Depression. Eine berührende Dokumentation mit dem treffenden Titel „Schattenzeit“ ist bereits mit dem Prädikat „besonders wertvoll“ ausgezeichnet worden. Der Film begleitet die Protagonisten Mona, Olaf und Maria

Weiterlesen
zwei Jahre lang in der Berliner Charité bei Ihrer Suche nach einem Weg aus der Depression.

Hier der Trailer zum Film:

 

Olaf, ein Baum von einem Mann mit Ohrringen und Glatze, war Boxer und arbeitete auf Montage. Man denkt spontan, diesen Kerl kann so schnell nichts umhauen. Doch ein schwerer Unfall holt ihn urplötzlich aus seinem gewohnten Leben. Fast ein Jahr lang hing ein Seil an Olafs Schlafzimmer- decke, das seine Ehefrau nicht abnehmen durfte, bis er sich schließlich in Behandlung begab. Die junge Studentin Maria fühlte sich von der Welt überfordert und merkte eines Tages, dass sie nicht mal mehr drei Worte in einem Buch lesen konnte. Nach einem Jahr Traurigkeit ging sie gegen den Willen ihrer Familie in die Berliner Charité. Mona, eine Krankenschwester, leidet an der schwersten Form der Depression. Nach vielen Besuchen der Klinik, in der auch Medikamente und Elektroschock- therapien nicht mehr helfen, entschließt sie sich zu einer operativen Tiefenstimulation des Gehirns.

In erstaunlich offenen Gesprächen erzählen die drei Betroffenen von ihren Suizidgedanken und ihrer Suche nach einem Weg aus dieser Traurigkeit und dem Gefühl der Leere. Die besondere Qualität des Films ist, dass das Gesagte nicht kommentiert wird und unbewertet bleibt. Die Farben des Films sind gedämpft und kontrastarm, die Musik sehr reduziert eingesetzt – so, wie ein depressiv Leidender seine Umwelt vermutlich wahrnimmt.

Über die Dreharbeiten

Insgesamt vier Jahre hat der Regisseur Gregor Theus am Film gearbeitet – eine Abschlussarbeit seines Regiestudiums. Er selbst, ein sehr fröhlicher, offener Kumpeltyp, gerade mal 30 Jahre alt, war nie betroffen von Depression. Vor vier Jahren erfuhr er, dass EKT (Elektrokrampftherapie) noch heute angewendet wird. Theus kannte diese nur als „Elektroschocks“ aus „Einer flog über das Kuckucksnest“ mit Jack Nicholson und war entsetzt. Im Laufe seiner einjährigen Recherche in der Berliner Charité wurde ihm jedoch klar, wie sehr die EKT den Betroffenen hilft. So entschied er sich, diese Menschen selbst zu portraitieren.

Da seine Protagonisten krank waren und teilweise während der Drehzeit immer wieder von dem Projekt abspringen wollten, stand die Vollendung des Filmes mehrmals auf der Kippe. Doch mit Respekt und Geduld kommunizierte er über Handzeichen mit den Protagonisten, mit denen sie jederzeit anzeigen konnten, wenn nicht gefilmt werden sollte.

Theus betonte, dass jeder Mensch zu jedem Zeitpunkt seines Lebens an einer Depression erkranken kann. Sich aus Scham darüber nicht in eine Behandlung zu begeben ist grundlegend falsch, denn je früher dies geschieht, desto schneller und besser kann geholfen werden.

Mirja Fürst

 

dvd_schattenzeitSchattenzeit
DVD-Video
ISBN 4042564055450
Verlag Alive,mindjazz pictures

Hier bestellen
.
Der Artikel  „Das Schatten-Prinzip“ ergänzt und vertieft das Thema!
.
Mehr Filme gibt es hier.

Teile den Bericht, wenn er Dir gefallen hat.

Auf Facebook teilen Twitter Jetzt abonnieren 
Das hilft diese Themen zu verbreiten. Vielleicht bist Du das  "Zünglein an der Waage"

Kommentare