DVD Unendlich Jetzt DVD Unendlich Jetzt

Roman Pachernegg & Jasmine Wagner
Was macht Zeit mit uns? Wie kann ich in den Moment - in das JETZT - kommen und mich selbst wiederfinden? Der Film gibt die Antworten darauf. Zahlreiche Experten kommen zu Wort - und die Bilder sprechen ihre eigene und ganz besondere Sprache!
Was ist Unendlichkeit? Wann fängt das berühmte Jetzt an? Hört die Unendlichkeit auf, wenn es ein Jetzt gibt? Wie definiere ich Zeit? Und warum haben wir alle so wenig davon?
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Philosophisch und gleichermaßen existentielle Fragestellungen, auf die der neue Film von Roman Pachernegg (Wir kennen ihn von „Das Glück der Anderen“) viele und vielschichtige Antworten weiß. Allerdings ist die Herangehensweise eine völlig andere, wie man es sich vorstellen mag. Experten und Lebenskünstler, Mystiker und Wissenschaftler, Gelehrte und Lernende (Eugen Drewermann, Don Augustin Rivas, Der 14. Dalai Lama, Max Moser und viele mehr) – ja, sie alle erzählen über ihre Sicht der Zeit und des Eintauchens in das Jetzt.

Doch die Entstehung des Films hat noch eine ganz besondere Geschichte im Gepäck!

Hierüber erzählt uns nun der Regisseur Roman Pachernegg selbst in unserem Interview:

Wie kam es zu der Idee, für den Dreh des Films nur die Intuition walten zu lassen? War das die Kernidee oder kam der Impuls erst später?

Die erste Idee zu einem Film über Zeit kam mir bei einem Interview von Hartmut Rosa, wo es um die Rastlosigkeit und permanente Beschleunigung unserer Gesellschaft ging. Es dauerte dann aber fast zwei Jahre, bis ich ein Gespür dafür bekam, wie ich mich diesem Thema annähern möchte.

Dieser Impuls kam bei einer Peru-Reise in einem schamanischen Camp, wo ich u.a. durch die Teilnahme an diversen Zeremonien in eine Atmosphäre und Dimension der Zeitlosigkeit eintauchen konnte. Das war für mich der Auslöser, um dem Film den Titel UNENDLICH JETZT zu geben – also eine persönliche Erfahrung. Dass wir, meine Lebensgefährtin Jasmine Wagner und ich, den Film dann intuitiv aufbauen wollten, war eigentlich die Voraussetzung, um filmisch authentisch zu bleiben;  weil wir keine Rezepte anbieten, sondern uns selbst auf dieses Experiment einlassen wollten. Also zu schauen, wie weit und wohin wir kommen, wenn wir unser eigenes Tempo gehen und uns von gewohnten Zeitstrukturen lösen.

Braucht man nicht ein Ziel, wenn man Regie führt? Oder müssen wir „Ziel“ neu definieren?

Als Regisseur des Films hatte ich das Ziel, am Ende einen fertigen Film in Händen zu haben. Wie dieser Film aussehen wird, wollte ich offenlassen, obwohl ich eine gewisse Stimmung in mir getragen habe, der ich natürlich Ausdruck verliehen habe. In diesem Fall war es angenehm, ohne fixes Ziel zu arbeiten, weil daraus auch eine ganz neue Zeitqualität entsteht.

Andererseits ist es nicht immer leicht sich von etwas leiten zu lassen, dass ich innere Stimme oder inneres Gefühl nennen würde  – und zwar insofern, weil es so ungewohnt ist, auf etwas zu vertrauen, dass sich jeglicher Kontrolle entzieht und höchst individuell ist.

Damit lösen sich alle Haltegriffe und mögliche Rezepte auf und es bleibt „nur“ noch das Vertrauen in den eigenen Weg. Um „Ziele“ neu zu definieren bedarf es meiner Erfahrung nach eine Art Hingabe an die eine besondere Richtung, in die man sich bewegen möchte. Aber was dann auf diesem Weg passiert, bleibt offen und sollte nicht in ein vorgebautes gedankliches Zwangskorsett gesteckt werden. Was nämlich dann passiert, ist vor allem, dass all das Lebendige, das Freudvolle, das Spontane keinen Platz mehr findet und man blind wird für die kleinen und großen Wunder, die einem im Lauf des Weges begegnen.

 

Die Bereitschaft sich auf einen Weg einzulassen,
ohne zu wissen was am Ende dabei herauskommt –
das wäre für mich eine Neudefinition von „Ziel“.
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Was war in der Vorgehensweise und im Ergebnis der größte Unterschied im Vergleich zu anderen Filmen?

Das kann ich schwer beurteilen  – aber im Endeffekt war es wahrscheinlich der authentische Zugang, den wir uns bewahrt haben. Wir haben uns nicht von Förderstellen oder anderen Produktionsfirmen verbiegen lassen, um evtl. kommerziell erfolgreicher zu werden oder jemanden nach dem Mund zu reden. Es gab sogar Phasen, wo ich froh war, als wieder eine Förderung (mangels, Zitat: „Nachvollziehbarkeit des Filmkonzepts“) abgelehnt wurde, weil ich dann wußte, OK,  jetzt können wir noch genauer das machen, was wir machen wollen.

