Darauf einigten sich über 40 Entwicklungsländer auf der 22.Weltklimakonferenz (COP) in Marrakesch/Marokko. Was Deutschland und andere fortgeschrittenere Länder mit ihren langfristigen Klimaschutzplänen in den Schatten rückt. Doch können Länder wie z.B. Vietnam und die Philippinen so einfach aus Kohle & Co aussteigen und damit beispielhafter Vorreiter für Klimaschutz werden?

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Die Menschheit schafft sich ab Die Menschheit schafft sich ab

H. Lesch & K. Kamphausen
Harald Lesch, Astrophysiker und Philosoph, ist aus den Weiten des Weltalls zurück. Es geht ihm jetzt um die Heimat des Menschen, der in einer bisher nie gekannten Hybris den Ast, auf dem er sitzt, absägt.

Ein Jahr nachdem das Pariser Abkommen beschlossen wurde, sollten in Marokko erste Schritte für dessen Umsetzung beschlossen werden – denn wie genau das Ziel erreicht werden soll, die globale Erwärmung auf „unter 2 Grad Celsius und möglichst 1,5 Grad Celsius“ zu begrenzen, ist noch nicht klar. Die nationalen Klimaschutzziele, die von den Ländern bisher vorgelegt wurden, erreichen das globale Ziel zusammengerechnet noch lange nicht.

Sie halten sich für die Staaten, die am meisten durch den Klimawandel bedroht werden. Seit Jahren versuchen 43 Länder, die sich im „Climate Vulnarable Forum“ (CVF) zusammengeschlossen haben, der Weltgemeinschaft ein Versprechen abzuringen: den Verzicht auf Kohle, Öl und Erdgas.

Es handelt sich um ärmere Länder aus Afrika, Asien, der Karibik und der Südsee und um mindestens zwei weitere Staaten, die nicht zum CVF-Verbund gehören, die noch bekannt gegeben werden sollen. Womöglich kämen sogar noch weitere Länder zusammen, sagten die Organisatoren der Initiative auf der Tagung in Marrakesch. All diese Staaten eint die Sorge, besonders durch den Anstieg des Meeresspiegels, durch Dürren und Stürme bedroht zu sein, deren Auswirkungen sich aufgrund der erwarteten Erwärmung verschärfen könnten.

„Das ist endlich eine Ansage ohne Hintertüren“,

kommentiert die Klimaexpertin von „Brot für die Welt“, Sabine Minninger, den Beschluss der 45 Länder. Die globale Energiewende werde jetzt von den potenziellen Opfern des Klimawandels gesteuert.

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Schau dir dazu gern kurz Harald Lesch zu „Die Menschheit schafft sich ab“ an:

Energie-Revolution durch Pionierstaaten – Technologie durch westliche Firmen

Jetzt gehen sie selber voran. Auf der Uno-Klimakonferenz in Marrakesch präsentieren die CVF-Staaten am Freitag einen außergewöhnlichen Beschluss: So schnell wie möglich wollen die 43 und die anderen Beteiligten ihre Energieversorgung vollständig auf erneuerbare Energien umstellen.

Bis spätestens 2020 wollen sie ihre nationalen Klimaziele auf das Ziel hin umschreiben. Ziel sei, die globale Erwärmung auf 1,5 Grad über dem Niveau des 19. Jahrhunderts zu bremsen. Das Konzept der CVF-Länder ist der bei weitem ehrgeizigste Klimaplan der Welt.

Als „sehr starke Botschaft“ bezeichnet Wael Hmaidan von der Umweltorganisation Climate Action Network die Initiative der CVF-Staaten. Sie markiere „den Kipppunkt einer Energierevolution“, meint Jessy Tolkan vom Umweltnetzwerk Purpose Climate Lab.

Aufgabe sei es, auf dem Welt-Klimavertrag aufzubauen, die Klimaziele aller Staaten stetig zu verschärfen – noch vor 2020. Dieser Forderung sind nun die 43 CVF-Länder und ihre Partnerstaaten nachgekommen. Sie füllten den Klimavertrag mit Leben, sagt Minninger.

Die Energiewende der Pionierstaaten soll von Industrieländern ermöglicht werden. Der Klimavertrag sieht Entwicklungshilfe in Höhe von jährlich 100 Milliarden Dollar vor, um die Folgen des Klimawandels zu mildern. Westliche Firmen sollen die Technologie liefern.

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Kohlekraft-Ausstieg machbar?

Auf die Frage, ob die CVF-Staaten Deutschland überholt hätten, antwortete Bundesumweltministerin Barbara Hendricks im Interview mit klimaretter.info:

„Es ist doch so, dass die meisten dieser Länder gar keine Kohlekraftwerke haben! Sie steigen nicht aus der Kohle aus, sie steigen nur nicht ein.“

Doch das trifft nicht auf alle über 40 Länder zu. Sechs davon haben derzeit Kohlekraftwerke mit einer Kapazität von zusammen 25.000 Megawatt am Netz.

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Eine besondere Herausforderung wird dies für Vietnam und die Philippinen. Bangladesch und die Mongolei müssen hingegen nur auf ihre geplanten Kraftwerke verzichten.

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Noch scheint Vietnam aber hin- und hergerissen bei seiner Energiepolitik. Ein Grund dafür könnten die Kohleimporte und -exporte sein. Vietnam war stets ein Kohleexporteur. Doch dieses Jahr muss das Land zum ersten Mal Kohle importieren. Gerade hat das vietnamesische Parlament beschlossen, auf den Bau der ersten beiden Atomkraftwerke zu verzichten.

