Spiritualität ist ein Wort, dass in jeder Kultur zu finden ist. Während viele es abschätzig benutzen, ist es für die anderen das Höchste. Und jeder scheint damit etwas anderes zu meinen. Vor allem wer sich selbst als „spirituell“  betitelt, sollte sich diese Frage gestellt haben. In diesem Beitrag erklärt der weltweit bekannte Yogi und Autor Sadhguru, was Spiritualität im Verständnis des Yoga ist.

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Was bedeutet es spirituell zu sein?

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Eine Reise nach Indien und zu sich selbst
Anne-Linda DuToit

Spiritualität meint keine spezielle Praxis. Spiritualität ist ein bestimmter Seinszustand. Um dorthin zu kommen, gibt es viele Dinge zu tun. Es ist wie ein Garten auf deinem Grundstück. Wenn die Erde, das Sonnenlicht oder der Stamm einer Pflanze in einem bestimmten Zustand ist, wird die Pflanze nicht blühen – du musst etwas tun. Du musst dich um diese Dinge kümmern. Wenn du also deinen Körper, deinen Geist, deine Emotionen und deine Energien zu einem bestimmten Reifegrad kultivierst, erblüht etwas anderes in dir – das ist, was Spiritualität ist. Wenn dein logischer Verstand unreif ist, wird er alles bezweifeln. Wenn dein logischer Verstand reift, sieht er alles in einem völlig anderen Licht.

Wann immer ein Mensch etwas Größeres als sich selbst erfährt, wird traditionell auf diese Erfahrung so geblickt: „Das ist Gott...“. Die ganze Idee von Gott ist nur dies – alles, was größer ist als du. Es könnte ein Mensch sein oder eine Erfahrung oder ein bestimmter Aspekt der Natur. Aber ist dies spirituell? Nein, das ist nur Leben. Wenn ich sage „nur Leben“, versuche ich es nicht, als Kleinigkeit abzustempeln. Es gibt nichts Größeres. Nur wenn Leben eine überwältigende, kraftvolle, glückselige Erfahrung für dich wird, willst du wissen, wer das Ganze erschaffen haben könnte.

Wenn du den Prozess oder die Quelle der Schöpfung kennenlernen willst, ist der intimste Teil der Schöpfung dein Körper, ist es nicht so? Da ist ein gefangen gehaltener Schöpfer hier, gefangen in dir. Du solltest ihn hier nicht verpassen. Wenn du ihn hier nicht verpasst, wenn du die Quelle der Schöpfung in dir kennst, dann bist du spirituell.

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Spiritualität und Religion: Macht der Glaube an Gott dich spirituell?

Ein Atheist kann nicht spirituell sein. Aber du musst verstehen, dass auch ein Theist nicht spirituell sein kann. Denn Atheist und Theist sind nicht verschieden. Einer glaubt an Gott, der andere glaubt, es gibt keinen Gott. Beide glauben etwas, dass sie nicht wissen. Du bist nicht ehrlich genug, um zuzugeben, dass du nicht weißt. Das ist dein Problem. Also sind Theisten und Atheisten nicht verschieden. Sie sind die gleichen Leute, welche vorspielen, verschieden zu sein. Ein spirituell Suchender ist weder ein Theist noch ein Atheist. Er hat realisiert, dass er nicht weiß. Also sucht er.

In dem Moment, an dem du an etwas glaubst, wirst du blind für alles andere. Der ganze Konflikt auf dem Planeten ist nicht der zwischen gut und schlecht, wie sie es zu projizieren versuchen. Es ist immer der Glaube eines Menschen gegen den Glauben eines anderen Menschen. Das Bedürfnis für Glauben ist mehr psychologisch als spirituell. Du willst an etwas festhalten, du willst dich sicher fühlen, du willst dich fühlen, als ob du es alles weißt. All dies kommt von einem sehr unreifen Geist. Was ist das Problem, wenn du nichts über diese Existenz weißt? Du weißt tatsächlich nichts. Das ist wunderschön! Und du siehst, wie du dich selbst schön und glücklich machst, was in deinen Händen liegt.

Was ist eine spirituelle Erfahrung?

Zum Ozean oder zu einem Berg zu gehen und eine Erfahrung zu suchen, mag schön sein, du musst die Welt so genießen, wie sie ist, aber du musst auch verstehen: Der Fisch im Ozean denkt nicht, dass es eine spirituelle Erfahrung ist, noch denkt die Bergziege, dass der Berg eine spirituelle Erfahrung ist, weil sie dort ihr ganzes Leben verbringen. Wenn du sie in eine Stadt bringst, denken sie womöglich, dass dies eine spirituelle Erfahrung ist. Es ist das Brechen einer Barriere in dir – etwas ist in dir gebrochen. Du warst in einer Schale. Diese ist gebrochen und wurde zu einer größeren Schale. Was ich damit sagen will, ist, dass wenn du dich an die größere Schale gewöhnst, fühlt sie sich genau so an wie die vorherige.

Wenn du also grenzenlos werden willst und du es durch das Körperliche versuchst, versuchst du im Grunde stückchenweise in Richtung Grenzenlosigkeit zu gehen. Kannst du 1, 2, 3, 4, 5 zählen und eines Tages bis zur Unendlichkeit zählen? Das Einzige, was du wirst, ist endlos Zählen. Das ist nicht der Weg. Mit physischen Mitteln kannst du niemals die grenzenlose Natur erreichen. Jeder Mensch will grenzenlos werden. Wenn du ihm das gibst, was er will, ist er für 3 Tage ok. Am vierten Tag will er etwas anderes. Manche mögen es als Gier bezeichnen, ich sage nur, dass dies der Lebensprozess in die falsche Richtung ist. Wenn du deine grenzenlose Natur kennen willst, musst du etwas wahrnehmen, was jenseits des Physischen ist. Etwas was du womöglich berührt hast, als du ins Meer gesprungen bist, als du einen Berg gesehen hast, als du ein Lied gesungen hast, als du getanzt hast, als du deine Augen geschlossen hast, in so vielen verschiedenen Arten und Weisen könnte es einem Menschen passiert sein. Du hast es berührt, doch ist die Frage nun eine von Nachhaltigkeit.

Spiritualität im Alltag: Muss ich ein spirituelles Leben lernen?

Es gibt viele subjektive Praktiken, die es aufrechterhalten. Abgesehen davon gibt es jedoch eine simple Sache, die jeder Mensch machen muss: Mache deine Beteiligung am Leben unterschiedslos. Ob du eine Person, einen Baum oder eine Wolke anschaust, du bist gleichermaßen involviert. Du bist gleichermaßen mit deinem Körper und dem Atem involviert. Wenn du keinen Unterschied machst, bezüglich was besser ist, und du gleichermaßen mit jedem Aspekt des Lebens involviert bist, wirst du unentwegt spirituell sein. Niemand muss dir beibringen, was Spiritualität ist.

Autor Sadhguru

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Quelle: https://isha.sadhguru.org/global/en/wisdom/article/what-is-spirituality

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