Wir wollten einen Film machen, der uns durch seine Machart auch selbst verändert – und vor allem durch den Umgang mit Zeit ist uns das auch gelungen. D.h. es ist auch jetzt nach Fertigstellung des Films so, dass uns viele Inhalte weiter beschäftigen, und wir versuchen diese Inhalte in unser Leben zu integrieren.

Hat dieses Erlebnis, einen Film intuitiv zu drehen (und das auch auszuhalten), Auswirkungen auf das persönliche Leben, den Alltag?

Natürlich war vor allem mein Leben in dieser Zeit weitgehend auf die Arbeit an diesem Film ausgerichtet. D.h. ich war zumindest mental immer mit dem Thema verbunden, und selbst bei Spaziergängen hatte ich eine kleine Filmkamera dabei, um gewisse besondere Momente – die uns ja wenn wir genau schauen, immer umgeben – einzufangen.

Es gab dann natürlich auch Phasen des kreativen und produktiven Stillstands, und die waren besonders schwer auszuhalten, weil ich wenig finanzielle Absicherung hatte und die Arbeit an so einem Projekt natürlich viele Kapazitäten in Anspruch nimmt. Interessanterweise hat sich der Film aber in gewisser Weise auch selbst durchgetragen, und zwar insofern dass gerade in schwierigen Momenten wir schon so viele inspirierende Aussagen zu diesem Thema hatten, dass wir daraus Mut und Vertrauen schöpfen konnten, weiterzumachen.

Die Auswirkungen auf unseren Alltag waren und sind vor allem, dass wir seitdem viel genauer darauf achten, wann sich welche Dinge stimmig anfühlen. Es lösen sich somit gewisse alte Strukturen auf (z.B.  jene der geregelten Arbeitszeiten) und stattdessen gibt es jetzt so etwas wie das Gespür für den richtigen Augenblick, wenn es darum geht, gewisse Dinge zu erledigen oder eben auch nicht. Ich würde also zusammenfassend sagen, die Arbeit an diesem Film hat unsere Sensibilität für innere Zeitqualitäten enorm gesteigert, was gleichzeitig heißt, dass es diese nun auch permanent zu respektieren und zu überprüfen gilt. Das Leben ist unberechenbarer, intensiver und weicher geworden.

 

Jeder Moment ist ein Repräsentant
für die Ewigkeit!
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Was ist Ihr persönlicher Wunsch für die Zukunft der Menschen, der Gesellschaft?

Ich wünsche mir vor allem, dass jeder einzelne Mensch wieder beginnt, seiner Intuition zu vertrauen bzw. diese auch wahrzunehmen. Je mehr wir wieder zu spüren beginnen, wie kostbar und begrenzt unsere eigene Lebenszeit ist, umso achtsamer und sorgsamer werden wir mit uns selbst, unseren Mitmenschen und unserer Umwelt umgehen.

Es bedürfe einer kompletten Umkehrung der bisherigen Verhältnisse, wo die Lebenszeit von Menschen an die Arbeitszeit angepasst wird – unter der einzigen Prämisse der Kapitalvermehrung. Wir befinden uns in einer Zeit des Zweckrationalisums und vergessen dabei, dass Menschsein soviel mehr bedeutet als jeden Tag zur Arbeit gehen zu dürfen oder zu müssen, um sich dann Dinge kaufen zu können, die man oft nur braucht, um das Leeregefühl der Existenz zu aufzufüllen.
Seit der Geburt meiner Tochter vor knapp zwei Jahren, verbringe ich sehr viel Zeit mit ihr (entgegen aller wirtschaftlichen Logik) und bin dabei weder in Karenz noch in einer beruflichen Auszeit, sondern habe einzig versucht, mein Arbeitspensum an die neue familiäre Situation anzupassen. Ich weiß oft nicht, wie und warum das funktioniert, aber wenn wir authentisch nach unseren Überzeugungen und Idealen leben und handeln, wird uns auch nichts Schlimmes zustoßen, sondern im Gegenteil werden wir beginnen das Leben von einer ganz anderen Warte zu betrachten.

 

Wir sind nicht dazu da, um uns gegenseitig zu versklaven,
sondern um unsere Potentiale zu entfalten und
das in die Welt zu bringen,
was uns in der Seele brennt und am Herzen liegt.
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(c) Das Interview führte Birgit Matz.

 

♥ Ein ganz herzliches „Dankeschön“ an der Regisseur für seine persönlichen Worte, Gedanken und Visionen!

 

Ein Blick in der Film mit dem offiziellen Trailer:
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Das sagt die HORIZONWORLD-Redaktion:

Es ist, als ob der Film „Unendlich Jetzt“ das eigene Zeitgefühl anhält – auf eine Weise „drucheinanderbringt“ –  und nicht nur während der Dauer des Films sondern auch noch ein ganzes Weilchen danach. Denn wir erkennen uns selbst darin, wie wir durch unseren Alltag hetzen und rennen und der so genannten Zeit hinterherlaufen. Wie gut dressierte Hunde – aber nicht wie Menschen mit Herz und Blut, die Gefühle haben, eine innere Stimme und Weisheit – und ein Bedürfnis, einfach mal ruhig zu werden. Nichts zu tun.

Stimmungsvolle und stille Bilder, ein tiefes Aufatmen und ein noch tieferes Nachdenken – all das schenkt uns der Film von Roman Pachernegg!

 

Mehr Informationen zum Film hier: www.unendlichjetzt.at

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