„Lernen Sie Achtsamkeit: Je klarer wir uns unserer selbst und der Situationen unseres Lebens bewusst sind, desto mehr wächst unsere Fähigkeit, selbstbestimmt und angemessen auf äußere  Einflüsse zu reagieren.

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Solange wir ‚ohnmächtig‘ durch unser Leben torkeln und wie ein Blatt im Wind hierhin und dorthin geweht werden, ist das nicht möglich. Achtsamkeit führt zu klarer Erkenntnis und zu mehr Selbstbestimmung im Leben – und damit zu weniger Stress.“ – so Doris Kirch, die Leiterin des Deutschen Fachzentrums für Stressbewältigung (DFME).

Seit vielen Jahren beschäftigen Sie sich mit Methoden und Strategien zur Stressbewältigung. Was hat Sie damals dazu veranlasst, „den Tiger zu zähmen“?

Vielleicht hatte es mein „Tiger“ besonders nötig, denn ich bin unter dem Sternzeichen Widder geboren. Aber im Ernst: Ich hatte ein recht herausforderndes Leben, das mich zur Spezialistin für Stress gemacht hat. Hinzu kam, dass ich seit 1985 Zen-Schülerin bin und Meditation integraler Bestandteil meines Lebens geworden ist. Ich lernte die heilsame Wirksamkeit verschiedener Methoden der inneren Zentrierung und die Bedeutung einer Achtsamkeitspraxis am eigenen Leib kennen. Da ich über Jahre hinweg auch noch zahlreiche Ausbildungen in physischen, psychischen und energetischen Heilverfahren absolviert hatte, verdichteten sich alle diese Faktoren fast wie von selbst zu diesem Weg der „Tigerzähmung“.

Fast jeder benutzt den Ausdruck „Stress“ zur Beschreibung von beruflichen und privaten Befindlichkeiten, doch kaum jemand kann erklären, was damit eigentlich gemeint ist. Wie lautet Ihre persönliche Definition dieses Phänomens?

Meine eigene Definition schließt sich der wissenschaftlichen an: In einfachen Worten ausgedrückt ist Stress ein Gefühl, das entsteht, wenn wir uns einer Situation ausgeliefert fühlen, die wir glauben, nicht beeinflussen zu können. Das weist darauf hin, dass Stress (auch) etwas Subjektives ist, das mit unseren Gefühlen und der Einschätzung der Selbstwirksamkeit in unserem Leben zu tun hat.

Wo liegen Ihrer Meinung nach die Ursachen für den zunehmenden Stress in der heutigen Zeit? Besteht eine wirksame Stressbewältigung hier nur im richtigen Umgang oder ist nicht sogar eine Bekämpfung dieser Ursachen erforderlich?

Lassen Sie uns nicht von „Bekämpfen“ reden; das ist zwar weit verbreitet, nährt aber meiner Meinung nach die Phantasie, dass unser Leben ein Schlachtfeld voller Bedrohungen ist, gegen die wir uns zu wehren haben. Eine effektive Stressbewältigung sollte sich mit Ursachen, Methoden und Strategien gleichermaßen beschäftigen. Die Ursachen des Stresses sehe ich zum einen in der Globalisierung und der damit zusammenhängenden fortschreitenden Kommerzialisierung und zum anderen in der zunehmenden Technisierung der Welt, die uns zwar an manchen Stellen Aufwand abnimmt, ihn dafür aber an anderer Stelle verdoppelt. Ich mag Technik, aber ich glaube, dass die Geschwindigkeit, mit der sie sich entwickelt, unser 280 Millionen Jahre altes Instinkthirn längst überholt hat. Das tut uns nicht gut. Wir brauchen wieder mehr Entschleunigung, mehr Muße, mehr Natur, mehr Schöngeistigkeit – einfach mehr gesunden Ausgleich.

Für eine erfolgreiche Stressbewältigung spielt die Meditation eine wichtige Rolle. Was hat man darunter genau zu verstehen und wie meditiert man überhaupt richtig?

Der Begriff Meditation ist mit wenigen Worten nicht zu erklären. Es gibt zahllose verschiedene Meditationsformen und Meditationstechniken. Was Sie dabei richtig oder falsch machen können, hängt von der jeweiligen Methode ab. Eines der größten Übel bei allen Formen ist nach meiner Erfahrung, wenn Meditierende vor sich hindämmern oder in mystischen Schauungen weilen, anstatt völlig wach, klar und präsent zu sein. Denn gerade die Wachheit ist es, die einen meditativen Zustand kennzeichnet.

An einer Stelle Ihres Buches heißt es, das Geheimnis erfolgreicher Stressbewältigung besteht in der „Achtsamkeit“. Was ist damit gemeint?

Achtsamkeit wird im Buddhismus auch gerne als „heiter gelassenes Gewahrsein“ bezeichnet. Es ist eine besondere Form von Aufmerksamkeit. Achtsam zu sein bedeutet, mir aller Dinge in mir und um mich herum wertungsfrei bewusst zu sein. Wie ich vorhin sagte, entsteht Stress aus einem Gefühl heraus, das viel damit zu tun hat, sich ohnmächtig ausgeliefert zu fühlen. Je klarer wir uns hingegen unserer selbst und der Situationen bewusst sind, in denen wir uns befinden, und je ruhiger unser Geist dabei ist, desto mehr wächst unsere Fähigkeit, selbstbestimmt und angemessen auf äußere Einflüsse zu reagieren. Solange wir „ohnmächtig“ durch unser Leben torkeln und wie ein Blatt im Wind hierhin und dorthin geweht werden, ist das nicht möglich. Achtsamkeit führt zu klarer Erkenntnis und zu mehr Selbstbestimmung im Leben – und damit zu weniger Stress.

Herzlichen Dank für das Interview!

 

buch_12 goldene12 Goldene Regeln für Stress-Junkies
ISBN 9783938396438
Kirch, Doris
Verlag Mankau

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