Es gibt so viele Definitionen wie Bücher über Schamanismus. Dabei ist der Begriff Schamane ein nur in unserer westlichen Welt benutzter Oberbegriff für unterschiedlichste Arten von Heilern,  Medizinmännern,

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Lehrern, Wahrsagern, Hellsehern, oft auch Geschichtenerzählern und Bewahrern des Wissens, sowie Weisen aus den verschiedensten Kulturkreisen, die mit unterschiedlichen Mitteln und Ritualen arbeiten.

Nicht einmal darüber, wie man Schamane wird, gibt es eine feste Regel. Man wird bestimmt, man erbt die Rolle, man entscheidet sich selbst dazu, man hat eine bestimmte Krankheit oder ein Geburtszeichen, man hat besondere Fähigkeiten oder eine Vision, die Möglichkeiten sind vielfältig. Schamanische Techniken lassen sich mittlerweile in Seminaren erlernen, eine vollständige Ausbildung dauert zwischen drei Wochen und mehreren Jahren. Die Techniken lassen sich schnell lernen, das spirituelle, ganzheitliches Denken braucht länger und die Entwicklung zum Schamanen dauert ein Leben lang.

Wesentliches Element der schamanischen Arbeit ist bei allen Richtungen die Trance, in der die Seele des Schamanen seinen Körper verlässt und reist. Die Trance wird durch rhythmisches Trommeln, Rasseln, Tanzen oder auch durch Einsatz von bewusstseinserweiternden Pflanzen erreicht. Diese Art der Reise wird sehr unterschiedlich entsprechend der jeweiligen Kultur und des jeweils Reisenden beschrieben. Der eine erlebt eine romantische oder beängstigende, völlig verfremdete Traumwelt, die ihn in völlig unbekannte Sphären führt, der andere reist eher in „unserer Welt“ und sieht sich in einer ganz normalen Landschaft.

Manche treffen dabei Krafttiere, Engel und andere Geistwesen und Helfer, die sie unterstützen, andere reisen selbst oder gemeinsam mit ihrem Klienten. Diese Reisen führen in die Unterwelt, wo wir unsere Vergangenheit finden und entsprechend auch heilen können, und in die Oberwelt, wo wir unsere Vision finden. In der Unter- und Oberwelt ist der Schamane in der Lage, diese Welt aktiv zu verändern, er erträumt eine neue, andere Welt. Da die Vergangenheit „nur“ aus gespeicherten Erfahrungen besteht, werden diese Erinnerungen nachhaltig im Unbewussten verändert und die Vergangenheit ist eine andere. Verstricklungen und Bindungen werden aufgelöst, Vergebung und Dankbarkeit sind hier wichtige Aspekte. So wird der Schamane zum Mittler zwischen den Welten, er vermittelt zwischen unserem Unterbewusstsein und Verstand und Seele. Er ist ein Heiler von Beziehungen, Beziehungen zwischen Menschen, zwischen dem Menschen und seiner Umwelt, aber auch zwischen den verschiedenen Mitspielern unseres inneren Teams.

Die Kunst des schamanischen Träumens nimmt einen großen Raum ein, das aktive Verändern der Vergangenheit und das Erträumen der Zukunft ist fester Bestandteil. Durch bewusste Visualisierung, Suggestion und Affirmation erträumt der Schamane seine Zukunft, denn auch die Zukunft ist nur ein gedankliches Konstrukt auf Basis der gespeicherten Vergangenheit. Nur unterscheidet der Schamane nicht in eine reale – unsere – Welt und (die anderen) Traumwelten. Für ihn ist auch unser Leben ein Traum, alles ist ein Traum. Auch sieht er das Wissen der Menschheit als im kleinsten Teilchen gespeichert, jeder Stein, jedes Sandkorn, jede Pflanze enthält für ihn alle Informationen, alle Gedanken, die je gedacht wurden. Und so hat in seiner Welt auch alles eine Seele. Vielleicht ist aber auch alles eins und wir sprechen nur über eine einzige Seele mit verschiedenen Entitäten?

Rituale sind wesentlicher Bestandteil schamanischer Arbeit. Taufe, Kommunion, Konfirmation oder Beschneidung und andere sind ähnlichen Ursprungs und geben unserem Leben eine Ordnung, sie stehen für einen Übergang von einer Phase in die nächste. Das schamanische Ritual dient dazu, der jeweiligen Handlung einen festen Rahmen zu geben. Es ist ein Symbol für etwas, was der Behandelte sonst nicht einordnen kann, es vereinfacht einen offensichtlich komplexen Vorgang zu einem bildhaften Erleben. Bereinigt man schamanische Rituale vom schmückenden Beiwerk, so verbleiben Übungen, wie wir sie auch aus anderen spirituellen Richtungen kennen. Wie sollte es auch anders sein? Alberto Villoldo, Michael Harner, Carlo Zumstein u.a. haben dies getan und so das schamanische Wissen für uns geöffnet. Tatsache ist aber auch, dass man ein ganzes Weltbild, dass Grundlage jeder schamanischen Arbeit ist, nicht einfach übertragen kann in unsere Zeit und Gesellschaft, insofern können wir nur mit den entsprechenden Techniken oder Fragmenten arbeiten, die dennoch eine enorme Kraft haben können.

Schamanische Arbeit gibt unserer modernen Welt einen Teil des verloren gegangenen Zaubers längst vergessener Zeiten wieder und so stellen wir fest, dass von primitiven Völkern genutzte Rituale auch heute noch (oder wieder) ihren Sinn haben und auch nie ihre Kraft verloren haben. Über den Umweg des Amazonasdschungels, über Rituale der Indianer Nordamerikas, finden wir wieder dorthin, wo wir vor tausenden von Jahren bereits einmal waren. Auch wir hatten in Europa den Schamanen vergleichbare Menschen, bei den Kelten waren es die Druiden, in unseren Breiten die Hexen oder heilkundigen Frauen, die sich aufgrund der Verfolgung beginnend im Mittelalter – und in manchen Ländern bis zum heutigen Tage – zurückzogen und verstecken mussten. Ähnlich ging es übrigens auch den Schamanen in Russland und sogar auf Hawaii.

Viele geführte Meditationen und Mentalreisen, wie sie im modernen Coaching und in der Therapie genutzt werden, haben im Schamanismus ihren Ursprung. So ist der Schamane eine Art ganzheitlicher Vorgänger der modernen Medizin, bevor diese sich in die verschiedensten Richtungen aufgeteilt hat. Er hat erkannt, dass unsere Krankheiten und Probleme aus uns selbst kommen, dass wir sie nur in uns selbst heilen können. Und da dies auch in der Medizin mehr und mehr erkannt wird, finden diese beiden Wege vielleicht irgendwann wieder zusammen, so wie wir in uns selbst unser Unbewusstes, unseren Verstand und unsere Seele wieder integrieren. Eine spirituelle Dimension in der Heilung wird mehr und mehr anerkannt. Im Dialog mit Medizin, Therapie und auch Religion kann der Schamanismus neue Sichtweisen und Möglichkeiten eröffnen.

Autor: Oliver Driver

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