„Atomstrom ist nun weniger wettbewerbsfähig als Strom aus anderen Quellen“,

sagte Duong Quang Tanh, der Chef des nationalen Stromkonzers.

Ebenso unklar ist die Situation auf den Philippinen. „Warum sollte ich mehr Kohlekraft bewilligen?“, fragte Umweltministerin Gina Lopez im Juli dieses Jahres.

„Warum sollten wir uns auf eine Energie festlegen, die keine Zukunft hat?“

Der Energieminister des Landes sieht dies allerdings anders. „Die Zeichen der Zeit sagen uns, dass Kohle bleiben wird“, sagte Alfonso Cusi kürzlich und erklärt das Problem: „Wir sehen uns einem ‚Energie-Trilemma‘ gegenüber: Wir haben die schwierige Aufgabe, eine Balance zu finden zwischen Versorgungssicherheit, ökologischer Nachhaltigkeit und ökonomischer Wettbewerbsfähigkeit.“ Trotz der CVF-Ankündigung scheint also auch auf den Philippinen das letzte Wort über die zukünftige Energiepolitik noch nicht gesprochen.

 

Hilfe aus Deutschland

Positive Reaktionen gab es auf den deutschen Klimaschutzplan. So haben in der zweiten Verhandlungswoche mit Deutschland, den USA, Kanada und Mexiko vier Länder erstmals Langzeitziele vorgelegt, wie sie bis 2050 ihre nationale Klimapolitik planen wollen. Und auch wenn sich die Debatte in Deutschland vor der Konferenz noch stark um die Braunkohlefrage gedreht hat, wurde die Verabschiedung des deutschen Klimaschutzplans international als wichtiges Zeichen gesehen und von den Konferenzteilnehmern sehr positiv aufgenommen.

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Auch bezüglich der globalen Klimahilfe hat Deutschland für arme Staaten seine Unterstützung um 50 Millionen aufgestockt; insgesamt will es ab 2020 vier Milliarden Euro im Jahr zur Verfügung stellen.

„Es ist gute Tradition, dass Deutschland zur jährlichen Klimakonferenz frisches Geld in den wichtigen Anpassungsfonds einzahlt“,

lobt Jan Kowalzig, von der Hilfsorganisation Oxfam. Arme und reiche Staaten erhoffen sich Vorteile: Die einen brauchen Technologie, um mit billiger Energie ihre Lebensverhältnisse zu bessern. Die anderen wollen Absatzmärkte für Energietechnologie ausbauen.

„Ein Solarpanel ist billig, lässt sich in jedem Dorf aufstellen und hebelt die Menschen aus der Energiearmut“, sagt Minninger.

Damit die mehr als 40 klimaverletzlichen Länder ihren Plan einer komplett erneuerbaren Stromversorgung umsetzen können, kann Deutschland helfen. In Marrakesch hat Hendricks zusammen mit Marokko eine neue Initiative aus der Taufe gehoben: die NDC-Partnerschaft.

NDCs sind die nationalen Klimapläne der Länder, und Deutschland will hier Entwicklungsländern helfen, möglichst klimafreundliche Pläne zu entwickeln. Hilfreich wäre dabei sicher, wenn Deutschland bereits auf eigene Erfahrung mit dem Kohleausstieg zurückgreifen könnte. Doch die deutsche Regierung wähnt sich offenbar vor einem Kohle-Dilemma. Einerseits ist klar, dass der Ausstieg kommt. Andererseits sind nächstes Jahr Bundestagswahlen. So hat jeder seinen eigenen Zielkonflikt beim Klimaschutz.

Trump und Klimaschutz?

Ein wesentlicher Geldgeber des Klimavertrags allerdings droht auszufallen – was die Umsetzung des Abkommens erheblich erschweren könnte: Der neue Präsident der USA, Donald Trump, hatte vor der Wahl angekündigt, aus dem Klimavertrag aussteigen und Zahlungen einstellen zu wollen.
Die scheidende US-Regierung setzte in Marrakesch ein letztes kraftvolles Signal: Sie präsentiert ambitionierte Klimaziele der USA bis zur Mitte des Jahrhunderts.

Auf ein Fünftel im Vergleich zu 2005 sollen die Treibhausgasemissionen des Landes bis 2050 reduziert werden – so sieht es die „Dekarbonisierungsstrategie“ vor, die noch im Dezember beschlossen werden soll. Ob sie bestehen kann, entscheidet die Regierung Trump.

Der scheidende US-Außenminister John Kerry betonte vor Ort nachdrücklich, „dass bestimmte Aufgaben, wenn man erstmal gewählt wurde, anders als im Wahlkampf angekündigt angegangen werden müssen“ und die Staatengemeinschaft hat eine Erklärung verfasst, in der sie noch einmal die Wichtigkeit des Pariser Abkommens und des Kampfes gegen den Klimawandel betont – und die durchaus als indirekte Botschaft an den kommenden US-Präsidenten verstanden werden kann.

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Quellen:

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/klimakonferenz-in-marrakesch-45-laender-verzichten-komplett-auf-kohle-oel-und-gas-a-1121838.html

http://www.klimaretter.info/energie/hintergrund/22316-kohleausstieg-fast-leicht-gemacht

http://www.vorwaerts.de/artikel/ergebnisse-klimakonferenz-marrakesch

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