Europäische Spirituelle Meister Europäische Spirituelle Meister

Kostbare Dialoge mit 14 europäischen Meistern über Sri Ramana Maharshis Lehre 'Wer bin Ich?'. Der Film zeigt die Lebendigkeit und Präsenz freier Menschen!
Premananda
Das folgendes Szenario mag man sich nicht einmal im Traum vorstellen: Eine Mutter vernachlässigt ihr krankes und minderjähriges Kind. Überlässt es seinem Schicksal selbst, nur weil sie unter dem Einfluss eines
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selbst ernannten Gurussteht. Es ist kein Alptraum, sondern Realität.

Es geschah vor 15 Jahren, das damals 12-jährige Kind leidet an Mukoviszidose. Der Junge zog mit seinen zwei Geschwistern nach Lonnerstadt zum Anführer einer selbst ernannten Sekte namens „Neue Gruppe der Weltdiener“. Er ist der neue Lebensgefährte seiner Mutter – und sie folgt ihm aufs Wort, schließlich ist er ja der „Heilsbringer“.

Doch diese Erkrankung ist kein Honigschlecken: Mukoviszidose ist eine unheilbare Stoffwechselerkrankung, bei der die Funktion der Sekrete produzierender Drüsen gestört ist. Tägliche Medikamente, eine strikte Ernährungsform und auch Körpertherapien sind notwendig, damit eine Grippe nicht zur Lebensgefahr wird. Es kommt zum „worst case“: Der „Lehrer der zeitlosen Weisheit“ verweigert die richtige Nahrung und überlasst es dem Zwölfjährigen selbst, ob es seine Medikamente nimmt oder nicht. Er rät ernsthaft zur Ausübung von Meditation als Heilungsweg.

Jetzt erhielten beide vom Landgericht Nürnberg-Fürth ein handfestes Urteil: Drei Jahre Haft wegen der Misshandlung von Schutzbefohlenen. In Anbetracht der „Tat“ eine allzu milde Strafe. Dazu kam es überhaupt, weil der inzwischen 27-Jährige seine „esoterisch angehauchte“ Mutter und ihren damaligen Partner angezeigt hatte. Dazu kam es schließlich auch, weil er diese Situation durch eine Flucht im Alter von 15 zu seinem leiblichen Vater überlebte – und er schließlich 2012 eine Fernsehdokumentation über diese äußerst merkwürdige Sekte gesehen hatte. Mutig und wichtig zugleich! Nicht nur für ihm selbst. Ein jugendliches Kind braucht die Pflege und Sorgfalt einer Betreuungsperson. Auch wenn es mal bockig ist… doch liegt ja hier der Hase wo ganz anders begraben.

Esoterik ist ein dehnbarer Begriff, der oft missbraucht wird. Ursprünglich bezeichnet es eine philosophische Lehre, die nur einem inneren Kreis von Personen zugänglich ist. Heute denken viele bei dem Wort an Räucherstäbchen, Kristallkugeln, Channelings, Gurus und manchmal sogar an dicke Buddhas oder Hindugottheiten im Yogastudio. Es ist keine Religion, dennoch spielen auch die Religionen mit vielen ähnlichen Attributen, um ihre Schäfchen im Trockenen zu halten. Und vielleicht ist es für viele einfach nur Religionsersatz, weil sie eben von der „klassischen Religion“ die Nase voll haben.

Was dabei eine entscheidende Rolle spielt: Der Mensch sucht früh oder später nach dem Sinn seines Lebens und Sterbens, er sucht nach den geheimen oder offensichtlichen Gesetzmäßigkeiten, nach dem das Leben (vielleicht) verläuft. Und dann noch die Frage nach Schicksal und Zufall. So viele Fragezeichen und „Warums“?

So füllt „Esoterik“ im eigentlichen Sinn gewissermaßen eine wichtige Lücke. Doch in völlig abgehobener und weltfremder Form geht der Schuss nach hinten los, wie es so schön heißt. Somit ist eine „richtige“ Definition entscheidend. Und die Grenzen! Der obige selbsternannte Guru im gelben Outfit mit selbst gestrickten gelben Mützchen im gelben Sektenhaus hat diese Grenze mehr als deutlich überzogen – nämlich auch diejenige Grenze des selbst Denkens, des bewusst Denkens, der Selbstverantwortung und der Selbstautorität, die einem jedem Menschen inne wohnen (sollte).

Spannend ist bei dieser Geschichte noch ein Aspekt: Wer einmal mit Müttern von Kindern mit Mukoviszidose zu tun hatte oder selbst ein chronisch erkranktes Kind hat, weiß ungefähr, was jetzt kommt: Es ist einfach eine große Belastung, die unser Sozialsystem gar nicht im dem Umfang leisten kann, wie es notwendig wäre. Und es sind nicht nur die finanziellen Sorgen, die drücken.

Ohne ein entsprechendes soziales Netz und Fürsorge ist der Alltag mit einem kranken Kind nicht zu schaffen. Hier an dieser Stelle passt auch das Stichwort „Seelsorge“. Ein schönes Wort. Und eine wichtige Aufgabe! Früher nannte man die Pfarrer und Priester so und sie waren es auch. Und heute? Da gibt es die Telefonseelsorge. Ein Job, der ehrenamtlich ausgeführt wird…

Wer in der Welt der „echten“ Spiritualität ein wenig zuhause ist, weiß inzwischen, dass man auch seine Schattenthemen anschauen muss oder darf! Alles hat zwei Seiten: Es lohnt sich immer, auch die Rückseite einer Medaille anzuschauen.

Der Schatten des Gurus und der Mutter des heute jungen Mannes ist besonders groß. Nun haben beide drei Jahre Zeit, darüber nachzudenken.

 

 

Quelle:
www.spiegel.de/panorama/justiz/sektenguru-von-lonnerstadt-mutter-zu-haftstrafe-verurteilt-a-984448.html
www.christundwelt.de/detail/artikel/alles-fuer-einen
www.de.wikipedia.org/wiki/Esoterik

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