt, dass sich die Kunde der Geburt Christi, des Lichtbringers, verbreitet.

Im keltischen Weltbild zeigte sich das Licht, das an Wintersonnwende, dem 21. Dezember, geboren wurde, zu diesem Zeitpunkt als wieder größer werdender Sonnenbogen. Die Schicksalsgöttinnen, auch die drei Bethen oder Nornen genannt, waren in den zu Ende gehenden Heiligen Nächten kraftvolle Frauengestalten. Sie haben in den Raunächten die Zukunft gesponnen und verabschieden sich jetzt wieder. Mit einer Weihrauch-Myrrhe-Räucherung gestalten wir den Auftakt ins Neue Jahr sehr bewusst und verbinden die männlichen Elemente aus dem christlichen Weltbild mit den weiblichen aus dem Keltischen:

Weihrauch verkörpert das Männliche, Verstand, Geist und Himmel.
Myrrhe steht für alles Weibliche, Gefühl, Körper, Erde.

Mit dieser Räucher-Symbolik würdigen wir sowohl die männlichen wie auch die weiblichen Anteile in uns und können auch nochmal unserer weiblichen und männlichen Ahnenlinie danken für alles, was sie uns an Kraft, Weisheit und Stärke mitgegeben haben.

Lichtmess, 02. Februar  – aus dem Bauch heraus in die Welt hinein

Mit dem 02. Februar, als Lichtmess oder Imbolc bezeichnet, beginnt eine Zeit des Übergangs. Die Erde erwacht aus ihrem Tiefschlaf, die Sonnenstrahlen werden wärmer und wir spüren Tatendrang und Umsetzungskraft in uns. Innere Zweifel und Befürchtungen sind vielleicht noch da, sie blockieren jedoch nicht mehr. Voller Zuversicht möchte auch unser inneres Licht jetzt ins Außen dringen. Jetzt ist nochmal eine ideale Zeit, um die letzten Grauschleier des Winters mit einer Hausräucherung zu vertreiben. Das eigene Licht begrüßen wir mit Düften wie Mastix, Goldcopal, Lindenblüten, Johanniskraut und Alant.

Auf einer persönlichen Ebene können wir diese jahreszeitliche Energie jetzt nutzen, um ganz konkrete Pläne und Vorhaben zu formulieren. Eine möglichst konkrete Beschreibung macht es leichter, in die Umsetzung zu kommen und die Vorhaben zu realisieren.

(c) Christine Fuchs
Der Artikel erscheint im Magazin WEGE – das Magazin zum Leben

 

christine Fuchs

(c) Foto: www.labdanum.de


Christine Fuchs
betreibt in Deutschland eine Räuchermanufaktur. Sie führt Räucherkurse in Deutschland und Österreich (Wien, Linz, Salzburg, Graz) durch. Mehr Informationen, den Onlineshop und Termine finden Sie unter www.labdanum.de

 

Quelle:
www.wege.at
www.labdanum.de

 

Buchtipp der Redaktion:

 

buch_räuchernRäuchern in Winterzeit und Raunächten
ISBN 9783440133286
Fuchs, Christine
Verlag Kosmos

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